Über 10 Jahre unentdeckt

Junge Frau überlebt Fuchsbandwurm - wie gefährlich ist der Parasit in BW?

Noa steht kurz vor dem Abi. Seit Monaten kämpft sie mit Übelkeit, Hautjucken und Müdigkeit. Als plötzlich ihre Augen gelb werden, folgt die schockierende Diagnose: Fuchsbandwurm.

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Von Autor/in Catharina Straß

Noa-Sophie Benker aus Haigerloch (Zollernalbkreis) ist am Fuchsbandwurm erkrankt. Bei der Diagnose war sie 19 Jahre alt - da hatte der Parasit bereits 80 Prozent ihrer Leber zerstört. Die Erkrankung ist extrem selten, tritt aber in Süddeutschland häufiger auf als im Rest Deutschlands.

Als Noa am Neujahrstag 2024 in den Spiegel sieht, ist der äußere Rand ihrer Augen gelb. Rückstände von den zurückliegenden Partys, witzelt die Familie zunächst. Als wenig später auch Noas Haut gelb wird, werden die Benkers unruhig. Beim Arzt wird Noas Blut auf Krankheiten wie Hepatitis oder HIV getestet - negativ. Im Krankenhaus dann die ungewöhnliche Diagnose: Fuchsbandwurm.

Die Augen so gelb wie ein Tortillachip: Noa vor ihrer Fuchbandwurm-Diagnose.
Die äußeren Ränder des Auges waren so gelb wie ein Tortillachip, sagt Noa: "Draußen lag Schnee und dann ist meiner Mama zum ersten Mal richtig aufgefallen, dass ich wirklich komplett gelb war." Noa-Sophie Benker

Mich hat es extrem angeekelt im ersten Moment, weil ich dachte, das ist wie der Bandwurm, eben ein richtiger Wurm.

Was ist der Fuchsbandwurm - und wie wirkt er?

Nach und nach wird klar: Ein Großteil der Leber ist von dem Parasiten befallen. 80 Prozent müssen entfernt werden. Und: Auch der Gallengang und Nebenarterien sind betroffen. "Ich habe mich im ersten Moment extrem geekelt vor der Diagnose", sagt Noa. Besonders vor der Vorstellung eines Bandwurms in ihrem Körper. Der Name ist irreführend: Nicht der Wurm selbst bewegt sich durch den menschlichen Körper, sondern seine Larven. Das Larvengewebe wächst wie kleine Bläschen. Tumorartig breitet es sich aus und zerstört das Gewebe - über Organgrenzen hinweg. Meistens beginnt der Befall in der Leber - wie bei Noa.

Noa und Ramona Benker schauen sich auf dem Handy Bilder nach den Operationen an. Heute hat sich die 21-Jährige von dem Fuchsbandwurm erholt.
Die Erkrankung hat Mutter und Tochter zusammengeschweißt. Mama Ramona hat Noa zu allen Operationen in Berlin begleitet. Noa-Sophie Benker

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Bei manchen Patientinnen und Patienten reichen Tabletten mit dem Wirkstoff Albendazol zum Eindämmen der Larven. Bei Noa brauchte es gleich mehrere OPs. Ein Chirurgenteam an der Berliner Charité hat die junge Patientin behandelt: "Die haben sich wirklich gekümmert und genau hingeschaut und uns wirklich auch sehr gut informiert und aufgeklärt", denkt Mutter Ramona Benker zurück. Noa habe das wieder Hoffnung gegeben.

Doch die Operationen waren riskant. Als nach zwei Vor-OPs die befallene Leber entfernt wurde, war die Sorge bei den Benkers groß: "Irgendwie gehst du da mit einer recht geringen Überlebenschance rein", denkt Noa mit Unbehagen zurück. "Und dann dachte ich mir: Wenn das jetzt die letzten Momente in deinem Leben sind, denk einfach noch mal über das Schönste nach, was so passiert ist." Mutter Ramona habe den ganzen Tag vor der Klinik gewartet. "Immer mit Blick in Richtung OP", sagt sie mit Tränen in den Augen. Heute geht es Noa wieder gut - auch wenn regelmäßige Kontrollen und Medikamente sie weiter begleiten.

Noa nach einer Operation im OP-Bett. Mehrere Operationen hat sie hinter sich.
Guter Dinge trotz schwerer Zeit: Noa in einem OP-Bett in der Berliner Charité. Ein Großteil ihrer Leber musste nach der Diagnose Fuchsbandwurm entfernt werden. Noa-Sophie Benker

Wodurch steckt man sich an?

Wann und wie sich Noa mit dem Fuchsbandwurm angesteckt hat, kann sie heute nicht mehr zurückverfolgen: Zwischen dem Verschlucken der Eier und den ersten Symptomen können schon mal 15 Jahre liegen. Menschen auf dem Land haben laut Expertin Beate Grüner, Infektiologin und Internistin am Uniklinikum Ulm, ein höheres Erkrankungsrisiko. Land- und Forstwirte, aber auch Menschen, die auf Streuobstwiesen arbeiten oder im Gemüsegarten keinen fuchssicheren Zaun haben, seien theoretisch gefährdet. Weniger riskant sei hingegen das Sammeln von Pilzen oder Wildfrüchten, so Grüner.

Die Erkrankung ist sehr selten: Jedes Jahr gibt es laut Grüner deutschlandweit etwa 50 neue Fälle. In Süddeutschland komme der Fuchsbandwurm häufiger vor als in anderen Regionen Deutschlands. Dennoch bewertet das Landesgesundheitsamt das individuelle Erkrankungsrisiko als sehr gering: Seit 2001 seien aus Baden-Württemberg etwa 300 Fälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden. Einschränkungen wie Früchte aus dem Freien nicht zu essen oder nicht mehr rauszugehen seien daher nicht verhältnismäßig.

Fuchsbandwurm-Expertin Beate Grüner, Infektiologin und Fuchsbandwurm-Expertin aus Ulm sitzt in ihrem Büro.
Beate Grüner ist Infektiologin und Expertin für den Fuchsbandwurm am Uniklinikum Ulm. Süddeutschland, sagt sie, sei Fuchsbandwurm-Hotspot. Besonders der ländliche Raum, etwa auf der Schwäbischen Alb oder im Allgäu. Noa-Sophie Benker

Wie kann man sich vor dem Fuchsbandwurm schützen?

Dennoch könne man sich vor dem Fuchsbandwurm schützen, sagt Expertin Grüner: durch Händewaschen vor dem Essen und nach Tätigkeiten im Freien. Und indem bodennah wachsendes Obst und Gemüse oder Fallobst gründlich abgewaschen wird. Auch Erhitzen über 60 Grad über fünf Minuten töte die Bandwürmer ab. Tiefkühlen oder in Alkohol einlegen schütze hingegen nicht.

Tiefkühlen schützt nicht.

Wer in der Landwirtschaft oder mit Erde arbeitet, sollte zusätzlich die Kleidung wechseln, rät Grüner. "Alles, wo dann die Hände oder die Eier in den Mund gelangen. Das muss man sich einfach vorstellen, wie das passiert." Auch Hunden und Katzen sollten etwa alle sechs Wochen entwurmt werden. Haustiere seien zwar deutlich seltener befallen, aber nah dran am Menschen.

Noa auf ihrem Pferd. Wegen der Fuchsbandwurm-Erkrankung konnte sie längere Zeit nicht reiten.
Nun kann sie endlich wieder ihrer Leidenschaft nachgehen: Wegen der Fuchsbandwurm-Erkrankung konnte Noa aus Haigerloch (Zollernalbkreis) längere Zeit nicht reiten. Noa-Sophie Benker

Noa: "Einfach froh, dass ich leben darf"

Unbehandelt sei der Fuchsbandwurm oft tödlich, so das Landesgesundheitsamt. Noa hat ihn überlebt. Sie ist dankbar, dass ihr in der Berliner Klinik geholfen wurde. "Ich bin einfach froh, dass ich leben darf. Es ist einfach so viel leichter zu leben, wenn man weiß, wie schnell es eigentlich vorbei sein kann", sagt sie. Jetzt will sie ihr Abitur nachholen und vielleicht selbst Ärztin werden. Um anderen zu helfen.

Gesundheit Fuchsbandwurm oft unentdeckt - wie hoch ist das Risiko?

Der Befall mit dem Fuchsbandwurm gilt als selten und gut behandelbar. Doch eine neue Studie zeigt: Viele Fälle bleiben unentdeckt. Die wichtigsten Infos zu Schutz, Symptomen und Behandlung.

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