In Kolbingen (Kreis Tuttlingen) gibt es in der katholischen Kirche auch in diesem Jahr einen Erntedankteppich. Sein Thema: Kleines Senfkorn Hoffnung. Zehn Frauen haben daran gearbeitet. Gut vier Wochen kann man ihn sehen.
Seit Sommer wird an dem Erntedankteppich in Kolbingen geplant
In der katholischen Kirche in Kolbingen werden die letzten Körner gelegt. Vier Frauen knien auf einer Stufe neben dem Altar. Vor ihnen ist der fast fertige Erntedankteppich. "Das Aufstehen nach dem vielen Knien wird von Jahr zu Jahr beschwerlicher", schmunzelt Marianne Mattes. Seit über 20 Jahren legt sie in der Kirche den Erntedankteppich. Seit Pfingsten wird geplant. Zusammen mit Stefanie Amann hat Mattes das Motiv ausgesucht und sich Gedanken über die Materialien gemacht.
Für die Umrisse werden Pfefferkörner aufgeklebt
In vielen Gemeinden in der Region gibt es die Tradition des Erntedankteppichs. Das vergängliche Kunstwerk in der Kirche in Kolbingen ist zwei auf zweieinhalb Meter groß. Die Konturen sind schon vor Wochen geklebt worden - mit hellen und dunklen Pfefferkörnern. Nun geht es an die Feinarbeit. Mit Löffeln streuen die Frauen Weizenkörner auf die noch leere Fläche. Vorsichtig legt eine Frau mit einer Pinzette helle Reiskörner in den schmalen Schriftzug. Zwei Tage arbeiten die Frauen noch an dem Erntedankteppich, verzieren ihn außen mit Moosen, Blüten und Blättern.
Erntedankteppich soll Hoffnung machen
Der kunstvoll gestaltete Teppich aus Maisgrieß, Kurkuma, Weizenkörnern, Pfeffer und Reis leuchtet in satten Farben. Er zeigt unter anderem eine große Sonne über einem Baum, unter dem zwei Menschen knien. Ein Bild, das Hoffnung machen soll.
Besucher hinterlassen manchmal Fingerabdrücke
Am Sonntag wird der Kolbinger Erntedankteppich feierlich in der Kirche gesegnet. Zu sehen ist er knapp vier Wochen lang. "Manchmal müssen die Leute einfach reinfassen, nicht bloß mit den Augen", weiß Stefanie Amann. Immer wieder wird der Erntedankteppich kontrolliert. Mit einem Pinsel, der in der Kirche liegt, werden die Fingerabtrücke dann wieder entfernt.
Und was bleibt vom Erntedankteppich und all den Körnern, gemahlenen Blüten und Gewürze? Am Ende wird er in guter alter schwäbischer Tradition zusammen gekehrt, die Naturmaterialien werden aussortiert, in Gläser verschlossen und bis zum nächsten Jahr aufbewahrt.