Eine Frau mit Damenbart trinkt mehrere Gläser Champagner. Damen im Pailettenkostümen und Perlenketten sitzen auf einer übergroßen Chaiselongue, im Hintergrund spielt ein Orchester der 1920er-Jahre. Das sind nur zwei Szenerien im großen Saal des Grandcafés in der Kunstwelt von Stefanie Siebert, alias Alraune. In ihrer aktuellen Ausstellung ,,Alraunes Seniorenresidenz'' geht es wie immer ziemlich skurril und schräg zu. Residenzen für ältere Menschen sind eher schlicht und steril, findet die Künstlerin. Deshalb hat sie ihr Privatmuseum in Beuron in eine Seniorenresidenz der ganz besonderen Art verwandelt.
Drei Stockwerke, 23 Räume und 80 menschengroße Stofffiguren: eine Gesellschaft ganz spezieller Menschen trifft aufeinander. Jede Figur erzählt ihre eigene schräge Geschichte. Alle Figuren sind von Alraune mit viel Feingefühl, Faden und Fantasie handgefertigt. Auch die Deko, wie etwa Mandarinen- und Erdbeertorten in der Glasvitrine im "Grandcafé''. Oder ein dekadent angerichteter Tisch mit Austern und Hummern. Essen ist in der Ausstellung allgegenwärtig. Täuschend echte Würstchen und Fleischkeulen liegen in der Metzgerei. Hinter dem Tresen lauert der Metzger-Wolf und wirft gierige Blicke auf Rotkäppchen, das für ihre Oma in der Metzgerei einkauft.
Ich mag Essen, weil es so schön weich ist. Genauso, wie meine Stoffe weich sind.
Besucher tauchen in eine andere Welt ein
Nicht nur die Figuren tragen lustige Accessoires. Zur Einstimmung auf die Ausstellung bekommen Besucherinnen und Besucher einen Hut mit Würstchen aufgesetzt. Für Vegetarier gibt es Hüte mit Gemüse. Viele Besucher sind fasziniert von Alraunes Liebe zum Detail. Manche von ihnen kennen ihre Ausstellungen noch aus Haigerloch und sind schon mehrmals dagewesen. Seit 2023 betreiben Stefanie Alraune Siebert und ihr Mann das ehemalige Pilgerheim Gregoriushaus in Beuron.
Allein die Gesichter der Figuren, wie sie gucken, wie sie ihre Augen verdrehen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, sie anzuschauen.
Kunstfiguren und keine Puppen
Besonders wichtig ist der Künstlerin, dass ihre Figuren nicht als Puppen bezeichnet werden. Puppen seien dazu da, in einer Vitrine schön auszusehen. Ihre Werke begreift sie als Kunstfiguren, die Geschichten erzählen und den Betrachterinnen und Betrachtern etwas mitgeben sollen.
Die Figuren bin ich. Das ist mein Leben. In jeder einzelnen Figur ist ein Teil von mir.
Drei bis sechs Monate steckt sie viel Herzblut in jede ihrer Ausstellungen. Dabei achtet sie nicht auf Zeit. Und auch von den Eintrittspreisen kann sie nicht leben. Am Ende freue die Künstlerin sich darüber, wenn Besucherinnen und Besucher die Ausstellung mit einem strahlenden Gesicht verlassen. Die Ausstellung ,,Alraunes Seniorenresidenz'' ist noch bis zum 19. Oktober im Gregoriushaus in Beuron zu sehen - immer von donnerstags bis sonntags, von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro pro Person.