,,In jeder einzelnen Figur ist ein Teil von mir''

Alraunes Seniorenresidenz in Beuron - skurril, schräg und voller Details

Eine Metzgerei mit Fleischwolf, ein Café mit täuschend echten Torten und ein Arztbesuch – alles aus Stoff. Das gibt es in „Alraunes Seniorenresidenz“ zu entdecken.

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Stand

Von Autor/in Sabeth Kalthoff

Eine Frau mit Damenbart trinkt mehrere Gläser Champagner. Damen im Pailettenkostümen und Perlenketten sitzen auf einer übergroßen Chaiselongue, im Hintergrund spielt ein Orchester der 1920er-Jahre. Das sind nur zwei Szenerien im großen Saal des Grandcafés in der Kunstwelt von Stefanie Siebert, alias Alraune. In ihrer aktuellen Ausstellung ,,Alraunes Seniorenresidenz'' geht es wie immer ziemlich skurril und schräg zu. Residenzen für ältere Menschen sind eher schlicht und steril, findet die Künstlerin. Deshalb hat sie ihr Privatmuseum in Beuron in eine Seniorenresidenz der ganz besonderen Art verwandelt.

Zwei Damen mit extravaganten Hüten aus Torten sitzen in einem Café.
Besonders extravagant sind die Hüte der Figuren aus Torten.

Drei Stockwerke, 23 Räume und 80 menschengroße Stofffiguren: eine Gesellschaft ganz spezieller Menschen trifft aufeinander. Jede Figur erzählt ihre eigene schräge Geschichte. Alle Figuren sind von Alraune mit viel Feingefühl, Faden und Fantasie handgefertigt. Auch die Deko, wie etwa Mandarinen- und Erdbeertorten in der Glasvitrine im "Grandcafé''. Oder ein dekadent angerichteter Tisch mit Austern und Hummern. Essen ist in der Ausstellung allgegenwärtig. Täuschend echte Würstchen und Fleischkeulen liegen in der Metzgerei. Hinter dem Tresen lauert der Metzger-Wolf und wirft gierige Blicke auf Rotkäppchen, das für ihre Oma in der Metzgerei einkauft.

Ich mag Essen, weil es so schön weich ist. Genauso, wie meine Stoffe weich sind.

Marlene Dietrich steht vor einem reichlich gedeckten Tisch und wartet auf Salvador Dalí.
Marlene Dietrich wartet auf Salvador Dalì. Der Tisch ist reichlich gedeckt. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Frau liegt auf dem OP-Tisch und bekommt ein drittes Bein angenäht. Um sie herum stehen drei Ärzte.
Diese Figur wünscht sich sehnlichst ein drittes Bein, ein sogenanntes Tanzbein. Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Kunstfiguren sitzen an einem Tisch. Vor ihnen türmen sich Kaffeetassen. In "Alraunes Seniorenresidenz" dürfen die Senioren so viel Kaffee und Tee trinken, wie sie wollen.
In "Alraunes Seniorenresidenz" dürfen die Senioren so viel Kaffee und Tee trinken, wie sie wollen. Bild in Detailansicht öffnen
Rotkäppchen steht in einer Metzgerei. Im Hintergrund lauert der Wolf als Metzger verkleidet.
Rotkäppchen in einer anderen Version erzählt - diesmal nicht im Wald unterwegs, sondern in der Metzgerei Wolf. Bild in Detailansicht öffnen
Austern auf einer Etagere und Erdbeeren in einer Schale stehen auf einem Tisch und sind der absolute Hingucker in der Ausstellung von Alraune.
Die Austern und Erdbeeren sind der absolute Hingucker in der Ausstellung von Alraune. Bild in Detailansicht öffnen
An einem Tisch sitzt ein Pärchen aus Kunstfiguren. Die Künstlerin Alraune steht daneben und im Hintergrund spielt ein Orchester aus Kunstfiguren Musik aus den 1920er Jahren.
Die menschengroßen Figuren sind von Alraune handgefertigt und sollen nicht Puppen genannt werden. Bild in Detailansicht öffnen
In einer Vitrine stehen sechs verschiedene Tortensorten. Unter anderem eine Himbeer-, Erdbeer- und Mandarinentorte. Alle aus Stoff, mit Perlen und Pailetten bestickt und handgearbeitet.
Fast alle Objekte in Alraunes Ausstellung sind handgefertigt. Aus Stoff genäht, mit Perlen und Pailetten bestickt. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Patient mit einem dicken Bauch sitzt auf einem Behandlungstuhl und bekommt eine "Bauchweg-Therapie".
In dieser Klinik unterzieht sich ein Patient einer "Bauchweg-Therapie". Bild in Detailansicht öffnen

Besucher tauchen in eine andere Welt ein

Nicht nur die Figuren tragen lustige Accessoires. Zur Einstimmung auf die Ausstellung bekommen Besucherinnen und Besucher einen Hut mit Würstchen aufgesetzt. Für Vegetarier gibt es Hüte mit Gemüse. Viele Besucher sind fasziniert von Alraunes Liebe zum Detail. Manche von ihnen kennen ihre Ausstellungen noch aus Haigerloch und sind schon mehrmals dagewesen. Seit 2023 betreiben Stefanie Alraune Siebert und ihr Mann das ehemalige Pilgerheim Gregoriushaus in Beuron.

Allein die Gesichter der Figuren, wie sie gucken, wie sie ihre Augen verdrehen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, sie anzuschauen.

Kunstfiguren und keine Puppen

Besonders wichtig ist der Künstlerin, dass ihre Figuren nicht als Puppen bezeichnet werden. Puppen seien dazu da, in einer Vitrine schön auszusehen. Ihre Werke begreift sie als Kunstfiguren, die Geschichten erzählen und den Betrachterinnen und Betrachtern etwas mitgeben sollen.

Die Figuren bin ich. Das ist mein Leben. In jeder einzelnen Figur ist ein Teil von mir.

Marlene Dietrich und andere historische Figuren sitzen an einem gedeckten Tisch. Im Hintergrund löffelt Hitler einen Brei aus.
In der Marlene-Dietrich-Suite warten historische Persönlichkeiten auf den Künstler Salvador Dalí.

Drei bis sechs Monate steckt sie viel Herzblut in jede ihrer Ausstellungen. Dabei achtet sie nicht auf Zeit. Und auch von den Eintrittspreisen kann sie nicht leben. Am Ende freue die Künstlerin sich darüber, wenn Besucherinnen und Besucher die Ausstellung mit einem strahlenden Gesicht verlassen. Die Ausstellung ,,Alraunes Seniorenresidenz'' ist noch bis zum 19. Oktober im Gregoriushaus in Beuron zu sehen - immer von donnerstags bis sonntags, von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro pro Person.

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Autor/in
Sabeth Kalthoff
Sabeth Kalthoff ist Reporterin für Social Media, Online und Hörfunk beim SWR im Studio Tübingen.

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