Trotz Energiewende

Gasspeicher so leer wie lange nicht mehr im September: Warum das in BW zum Problem wird

Bis November sollen die deutschen Gasspeicher zu 80 Prozent gefüllt sein. Doch die sind ungewöhnlich leer. Laut Experten könnte die Zeit knapp werden - mit Folgen für BW.

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Von Autor/in Laura Schmittinger, Katha Jansen

Speichern von Gas für den Winter ist jetzt Pflichtaufgabe: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das staatliche Energieunternehmen Sefe offiziell angewiesen, mehr Erdgas einzukaufen und in den deutschen Gasspeichern zu lagern. Der Grund: Die deutschen Gasspeicher sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich leer. Das kann auch für Baden-Württemberg problematisch werden.

Die Gasspeicher Deutschlands sind auf mehrere Bundesländer verteilt. In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben des Gasversorgungsunternehmens terranets bw einen Speicher, der aktuell in Betrieb ist. Der unterirdische Speicher befindet sich in Sandhausen bei Heidelberg (Rhein-Neckar-Kreis). Ein früherer Speicher in Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg) wurde im Jahr 2024 zurückgebaut.

Deutsche Gasspeicher ungewöhnlich leer

Über die Bundesländer hinweg sind die deutschen Gasspeicher laut GIE aktuell zu knapp 58 Prozent gefüllt (Stand 29.9.). Schaut man sich den 29.9. die vergangenen Jahre bis 2011 zurück an, ist das ein historischer Tiefstand: Außer 2021 - da waren es knapp 68 Prozent - lagen die Füllstände immer zwischen rund 77 und 98 Prozent. Dass die Speicher aktuell so leer sind, könnte ein Problem werden, warnen Speicherbetreiber sowie die Energie- und Wasserwirtschaft. Man wisse noch nicht, wie kalt der Winter werde.

Nicht mehr nur russisches Gas

Ein Grund für die leeren Speicher ist laut Katha Jansen aus der ARD-Klimaredaktion, dass das Erdgas durch den Iran-Krieg teurer geworden ist. Trotzdem sei die Situation anders als noch vor vier Jahren. Auch da seien die Preise hoch gewesen - wegen des Ukrainekriegs. Aber: Deutschland sei zu der Zeit auch noch sehr abhängig vom russischen Gas gewesen: "Da gab es wenig andere Quellen", sagt Jansen. Das sei heute anders.

Inzwischen sei Deutschland vielfältiger aufgestellt, so Jansen. Das Gas komme per Pipeline aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Dazu kommen eigene Flüssigerdgasterminals - also Anlagen zum Be- und Entladen von Tankern. Diese sind per Pipeline an das Gasnetz angeschlossen. Hinzu kommen Erneuerbare Energien: Bei Neubauten sind Wärmepumpen inzwischen die beliebteste Heizungsform - auch in Baden-Württemberg.

Weniger Erdgas zum Heizen von Neubauten in BW

Bei den Neubauten, die im vergangenen Jahr fertiggestellt oder genehmigt wurden, ist ein klarer Trend hin zur Wärmepumpe zu erkennen. Nach Anteil der 2025 fertiggestellten Wohngebäude werden laut Statistischem Landesamt rund 79 Prozent von ihnen primär mit Geo- oder anderer Umweltthermie beheizt und knapp sechs Prozent mit Gas. Weitere rund 11 Prozent der neu gebauten Wohngebäude werden mit Fernwärme, rund vier Prozent mit Holz beheizt.

Schaut man sich die Wohngebäude an, die im vergangenen Jahr eine Baugenehmigung erhalten haben, sollen von diesen rund 89 Prozent künftig mit Geo- oder Umweltthermie beheizt werden und nur rund 0,8 Prozent mit Gas.

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Ältere Gebäude aber größtenteils mit Gas beheizt

Das Problem: Bei älteren Gebäuden sind weiter die Gasheizungen vorn. Mehr als die Hälfte aller Wohngebäude in Deutschland braucht zum Heizen Gas. In Baden-Württemberg sind es knapp 40 Prozent. Das geht aus dem Gebäudereport 2025 des Statistischen Landesamtes hervor, der sich auf den Zensus von 2022 bezieht. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Speicherfüllung auf 80 Prozent? Laut Experten wird Zeit knapp

Eigentlich ist gesetzlich vorgeschrieben - und zwar in der Gasspeicherfüllstandsverordnung -, dass fast alle Gasspeicher bis Anfang November zu 80 Prozent gefüllt sein müssen. Ausgenommen von dieser Regel sind sechs Speicher, die aufgrund ihrer Speicherleistung und Lage das nicht erfüllen können. Die 80 Prozent zu erreichen, wird laut Experten jedoch langsam eng: Speicherbetreiber warnen davor, dass im Januar eine Gasmangellage eintreten könnte, wenn die Speicher jetzt nicht schnell voller werden.

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Wege aus dem Gasspeicher-Rückstand

Damit das klappt, gibt es laut Jansen aus der ARD-Klimaredaktion nun verschiedene Ansätze: Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schlägt seit Längerem vor, Unternehmen zu entlasten, die Gas einspeichern, beispielsweise über Steuern, Abgaben oder Umlagen. Ein anderer Weg ist es - wie es Bundesministerin Reiche am Dienstag forderte -, staatliche Unternehmen zum Einspeichern zu verpflichten.

Falls die Speicherstände dann trotzdem noch zu niedrig seien, greife ein Schutzmechanismus, erklärt Jansen: "Dann werden die nicht genutzten Speicherkapazitäten an andere Unternehmen vergeben, im Extremfall springt der Staat ein." Dadurch werde es jedoch wahrscheinlich noch teurer, aber "Hauptsache, das Gas wird nicht zu knapp".

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Laura Schmittinger
Laura Schmittinger aus der SWR-Aktuell Redaktion
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