Seit dieser Woche sind in Baden-Württemberg Sommerferien. Vergangenes Jahr haben laut Statistischem Landesamt 24,1 Millionen Gäste Baden-Württemberg besucht - so viele wie noch nie. Trotzdem machte die Tourismusbranche weniger Umsatz. Nach Abzug der Inflation sank der Umsatz von Hotels und Gaststätten im gleichen Jahr um 2,5 Prozent. Bei Zur Sache Baden-Württemberg diskutieren Urlauber und Hoteliers auf dem Campingplatz in Allensbach (Kreis Konstanz) über die Preisentwicklung.
Touristen in BW: Urlaube sind mindestens "ein Drittel teurer"
Tim Wupper kommt aus Solingen in Nordrhein-Westfalen und macht mit seiner Familie seit elf Jahren am Bodensee Urlaub. In der Sendung erzählt er: "Man merkt gerade in den letzten Jahren, dass die Preise extrem nach oben geschnellt sind." Vor zehn Jahren haben sie 800 Euro für zehn Tage ausgegeben, inzwischen wären zehn Tage Urlaub mindestens ein Drittel bis doppelt so teuer.
Dass Gastwirte sparen müssen, merkt Elke Bosse in ihrem Urlaub. Sie ist bereits zum 20. Mal auf der Insel Reichenau (Kreis Konstanz) zu Gast und kommt aus der Nähe von Baden-Baden. In den Badezimmern gebe es keine Seife mehr, Tischdecken seien kleiner geworden und Kurztrips seien nicht mehr möglich, so Bosse. Sie stellt fest: "Weil die Reinigungs- und Personalkosten so hoch sind, dass man ein Zimmer lieber für ein, zwei Nächte leer stehen lässt, als dass man es wie früher für jede Nacht vermietet."
Hotelier zu Preissteigerung: "Die rote Linie ist erreicht"
In der Zur Sache Sendung auch zu Gast: Ferienwohnungs- und Hotelbesitzer. Heike Marx betreibt eine Agentur am Bodensee, die mehrere Ferienwohnungen verwaltet. Auch sie spürt die Kostensteigerung bei Versicherungen, Kosten für Reinigungspersonal und Wäscherei.
An allen Ecken und Enden wird es teurer. Das können wir so nicht umlegen auf die Gäste.
Auch Hotelbesitzer Stefan Helmlinger aus Allensbach sieht das so: "Wir haben einen Punkt erreicht, wo wir das nicht mehr verantworten und argumentieren können, dass wir mit den Preisen jetzt wieder hochgehen, obwohl wir das eigentlich müssten. Die rote Linie ist einfach erreicht", sagt Helmlinger. Auch die Kosten für Personal und Einkauf seien stark angestiegen.
Hitze und fehlende Klimaanlagen als Stornierungsgrund
Helmlinger erzählt in der SWR-Sendung noch von einer anderen Herausforderung: Dieses Jahr spürt er zusätzlich die Folgen der Hitzewelle bei sich im Hotel. "Bei mir ist es das erste Jahr so, dass ich Stornierungen hatte, weil wir im Hotel keine Klimaanlage haben", sagt Helmlinger. Er stehe nun vor der Frage, ob er 50.000 Euro in Klimaanlagen investieren solle für kommende heiße Sommer. "Oder machen wir zukünftig im Sommer die Betriebsferien, wenn man's nicht aushält. Und die Leute kommen dann im Winter oder Herbst", sagt Helmlinger.
Für Campingplatzbetreiber Frank Kühnel sind die Lohnkosten das größte Problem. "Das ist der größte Faktor, den wir haben und die explodieren. Irgendwann kommt der Koch halt zu mir und sagt, der Spüler kriegt jetzt 13,90 Euro. Jetzt bin ich mit 15 Euro aber auch nicht mehr zufrieden, jetzt will ich 18 Euro. Das ist das Problem, das pflanzt sich weiter fort", sagt Kühnel.
Senkung der Mehrwertsteuer kam für Betreiber zu spät
Mit am Tisch bei Zur Sache Baden-Württemberg saß auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). "Wir haben am Standort Deutschland, wenn ich es mal so sagen darf, tatsächlich ein Kostenproblem. Das heißt, wir müssen in vielen Bereichen günstiger werden", sagt die CDU-Ministerin, die auch für den Tourismus zuständig ist. Sie fordert Reformbereitschaft, damit das Land weiterhin attraktiv bleibe. Die Politik habe dafür zum Beispiel den Mehrwertsteuersatz für Speisen in den Restaurants und Gaststätten auf sieben Prozent dauerhaft gesenkt. "Ich glaube, das war schon ein wichtiges Signal und hat auch die Kosten dann reduziert vor Ort", sagt Hoffmeister-Kraut. Laut Campingplatzbetreiber Kühnel kam die Senkung "mindestens ein Jahr zu spät". Immerhin hätte er dadurch die Preise dieses Jahr nicht anheben müssen.