Wenn Gastronomen und Hoteliers gerade in die Zukunft schauen, sieht es für viele nicht rosig aus. Der IHK-Konjunkturumfrage zufolge bezeichnete kein einziger der befragten Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Main-Tauber zufolge sind die Kosten seit der Corona-Pandemie im Schnitt um 30 Prozent gestiegen. Und wie ein Gastronom aus Schwäbisch Hall berichtet, verpufft die Mehrwertsteuersenkung geradezu.
Gastro und Hotel: 75 Prozent der Betriebe haben finanzielle Probleme
"Kein einziger Betrieb hat in der IHK-Konjunkturumfrage die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnet", schreibt die IHK Heilbronn-Franken in ihrer Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2026 und bezieht sich damit auf die Hotel- und Gastro-Betriebe. 75 Prozent der Betriebe hätten "massive finanzielle Probleme", heißt es weiter.
Bis zu 30 Prozent Mehrkosten im Jahr
Da dockt Frank Bundschu an, der Vorsitzende des DEHOGA Main-Tauber. Seit der Corona-Pandemie befinde sich die Branche dauerhaft im Krisenmodus. Die Kosten seien seither im Schnitt um 30 Prozent gestiegen - die Auswirkungen des Iran-Kriegs und jüngste Mindestlohnerhöhungen seien da noch gar nicht drin. André Hartmann, der in Schwäbisch Hall zwei Restaurants und ein Café betreibt, spricht von 240.000 bis 280.000 Euro mehr pro Jahr - für ihn sind das etwa 21 bis 25 Prozent.
Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie verpufft geradezu
Die Politik wollte mit einer Mehrwertsteuersenkung entgegenwirken: 7 statt 19 Prozent auf Speisen, für Getränke blieb der Steuersatz gleich. Doch schon allein die gestiegenen Spritkosten lassen diesen Rabatt geradezu verpuffen, berichtet Hartmann. So hätten die Lieferanten die Lieferkosten schon erhöht, "deswegen bleibt da leider nichts übrig." Dazu kommt, dass die Steuersenkung nicht für alle gleich viel Entlastung bringt. Bistros oder Cafés, die mehr Getränke als Speisen verkaufen, sind da nur ein Beispiel.
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Teufelskreis? Kundschaft hat weniger Geld, geht seltener Essen
Darüber hinaus läuft es wirtschaftlich generell schlechter und die Kosten sind nicht nur für die Betriebe, sondern gleichzeitig auch für die Kundinnen und Kunden gestiegen. Umgehört in Schwäbisch Hall: So berichtet Monika Schmidt-Egger, man müsse schauen, was man mit seinem Geld mache. Sie besuche lieber ein gutes Konzert, essen gehen komme für sie an letzter Stelle.
Dass die Mehrwertsteuersenkung keine Entlastung brachte, spürt Eva Halt. Essen gehen, mit zwei Kindern und der Miete in der Stadt, sei da aktuell einfach nicht drin. "Man überlegt es sich zwei Mal, ob man Essen geht oder nicht", ergänzt Marc Schilling, ebenfalls Papa.
Kleinere Portionen, keine Desserts oder Vorspeisen mehr
Gastronom Hartmann beobachtet, dass der traditionelle Familien-Sonntag ausbleibt, dass auf Vorspeisen und Desserts verzichtet wird, kleinere Portionen geordert werden. Ihn halten vor allem Geschäftskunden aktuell über Wasser.
Nur wenige Betriebe profitieren aktuell
Einzige positive Entwicklung, so der DEHOGA-Vorsitzende Bundschu: Imbissbetriebe und Take-away-Gastro könnten aktuell profitieren, genauso Hotelbetriebe ohne oder mit nur einem kleinen gastronomischen Angebot. "Eben Angebote, die nicht personal- und investitionsintensiv sind", schließt Bundschu ab. Denn neben den genannten Kostensteigerungen und weniger Kundschaft ist auch nach wie vor der Personalmangel ein großes Problem.