Ohne die beiden Pferde Sirius und Secco würden an diesem Tag die kommunalen Mülleimer in Beuren (Kreis Esslingen) voll bleiben. Denn der orangefarbene Transporter, mit dem Helmut Kopf seine Mülltour normalerweise fährt, bleibt für ein Experiment stehen. Stattdessen sollen mehr als 15 Mülleimer an Spielplätzen, Bushaltestellen und Grillplätzen mit einem Pferdegespann geleert werden. Ob das gelingt?
Pferde als neue Mitarbeiter in Beuren?
"Ich lasse mich mal überraschen, wie das wird. Auf jeden Fall gemütlicher, denke ich mal", erzählt Helmut Kopf und schaut dabei etwas skeptisch. Optimistischer ist dagegen Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber (parteilos). Im Rahmen der Aktionswoche "Vielfalt Pferd" hatte er die Idee für das Experiment - zusammen mit Christel Erz, die auf der Schwäbischen Alb unter anderem Pferde für die Waldarbeit ausbildet.
"Das ist schon eine ernst gemeinte Aktion, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen, wie man Arbeiten in der Kommune beispielsweise ohne Dieselmotor und ohne Elektromotor, sondern auf ganz natürliche Weise erledigen kann", sagt Daniel Gluiber, der selbst Pferdefan ist.
Für die Aktion ist Christel Erz mit ihren beiden Altwürttembergern Sirius und Secco von Laichingen (Alb-Donau-Kreis) nach Beuren gekommen. "Sowas ist in meinen Visionen natürlich schon Alltag, dass man bestimmte Bereiche wieder pferdegestützt erledigt", erzählt sie. "Man wird mit Sicherheit keine ganze Welt mit Pferden antreiben können, aber einzelne Tätigkeiten machen auf jeden Fall Sinn." Auf der Nordseeinsel Baltrum etwa werden sämtliche Arbeiten mithilfe von Pferden erledigt.
Altwürttemberger vom Aussterben bedroht
Sirius und Secco lassen sich bei ihrer neuen Aufgabe nicht aus der Ruhe bringen, weder als eine Kindergartengruppe begeistert auf die Pferde zuläuft, noch als Autos schnell und dicht an der Kutsche vorbeifahren. "Die sind so dermaßen tiefenentspannt, cool und trotzdem dann leistungsbereit, wenn sie es sein sollen", beschreibt Christel Erz ihre Pferde, die vom Aussterben bedroht sind. "Weltweit gibt es nur noch rund 250 Altwürttemberger."
Bei der Aktion legt das Gespann rund zwölf Kilometer zurück. Die Kutsche mit dem Anhänger sorgt für Aufsehen im Ort, auch auf dem Campingplatz. Sofort werden Handys gezückt und außergewöhnliche Urlaubsfotos geschossen. "Das ist selten, dass man mal ein Pferdegespann mit dem eigenen Wohnmobil auf ein Bild bringt", erzählt eine Urlauberin aus Nürnberg.
Pferdegespann genauso schnell wie der Mülltransporter?
Die Idee kommt gut an und weckt sogar Erinnerungen. "Ich weiß es noch, in den 40er und 50er Jahren hat man so angefangen: Mit Pferden hat man den Müll abgefahren", erzählt ein Passant im Ortskern von Beuren. Dort ist das Gespann übrigens genauso schnell unterwegs wie sonst der Mülltransporter auch. Denn hier gilt Schrittgeschwindigkeit.
Alle reden vom Klimaschutz, Ressourcenschonung und wie können wir das besser machen.
"Schrittgeschwindigkeit kommt ja von den Pferden. Also kann man jetzt mal richtig erleben, was es wirklich heißt: Sieben Kilometer pro Stunde, eher fünf bis sechs", erzählt Daniel Gluiber. Auch wenn die Pferde auf anderen Strecken der Tour deutlich langsamer sind als ein Auto, glaubt der Bürgermeister an das Pferdegespann als alternativen Mülltransport. "Ich habe schon den Eindruck, dass man diese Arbeit auch mit dem Gespann machen könnte."
Mülleimer in Randbezirken ein Problem
Doch es gibt auch Mülleimer, die in Randbezirken liegen. Und die zu leeren, würde im Alltag mit einem Pferdegespann doch viel Zeit kosten, so Daniel Gluiber. "Vielleicht müsste man dann ein anderes Gefährt hinten dran machen, wo man dann auch bisschen schneller fahren könnte. Dann könnte man die Zeit auch besser nutzen." In einem Normalbetrieb könnte auch jemand alleine mit den Pferden unterwegs sein, ordnet Christel Erz ein.
Ob sich die Gemeinde Beuren jetzt Arbeitspferde kauft? "Man darf ja träumen", antwortet Daniel Gluiber schmunzelnd. Nach kurzem Überlegen ergänzt er aber: "Ich glaube eher nicht."