Im Stuttgarter Rathaus werden am Dienstagabend traditionell langjährige Blutspenderinnen und -spender geehrt. Ausgezeichnet werden Menschen, die im vergangenen Jahr zum 100. bzw. sogar 600. Mal Blut bzw. Plasma gespendet haben. Einer davon ist der Stuttgarter Michael Butz. Er hat in seinem Leben schon 205 Mal Blut gespendet. Sein Wille zu helfen war dabei größer als seine Angst vor Nadeln und Blut.
Blutspender seit fast 50 Jahren
An seine erste Blutspende 1978 kann sich Michael Butz noch gut erinnern. Sein Kommilitone hatte ihn damals mitgenommen. Das erste Mal an der Nadel war für den damaligen Studenten eine große Überwindung. "Ich hatte Angst vor großen Nadeln und kann kein Blut sehen, da wird mir sofort schlecht", sagt Butz. Das ist bis heute so. Auch nach über 200 Mal schaut der 70-Jährige immer noch weg, wenn ihm Blut abgenommen wird.
Die Angst vor Blut hält ihn nicht davon ab, es etwa alle zwei Monate zu spenden. Sein großes Ziel: Die 250-Mal-Marke zu knacken. Das dürfte ihn noch etwa acht Jahre kosten. "So lange es mit meiner Gesundheit geht, will ich spenden." Dafür hält der Rentner sich mit Sport und guter Ernährung fit. Schließlich will er noch möglichst lange helfen.
Eine Badewanne voller Blut
Bei jeder Spende wird Butz ein halber Liter Blut abgenommen. Zusammengerechnet hat er in seinem Leben schon über 100 Liter Blut gespendet. "Fast eine Badewanne voller Blut", lacht der 70-Jährige. Die Vorstellung stimmt ihn glücklich. Er weiß, wofür er das macht. "Ich denke, mit meiner Spende kann ich helfen, Leben zu retten. Bei etwa 100 Litern Blut haben davon vielleicht schon einige Menschen profitiert."
Die Blutspende hat für Butz auch einen symbolischen Charakter: "Blut ist neutral und für alle Menschen gleich. Ich weiß nicht, wem ich spende - ob Katholik oder Muslim - ich spende Menschen, die ihn Not geraten sind." Mit seiner seltenen Blutgruppe kann er eine Lücke in der Versorgung schließen.
Mangel an Blutkonserven wegen Sperrung des Engelbergtunnels
In der Blutzentrale am Klinikum Stuttgart sind sowohl Spender mit seltenen Blutgruppen wie Butz als auch mit weit verbreiteten Blutgruppen willkommen. Nachschub werde immer benötigt, da auch die Patienten verschiedene Blutgruppen haben, sagt die Leiterin der Blutzentrale Beate Luz.
Täglich 2.000 Blutspenden in BW benötigt Blutspender werden immer älter: Was das für die Gesundheitsversorgung in BW bedeutet
Die Gesellschaft wird immer älter. Das macht sich auch beim Blutspenden bemerkbar. Denn die Fleißigsten werden langsam zu alt zum Spenden.
Blut ist lebensrettend!
Aktuell fehlen dem Klinikum Stuttgart neue Blutkonserven. Das merke man vor allem seit der Sperrung des Engelbergtunnels, wo es am Dienstag vor einer Woche gebrannt hat. Wegen der erschwerten Anreise kommen die regulären Spenderinnen und Spender laut Luz nicht mehr extra zur Blutspende.
Dabei braucht das Klinikum immer wieder Blut und seine Bestandteile - Erythrozyten, Thrombozyten und Plasma - für die Behandlung vieler Krankheiten. "Viel Blut wird für Krebs-Patienten, Unfallopfer und Patienten mit eingeborenen Blutbildungsstörungen gebraucht", so die Leiterin der Blutzentrale.
Blutspenden bis zu sechs Mal im Jahr
Wer Blut spenden möchte, kann sich online bei der Blutzentrale für einen Termin anmelden. Vor Ort gibt es einen Gesundheitscheck, ein Vesper und eine Aufwandsentschädigung im Wert von 25 Euro für die Fahrtkosten.
Am besten ist es, wenn man mit jemandem mitgeht, der schon Spender bei uns ist.
Blut kann man aus gesundheitlichen Gründen etwa alle sechs Wochen spenden. Männer können bis zu sechs und Frauen bis zu viermal im Jahr spenden. Die Abstände für die Plasma-Spende liegen bei etwa ein bis zwei Wochen.
Rund 100 Blutspender im Rathaus geehrt
Insgesamt ehrt das Klinikum Stuttgart über 100 Blutspenderinnen und -spender für ihre Dienste an ihren Mitmenschen. Ein Großteil der Geehrten hat über 100 Mal Blut gespendet. Einzelne haben laut Klinikum Stuttgart sogar bis zu 600 Mal Blutplasma abgegeben. Ausgezeichnet werden die Spender im Rathaus mit der Goldenen Ehrennadel.
Für Michael Butz ist die Ehrung ein besonderes Ereignis. Dass es noch mehr Menschen gibt, die wie er regelmäßig Blut spenden, stimmt den 70-Jährigen zuversichtlich: "Ich hoffe, dass wenn ich mal in die Bredouille komme und Blut bräuchte, es auch einen Spender geben wird."