Das weitere Verfahren beim Großprojekt Stuttgarter Oper ist am Mittwoch im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats erst einmal ausgesetzt worden. Der Stuttgarter Gemeinderat hätte am Donnerstag darüber abstimmen sollen, ob mit dem Entwurf zum Bau eines kleineren Interims, einer Übergangsspielstätte, weiter geplant werden kann. Die Stadtverwaltung hätte eine Abstimmung noch vor der Sommerpause begrüßt.
Das bisher angedachte Interimsgebäude ist ein zentraler Baustein in den Plänen für die Sanierung des historischen Opernhauses, den Littmannbau im Oberen Schlossgarten. Auch der Verwaltungs- und Kulissentrakt der Staatstheater soll saniert werden. Doch es gibt breiten Widerstand gegen das von Stadt und Land vorgelegte Interims-Konzept. Nach verschiedenen Anträgen von CDU, SPD und Volt sowie von der Fraktion Die Linke SÖS Tierschutz wurde die Entscheidung jetzt auf die Zeit nach der Sommerpause, auf Ende September, vertagt und damit dem Antrag der CDU gefolgt.
Forderung: Kosten und Umfang der Opernsanierung reduzieren
Der neue, abgespeckte Entwurf für die Ausweichspielstätte an den Wagenhallen in Stuttgart sieht einen Kostendeckel von 289 Millionen Euro vor. Die Entscheidung zu verschieben und später über die Interimsoper zu beschließen, begründete der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Gemeinderat Alexander Kotz damit, dass zuerst noch weitere Kosten gesenkt werden müssten. "Stadt, Land und die Württembergischen Staatstheater müssen für das Hauptprojekt, also den Littmannbau und das Areal am Oberen Schlossgarten, eine gemeinsame Sparrunde drehen".
Dazu gehöre für die CDU-Fraktion im Gemeinderat etwa eine geringere Mitarbeiterzahl an den Staatstheatern nach der Sanierung, eine signifikante Reduzierung des Raumprogramms sowie der Wegfall der angedachten Kreuzbühne. Außerdem solle das bestehende Kulissengebäude nach Ansicht der CDU nicht abgerissen werden.
Kosten für Sanierung des Opernhauses noch unklar
Auch SPD und Volt wollen erst über das Interim entscheiden, wenn konkrete Fakten und Planungen zum Hauptprojekt, der Sanierung der Operngebäude am Oberen Schlossgarten, vorliegen. Die Fraktion Die Linke SÖS Tierschutz wiederum fordert, das Interim gleich als dauerhafte Oper zu planen.
Die bisher letzte offizielle Schätzung über die Gesamtkosten für die Opernsanierung, inklusive einer Interimsspielstätte lag bei etwas mehr als einer Milliarde Euro. Die Idee zur Erweiterung des bestehenden Kulissenlagers an der Zuckerfabrik in Bad Cannstatt war noch nicht Bestandteil der Grobkostenschätzung. Die Schätzung stammt aus dem Jahr 2019, inzwischen haben sich Baukosten generell erheblich gesteigert, außerdem verlängert sich bei Verzögerungen auch die Instandhaltung des maroden Opernhauses im Oberen Schlossgarten sowie der Planungszeitraum. Eine deutliche Kostensteigerung wurde zuletzt nicht ausgeschlossen.
OB Nopper: "Wir brauchen jetzt den Mut zu Entscheidungen"
Aus Sicht der Stadtverwaltung hätte der Vorprojektbeschluss verbunden mit Einsparauflagen für den Hauptstandort noch vor der Sommerpause gefasst werden können, heißt es von Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) in einer Mitteilung. Nach einer jahrzehntelangen Debatte und erfolgten Einsparungen zum Oper-Interim brauche man jetzt den Mut zu Entscheidungen, so Nopper weiter.
Erster Bürgermeister Fabian Mayer (CDU) weist daraufhin, dass das "Flicken" des maroden Opernhauses zunehmend kostspieliger werde. Zudem könne es auch passieren, dass das Opernhaus wegen zunehmender Mängel plötzlich geschlossen werden müsse. Jedes Jahr Verzögerung führe durch die übliche Baukostensteigerung zu 50 Millionen Mehrkosten.
Abgespeckte Übergangs-Spielstätte: Wohnungen gestrichen
Zuletzt waren die Kosten für den ersten Interimsentwurf an den Wagenhallen aus dem Jahr 2023 von 224 Millionen Euro auf rund 450 Millionen gestiegen. Dieser Entwurf sah eine Kombination aus teils modularer Übergangsoper und permanentem Wohnungsbau vor.
2026 wurde jetzt ein neuer Entwurf erstellt, der noch maximal 289 Millionen Euro kosten soll - allerdings ohne Wohnungen. Es wurden nach Angaben des Bauherren ProWST (Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater) 40 Prozent der Flächen gestrichen, die Sitzplätze im Zuschauerraum von 1.200 auf 1.040 reduziert und die Bauweise vereinfacht - auch durch die Trennung vom Wohnungsbau. Der könne unabhängig vom Opernprojekt von der Stadt geplant und finanziert werden, heißt es in einem Ratsdokument der Stadt.
Rekordzahlen bei den Staatstheatern Stuttgart
Die Staatstheater Stuttgart vermelden unterdessen eine erfolgreiche Bilanz für die Spielzeit 2025/2026. Wie schon im Vorjahr erreichen sie nach eigenen Angaben das Rekordniveau von 18,2 Millionen Euro an Ticketerlösen. Am stärksten ausgelastet war erneut das Stuttgarter Ballett mit mehr als 99 Prozent belegter Plätze während der gesamten Spielzeit. Das Schauspiel Stuttgart konnte seine Auslastung im Vergleich zum Vorjahr um fast fünf Prozentpunkte steigern.