Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht von Freitag auf Samstag gegen 23:30 Uhr eine S-Bahn der Linie S1 in Fahrtrichtung Kirchheim/Teck mit gefüllten Säcken gestoppt, die jeweils mit etwa zehn Kilogramm Ballast gefüllt waren. Der Zug war auf Höhe Stuttgart-Obertürkheim mit etwa Tempo 90 unterwegs. Er überrollte die Hindernisse im Gleis. Wie die Bundespolizei am Montag mitteilte, habe sich der Zug dadurch aufgeschaukelt, er entgleiste aber nicht. Der Lokführer leitete eine Schnellbremsung ein. Keiner der rund 100 Fahrgäste in der Bahn wurde bei dem Vorfall verletzt.
Tatort an den Gleisen schwer zugänglich
Da sich einer der Säcke im Fahrwerk der S-Bahn verfangen hatte, blieb der Zug zunächst einige Zeit auf offener Strecke stehen. Später konnte er selbstständig weiterfahren. Der Zug musste deshalb nicht evakuiert werden. Die Strecke war in der Zeit gesperrt. Kurz vor 2 Uhr am Morgen konnten die Gleise wieder freigegeben werden.
Die Ermittler konnten nach eigenen Angaben am Gleis zahlreiche Beweismittel sicherstellen. Die Stelle sei schwer zugänglich gewesen, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei auf SWR-Anfrage. Dies und auch der Aufwand, die Säcke auf die Gleise zu hieven, spreche gegen eine spontane Tat. Noch sei aber unklar, ob es sich um Sabotage, beziehungsweise eine politisch motivierte Tat gehandelt hat. Derzeit ermittle man wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und suche nach Zeugen. Bei Bedarf würden weitere Behörden zugezogen.
Mehr Sabotage an Bahnanlagen
Attacken auf Bahnanlagen haben in jüngster Zeit zugenommen - teilweise wohl aus linksextremistischen Motiven, teilweise sollen von Russland koordinierte Täter hinter den Sabotage-Aktionen stecken. Fachleute und Politiker fordern deshalb einen besseren Schutz der Bahn-Infrastruktur. Auch der Verfassungsschutz hat die Übergriffe auf Bahnanlagen im Blick. Russland steht dabei im Verdacht, sogenannte "Low-Level-Agents" einzusetzen - zur Ausspähung von Zielen und zur Sabotage mit einfachen Mitteln.