Es ist schon ein Boot am Horizont, genauer gesagt eine sogenannte Arbeitsplattform. Die dümpelt aktuell in einem Altarm des Rheins. Doch nach dem Willen von Hannah Pinell und ihren Mitstreitern von Neckarbädle e.V. soll sie bald Kurs auf den Neckar nehmen - und in naher Zukunft den Menschen in Stuttgart die Möglichkeit geben, im Wasser ihres Flusses zu baden.
Ein Schwimmbecken mit Neckarwasser
Geboren wurde die Idee 2024 als Entwurf des Architekturbüros Schürmann und Witry. Im Wettbewerb "Reclaim the River" (übersetzt etwa "Holt Euch den Fluss zurück") der Internationalen Bauausstellung, dem Verband Region Stuttgart und der Wüstenrot Stiftung holte das Projekt den ersten Platz. Die später weiterentwickelte Idee war ein umgebautes Schiff mit einem Schwimmbecken. Es sollte sich aus Neckarwasser speisen und eine komplexe Filteranlage besitzen, um die Qualität des Badewassers zu garantieren. Anlegestelle soll der Mühlsteg nahe des Theaterschiffs sein.
Vom ursprünglichen Entwurf, der mit 3,5 Millionen Euro veranschlagt war, mussten sich die Anhänger der Idee verabschieden. Die klamme Stadtkasse gab keine entsprechende Förderung her. Doch nun wollen es die Ehrenamtlichen, die zu Jahresbeginn den Verein Neckarbädle e.V. gegründet haben, anders versuchen.
Badeverbot im Neckar dürfte der Knackpunkt sein
Etwa eine halbe Million Euro sei von verschiedenen Unterstützern zugesagt, sagt Hannah Pinell, eine der Vereinsgründerinnen. Damit könne man den Kauf eines entsprechenden Bootes stemmen. Auf die teure Aufbereitungsanlage wolle man indes verzichten. "Wir wollen das Neckarwasser direkt ins Schiff pumpen", sagt Pinell. Damit überschreiten die Vereinsmitglieder womöglich eine rote Linie, nämlich das Badeverbot im Neckar, das die Stadt seit jeher mit der stark schwankenden Qualität des Flusswassers begründet.
Demo auf dem Fluss Badeverbot im Neckar: Wie schmutzig ist der Fluss wirklich?
Am Sonntag demonstrierte der Verein Neckarinsel in Stuttgart auf dem Fluss gegen das Badeverbot. Ein zentrales Thema: die Wasserqualität des Neckars.
Badeampel soll helfen
Doch die Neckarbädle-Verfechter wollen das nicht gelten lassen und stattdessen die Badeampel des Vereins Neckarinsel nutzen. Diese prognostiziert die Qualität des Neckarwassers anhand regelmäßiger Proben. Schalte die Ampel auf rot, bleibe das Neckarbädle eben geschlossen, so Pinell.
Es ist eine Methode, die die Stadt bislang nicht anerkennt. Pinell bleibt aber demonstrativ zuversichtlich. Die Gespräche mit der Stadt und dem Gesundheitsamt liefen "ganz gut". Im Raum stehe, dass man das Wasser noch einmal separat teste oder doch durch einen rudimentären Filter leite. Zudem werde die Badeampel immer verlässlicher. "Dahinter steckt eine KI, die immer besser wird, je mehr Daten sie bekommt", meint Pinell.
Und wenn die Stadt hart bleibt?
Könne man die anvisierte Arbeitsplattform aus dem Rhein wie geplant kaufen, wolle man im kommenden Jahr eine offene Baustelle ausrufen, bei der sich freiwillige Helfer am Umbau beteiligen, sagt Pinell.
Und wenn die Stadt hart bleibt? Dann habe die schwimmende Plattform ja den Vorteil, dass sie auch andernorts anlegen könne. Erklärtes Ziel bleibe es aber, den Stuttgartern das Bad in ihrem Fluss zu ermöglichen.