Angebot und Nachfrage nach einem Schlafplatz zur Wasenzeit lassen die Preise steigen: Bis zum Vierfachen steigen die Raten für Hotelzimmer in Stuttgart, wenn man zur Zeit des Volksfests übernachten will. Doch man kann auch günstig übernachten, wenn man ein paar Tricks beachtet.
Oktoberfest-Zeit: In München zahlt man bis zu 4.000 Euro für ein Hotelzimmer
Das Oktoberfest in München macht immer den Anfang, und mit dem Fassanstich dort kommen auch die erschreckenden Zahlen: Hotelzimmer für 4.000 Euro sind laut Medienberichten dort gebucht worden.
Wenig später fließt das Bier auch auf dem Wasen, und auch hier schießen die Preise in die Höhe. So hat ein kleines feines Hotel in der Stadt statt 220 Euro für ein Doppelzimmer für zwei Nächte einen Preis von mehr als 800 Euro auf der Buchungsplattform Booking.com ausgeschrieben.
Was sagen dazu die Gäste? Vorm Hotel Hilton Garden Inn im Neckarpark, also direkt am Wasen, gehen die Meinungen auseinander - hier fand man am Eröffnungswochenende ein Doppelzimmer für rund 750 statt sonst etwa 540 Euro für zwei Übernachtungen. "Wir sind hier wegen dem Wasen und zahlen das einfach", sagt eine Frau, die zum Festgelände geht. Ein anderer Gast ist weniger begeistert: "Ich finde das nicht gerechtfertigt, weil sowieso alles sehr teuer ist." Mehrere Hotelbetreiber antworteten nicht auf Anfragen des SWR.
Wucherparagraf greift laut Verbraucherzentrale nicht
Ob die Gäste zahlen, ist ihre Entscheidung. Ob das Preisgefüge in Ordnung ist, dazu hat der Verbraucherschutz eine Meinung: "Es gibt den sogenannten Wucherparagrafen. Allerdings setzt der Wucher voraus, dass wir einen Preis haben, der mindestens doppelt so hoch ist, das haben wir vielleicht zum Wasenzeitraum auch", sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dennoch greife der Paragraf nicht, führt Buttler aus: "Dazu braucht es eine Notlage, welche die Hotelbetreiber ausnutzen. Aber es ist niemand gezwungen, zum Wasen zu gehen." Sprich: Rechtlich ist es in Ordnung.
Wir haben aktuell eine Auslastung von rund 45 Prozent. Das heißt jedes zweite Bett ist leer.
Muss man also Verständnis haben für die Preispolitik der Hotellerie? Der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Daniel Ohl, sagt: "Preissteigerungen sind nichts Ungewöhnliches, das ist im Reisegeschäft so". Er wirbt für Verständnis für die Branche, die es aktuell nicht leicht habe: "Die Hotellerie hat eine hohe Abhängigkeit von Geschäftsreisen. Weil die Industrie aktuell stark nachlässt, reisen auch weniger Geschäftsleute", sagt Ohl. Die Dehoga Baden-Württemberg habe derzeit eine durchschnittliche Auslastung von rund 45 Prozent der Hotels in der Region festgestellt: "Das muss man so sehen: Jedes zweite Bett ist leer", betont der Sprecher.
Hotels sind auf Umsätze bei Großereignissen angewiesen
Daher seien den Hotelbetreibenden Anlässe wie das Volksfest willkommen, wenn sie etwas mehr Umsatz machen können. Dabei habe die Kundschaft stets den vollen Überblick: "Es gibt wenig Märkte, die so transparent sind. Mit wenigen Mausklicks kann ich alle Preise abrufen", sagt Daniel Ohl.
Zudem sei ja niemand auf die angehobenen Preise nahe am Volksfestgelände angewiesen. "Wenn man etwas rausgeht, findet man schon ein gutes Angebot: Es reicht schon, in Möhringen zu schauen", rät er. Wer bereit sei, eine halbe Stunde mit guter Anbindung im öffentlichen Nahverkehr zu fahren, könne günstig übernachten.
Ähnlich beschreibt es Thomas Geppert, Geschäftsführer des bayrischen Dehoga. "Die ganz hohen Preise, die durch die Medien gingen, sind natürlich absolute Ausnahmen aus dem Luxussegment", sagt er. Teuer werde es in München vor allem am ersten Oktoberfest-Wochenende, danach pegele sich alles aufs Normalmaß ein. "Grundsätzlich ist es immer ratsam, früh zu buchen", rät Geppert. Wer kurzentschlossen zum Eröffnungswochenende kommen wolle, müsse tiefer in die Tasche greifen.
Auch die Münchner Hotel-Betreibenden hätten Zeiten, in denen es schlecht laufe. "Januar und Februar sind Zeiten, da haben viele kaum genug, um ihre Pacht zu bestreiten", sagt Geppert. Daher könnten die Hotels den höheren Umsatz gut brauchen aus den guten Zeiten.
Region Stuttgart bietet günstige Hotels zur Volksfestzeit
Auch ein Blick in die Nachbarkreise in der Region Stuttgart lohnt sich. In Göppingen war selbst am Eröffnungswochenende für 250 Euro ein Doppelzimmer für zwei Nächte zu haben - wenige Gehminuten vom Bahnhof weg. Von dort fährt der Zug nur eine halbe Stunde nach Bad Cannstatt - so lange dauert auch manche Strecke mit der Stadtbahn durch Stuttgart.
Die Hochphase ist aber offenbar wieder vorbei - auch wenn das Wochenende mit dem Tag der Deutschen Einheit naht, der ungünstig auf einen Samstag fällt. Die Preise sind - zumindest Mitte der Woche - noch sehr moderat. Im familiengeführten Hotel Krehls Linde in Bad Cannstatt ist laut der Plattform Booking.com am Wochenende ein Doppelzimmer für 298 Euro zu bekommen - das sind pro Person und Nacht rund 75 Euro. Das Premier Inn kostet 168 Euro für zwei Nächte. Und wer zu viel Geld in Bier investiert hat, kann zu zweit auch schon für 112 Euro im A&O Stuttgart City an der Rosensteinstraße den Rausch ausschlafen.
In München ist die Hochpreis-Phase vorbei
Auch bei der "großen Schwester" des Wasens, der Wiesn, scheint die Hochpreisphase vorbei zu sein. Inzwischen sind auch auf dem Münchner Stadtplan zahlreiche Doppelzimmer für 200 bis 300 Euro zu finden.