Wer aktuell auf den Bundesstraßen in der Region oder im Stadtgebiet von Stuttgart unterwegs ist, kennt das: Eine Baustelle reiht sich an die andere - und es ist nicht nur ein Gefühl, dass es derzeit mehr von ihnen gibt: Allein in und um Stuttgart listet der sogenannte Baustellenkalender Stuttgart über 80 Baustellen auf. Denn die Ferienzeit gilt als Hochphase der Baustellen.
Vollsperrung auf der B10 von Esslingen nach Stuttgart
Eines der aktuellen Beispiele ist die B10 von Esslingen nach Stuttgart, die für Autofahrerinnen und -fahrer nervlich auf eine Probe stellt. Zuerst wird sie einspurig, dann kommt die Vollsperrung. Der Verkehr muss deshalb einer Umleitung über die B14 in Fahrtrichtung Fellbach bis zur Ausfahrt Benzstraße folgen, um dann wieder auf die B10 zu gelangen.
Die Stadt Stuttgart verteidigt, dass die Straßen ausgerechnet in den Sommerferien saniert werden. Weil sie das ganze Jahr so stark befahren werden, müsse gerade die Ferienzeit genutzt werden, so die Stadt. In der Urlaubszeit seien weniger Menschen auf den Straßen unterwegs: "Das Verkehrsaufkommen und damit die Betroffenheiten sind schlicht geringer." Außerdem ist es am Abend länger hell, was die Bauarbeiten erleichtert.
"Manche Baustellen lassen sich nicht verschieben"
Der ADAC hat beobachtet, dass die Zahl der Baustellen in der Region Stuttgart auch im Vergleich zu früheren Jahren stark angestiegen ist. Vor drei Jahren wurden um dieselbe Jahreszeit nämlich nur 40 Baustellen gezählt. "In den letzten Jahren wurde aus unserer Sicht zu wenig in den Straßenverkehr investiert. Dieser Sanierungsstau muss jetzt aufgeholt werden", sagt Julian Häußler vom ADAC Württemberg.
ADAC rät Autofahrern zur Geduld
Um die Situation auf den Straßen auf lange Sicht zu verbessern, müssten die Verkehrsteilnehmenden jetzt einfach mehr Geduld aufbringen, so der ADAC. Vor allem bei Brücken sei es wichtig, sie rechtzeitig instand zu halten. "Wenn sie nicht gut gepflegt werden, gibt es gleich eine Vollsperrung - und dann hat man die Katastrophe." Denn Brücken sind wichtige Hauptverkehrsrouten, plötzliche Vollsperrungen können zum Verkehrskollaps führen.
Es ist einfach ein notwendiges Übel, dass man die Straßen fit machen und auch fit halten muss.
Frustrierte Stuttgarterin: "Irgendwie ändert sich gar nichts"
Auch in der Innenstadt sind die Bürgerinnen und Bürger aktuell durch die viele Baustellen herausgefordert. "Es gibt immer Löcher und irgendwie ändert sich für mich gar nichts - außer neue Baustellen", sagt eine Frau über die Situation in Stuttgart. Sie habe den Eindruck, als achte die Stadt nicht ausreichend darauf, wann welche Baustelle entstehe und zu welcher Belastung das für die Bürgerinnen und Bürger führt.
Stadt Stuttgart: "Haben Baustelle kurzfristig abgesagt"
Die Stadt Stuttgart versichert hingegen, dass die Straßenverkehrsbehörde alle Baustellen im Blick habe: "Man muss nur die Balance finden, denn unser Verkehrsnetz ist endlich und irgendwann ist es auch die eine Ferienbaustelle zu viel", so ein Sprecher. Die Stadt habe kurzfristig eine geplante Baustelle in Feuerbach abgesagt, weil sie die Verkehrsumleitung für die Sperrungen der Bergheimer Steige und des Tunnels Feuerbach behindert hätte.
Laut ADAC ist aber auch die landkreisübergreifende Koordinierung von Baustellen wichtig, um ein Verkehrschaos zu vermeiden: "Aus unserer Erfahrung klappt die Koordinierung im Stadtgebiet Stuttgart sehr gut. Nur mit der Abstimmung mit anderen Landkreisen hakt es manchmal. Da wünschen wir uns, dass man sich immer gut abstimmt", so ADAC-Sprecher Häußler. "Vorbereitung ist super wichtig", sagt er.
ADAC: Kaum Alternativen zu Hauptrouten
Der ADAC rät Autofahrerinnen und Autofahrern, sich die Routen vorher immer anzuschauen und mehr Zeit einzuplanen. Natürlich könne man sich Gedanken über Alternativrouten machen, aber gerade auf den Hauptrouten gebe es kaum Alternativen. "Da heißt es dann einfach Zähne zusammenbeißen und durchfahren", sagt ADAC-Sprecher Häußler.
Er rät, in den Ortschaften genau hinzuschauen, den Umleitungen zu folgen und nicht blind dem Navi zu vertrauen. Und wer doch einmal genervt im Stau stehe, solle sich einfach den Sinn von Baustellen bewusst machen, so Häußler. Denn die Sanierung und Instandhaltung der Straßen sei wichtig und jede Baustelle diene dazu, dass sich die Situation auf den Straßen auf lange Sicht verbessere.