Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Diskussion um die Rente erneut aufgeheizt. Sie allein werde "allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter". Wenn das der Fall ist, nimmt die Bedeutung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge für die finanzielle Absicherung im Alter zu. Dazu braucht es jedoch einen Vorlauf - und eine entsprechende Eigenverantwortung der Erwerbstätigen.
Junge Menschen verlassen sich noch auf die Rente
Doch bei vielen Menschen, gerade auch Jüngeren, hat die gesetzliche Rente bei der Altersvorsorge einen großen Stellenwert. Kurz nach Merz' Aussage hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Umfrage herausgegeben, wonach 40 Prozent der Befragten 18- bis 24-Jährigen die Hauptverantwortung für ihre finanzielle Versorgung im Alter beim Staat sehen.
Martina Dambacher von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg beobachtet das auch: Der Stellenwert der gesetzlichen Rente sei bei jungen Menschen sehr unterschiedlich. "Grundsätzlich verlassen sich viele auf die gesetzliche Rente und sehen sie als wichtigste Einnahmequelle im Alter", sagt Dambacher im Gespräch mit dem SWR. Sie arbeitet als Altersvorsorgeberaterin - berät also Interessierte zur gesetzlichen sowie betrieblichen und privaten Vorsorge. Dazu ist sie Referentin der Initiative "Rentenblicker", bei der die DRV in Schulen über die Altersvorsorge informiert.
Wissen über Altersvorsorge neben der Rente fehlt häufig
Bei den Schülerinnen und Schülern geht es laut Dambacher erst einmal darum, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und sie dafür zu sensibilisieren, dass die Altersvorsorge wichtig ist und sie sich frühzeitig darum kümmern sollten. Bei Berufseinsteigerinnen und Einsteigern sei das Bewusstsein für die Altersvorsorge und die Möglichkeiten zwar schon vorhanden. "Aber viele trauen sich nicht, sich intensiver damit zu beschäftigen, weil ihnen das Wissen fehlt", sagt die Rentenberaterin. "Deshalb verlassen sich viele am Ende doch wieder hauptsächlich auf die gesetzliche Rente."
Dabei gebe es verschiedene Probleme. "Ein wichtiger Punkt ist die große Auswahl an Angeboten", sagt Dambacher. "Viele wissen nicht, wie die einzelnen Produkte funktionieren oder an wen sie sich wenden können, um eine neutrale Beratung zu bekommen." Dann sagten viele: "Bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts." Das sei aber problematisch, weil man gerade bei früher Vorsorge auch mit weniger Geld etwas erreichen könne, unter anderem durch den Zinseszinseffekt.
Entscheidend ist, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und sich zu informieren
Das sollte idealerweise mit dem ersten Gehalt beginnen. Dabei komme es auf den individuellen Typ an, ob Wert auf Rendite gelegt und in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) investiert werde oder Sicherheit im Fokus stehe und Versicherungsprodukte mit Garantien gewählt würden. Dabei beobachtet Dambacher, dass viele junge Menschen börsengehandelte Indexfonds (ETFs) kennen und auch wüssten, dass sie damit auch fürs Alter vorsorgen könnten. "Allerdings hängt es stark von der Lebensphase ab, ob der Fokus wirklich auf langfristiger Altersvorsorge liegt oder eher auf mittelfristigen Zielen", sagt die Beraterin.
Gesetzliche Rente für viele oft eine Altersvorsorge
Gabriele Katzmarek, Landesvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Baden-Württemberg, warnt jedoch davor, "stärker als bisher" auf den "deutlich risikoreicheren Kapitalmarkt" für die Altersvorsorge zurückzugreifen. Es dürfe nicht passieren, dass ein Pflichtversicherungssystem "nur noch die Basis abdeckt", so die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete.
Niemand sollte vergessen, dass die gesetzliche Rente für Millionen die wichtigste oder gar einzige Altersvorsorge darstellt.
"So wird es auch bleiben, so lange Millionen Menschen aufgrund steigender Lebenshaltungskosten am Ende des Monats keinen Euro mehr übrig haben, um privat vorzusorgen", warnt Katzmarek. "Eine verlässliche Alterssicherung muss in erster Linie über eine starke gesetzliche Rente erfolgen, private Vorsorge kann nur eine Ergänzung sein." Dazu fordert die SoVD-Landesvorsitzende, die gesetzliche Rente zu stärken. Der Arbeitsmarkt sei dazu entscheidend. "Nur aus guten Löhnen kann am Ende des Erwerbslebens auch eine gute und auskömmliche Rente entstehen". Das gebe Vertrauen, "auch bei jüngeren Menschen".