Marketing-Experte ordnet ein

Rabatt-Apps im Supermarkt: Wie viel Geld spart man damit wirklich?

Läden werben immer wieder mit Rabatt-Apps und Rabatt-Aktionen. Dabei stehen solche Aktionen immer wieder in der Kritik. Was sie bringen und warum Rabatte Anklang finden.

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Von Autor/in Nicolas Friese

Früher Prospekte, jetzt Apps: Immer mehr Läden informieren Kundinnen und Kunden auf dem digitalen Weg über Rabatte und Aktionen. Aber wie funktionieren diese Apps und warum locken Rabatte so viele Menschen an?

Wie funktionieren Rabatt-Apps?

Die Apps bewerben Produkte und Sonderangebote: Wer sich registriert, kann bei manchen Anbietern auch Treue- oder Bonuspunkte sammeln. Teils werden auch exklusive Produkte beworben, die nur über die App gekauft werden können. Vielfach erhalten Kunden Rabatt-Coupons, wenn sie innerhalb eines Monats eine bestimmte Einkaufssumme erreichen. 

Wie viel spart man bei Rabatt-Apps wirklich?

Das Preisvergleichsportal Smhaggel fand mithilfe der Untersuchung von mehr als einer Million Kassenbons heraus, dass die Kostenersparnis bei maximal zwei Prozent liegt. Laut der Plattform spart man somit bei einem Einkauf von 100 Euro also höchstens zwei Euro ein.

Was ist mit Datenschutz?

Das Thema Datenschutz ist bei den Rabatt-Apps ein heikles. Verbraucherschützer beklagen beispielsweise, dass die App von Lidl zwar kostenlos sei. Kunden würden jedoch mit ihren Daten "bezahlen". Der Bundesverband der Verbraucherzentrale warf Lidl dahingehend vor, gegen Verbraucherrechte zu verstoßen, und zog mit einer Klage vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.

Jan Michael Rasimus, Marketing-Experte und Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe, sagt, man bekomme die Rabatte nicht "geschenkt". Die App kann beispielsweise erfassen, was wir kaufen, wann und wie häufig wir einkaufen, auf welche Angebote wir reagieren und wie wir Entscheidungen treffen. "Daraus können sehr detaillierte Konsumprofile entstehen", erläutert der Experte gegenüber dem SWR.

Welche Vorteile Rabatt-Apps haben könnten

Aus Marketing-Sicht seien solche Daten natürlich sehr wertvoll, da Unternehmen Angebote und Werbung genau auf die Kundinnen und Kunden zuschneiden können. Das können für beide Seiten von Vorteil sein, sagt Rasimus: "Kunden bekommen im besten Fall günstigere und relevantere Angebote und Unternehmen können ihre Ansprache genauer ausrichten."

Entscheidend sei jedoch, dass transparent bleibe, welche Daten dafür erhoben und wie sie verwendet würden. Problematisch hält der Experte nur eine Personalisierung, "bei der für die Kunden kaum noch erkennbar ist, auf welcher Datengrundlage sie erfolgt".

Sind Rabatt-Apps fair?

Ein weiterer Vorwurf, der Lidl zur Last gelegt wird: Die Rabatt-App benachteilige Menschen, die über kein Smartphone verfügen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht darin eine Diskriminierung bestimmter Kundengruppen. Nach Angaben der Verbraucherschützer könnten ältere Menschen, Menschen mit Behinderung sowie Kinder und Jugendliche benachteiligt werden. Sie könnten oder dürften entsprechende Smartphones oder Apps häufig nicht nutzen und erhielten deshalb bestimmte Rabatte nicht.

Mit ähnlichen Klagen gegen die Discounter Penny und Netto ist der Verbraucherzentrale Bundesverband in diesem Jahr zunächst gescheitert. Das Oberlandesgericht Hamm wies die Klage gegen Penny im April ab. Zuvor hatte das Oberlandesgericht Bamberg im März zugunsten von Netto entschieden.

Warum werden Menschen von Rabatten angezogen?

Dass Rabatte verlockend sind, liegt laut Marketing-Experten Rasimus daran, dass sie mehrere psychologische Mechanismen ansprechen. "Zunächst entsteht der Eindruck, einen Vorteil zu bekommen." Schon die Aussicht, ein Schnäppchen zu bekommen, könne das Belohnungssystem aktivieren und die Vorfreude steigern, berichtet Rasimus. "Dopamin spielt dabei vor allem bei der Erwartung, Motivation und dem Wunsch eine Rolle, diese Belohnung auch tatsächlich zu erhalten."

Sind alle Menschen gleich anfällig für Rabatte?

Wie stark jemand auf Rabatte reagiert, sei individuell, sagt Rasimus. Ausschlaggebend seien Persönlichkeit, Kaufsituation und jeweilige Konsumgewohnheiten. "Manche Menschen suchen sehr bewusst nach Schnäppchen, andere reagieren eher spontan", so der Experte.

Zusätzlich können Überraschungen die Aufmerksamkeit und den Belohnungswert erhöhen. Dazu kommt die Inszenierung: "Ein hoher Referenzpreis, auffällige Farben, eine hohe Prozentzahl, ein Countdown oder Verknappungen wie 'nur heute' oder 'nur noch wenige verfügbar'."

Was haben die Händler von den Rabatt-Apps?

Für Händler und Kunden sind die Apps eine Art Tauschgeschäft. Angemeldete Kunden erhalten vielfach exklusive Vorteile. Im Gegenzug gewinnen die Händler - im besten Fall - treuere Kunden sowie deren Daten. So können sie das Kaufverhalten besser analysieren, die Zielgruppen gezielter ansprechen und womöglich auch Kaufentscheidungen beeinflussen. Händler wie Lidl und Rewe kennen ihre Kunden aus Sicht von Branchenexperten deshalb womöglich besser als Aldi. 

Wie viele Menschen nutzen die Apps?

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nutzen drei von vier Menschen in Deutschland Rabatt-Apps von Händlern wie Rewe, Lidl oder Penny. Jeder Zweite macht dies sogar mindestens einmal die Woche. 24 Prozent verwenden die Apps nicht, ein Drittel von ihnen kann sich eine Nutzung aber vorstellen. YouGov hat vom 28. bis 31. August 2.040 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland zum Thema befragt. 

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Nicolas Friese
SWR-Redakteur Nicolas Friese.

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