Die Schilder-Hersteller freut es: Überall wachsen Tempo-30-Schilder aus dem Boden, weil EU-Normen und willkürlich festgelegte Lärmgrenzen diese Entwicklung angestoßen haben. Auf manchen Hauptverkehrsstraßen kriecht in der Folge der Verkehr, der tatsächliche Nutzen für die Anwohner scheint zweifelhaft.
Die Nachteile für den Verkehrsfluss auf Hauptverkehrsstraßen sind dagegen deutlich. Verunsicherte Autofahrer drosseln die Geschwindigkeit gerne auf 25 Kilometer pro Stunde, um ganz sicher nicht in einem Blitzer zu fahren. Dass Menschen, die Wohnungen an Verkehrsachsen bezogen haben, sich möglichst große Ruhe wünschen, ist verständlich, ebenso allerdings auch der Wunsch nach einigermaßen zügigem Fortkommen auf zentralen Straßen.
So wie es läuft, ist es sehr deutsch. In jahrelangen Verfahren erstellen ganze Abteilungen der Städte und Gemeinden Lärmaktionspläne, folgen den Vorgaben, bestellen Schilder, bauen Ampeln um. Widersinnig ist, dass auf Nebenstraßen das oft nicht gilt, weil dort der Lärmaktionsplan nicht greift. Dort wird dann munter schnell gefahren oder die Tempo-30-Zone umfahren.
Warum nicht überall Tempo 30?
Wenn tatsächlich Umweltschutz, Lärmschutz und Gesundheit im Vordergrund stehen sollen, müssten schlicht alle innerstädtischen Straßen grundsätzlich Tempo-30 sei, das wäre eine klare Regel ohne Schilderwald und würde rasch verstanden werden. Dazu gehört aber auch, dass innerstädtische Hauptstraßen oder zentrale Verbindungen wie Bundesstraßen einigermaßen zügig befahrbar bleiben - Tempo 50 ist an der Stelle wohl ein akzeptabler Kompromiss. Das müssten Gemeinderäte entscheiden können, ohne von einem Monstrum Lärmaktionsplan dazu gezwungen zu werden.