Sie nennen sich selbst "Parkis" - und sind sehr sportlich unterwegs. Unter dem Motto "Parkis an die Platte" trainieren sie im Leimener Stadtteil St. Ilgen (Rhein-Neckar-Kreis) beim TTC Schwarz-Gold St. Ilgen. So kämpfen sie aktiv gegen die Symptome der Nerven-Krankheit, die als unheilbar gilt. Und die allein in Deutschland laut der Deutschen Parkinsongesellschaft etwa 400.000 Menschen betrifft.
Petra Scheurig steht viermal pro Woche an der Tischtennisplatte und trainiert - aus gutem Grund. Tischtennis, so sagen es die Patienten, trainiert Gleichgewicht und die Reaktionsgeschwindigkeit. Außerdem gibt ihnen der Sport, auch weil sie sich in der Gruppe so wohlfühlen, ein gutes Gefühl. Denn die Trainingsgruppe ist aus einer Selbsthilfegruppe entstanden.
Therapie: Medikamente plus Sport und Bewegung
Petra Scheurig leidet schon seit 30 Jahren unter Parkinson. In letzter Zeit gebe es viel mehr schlechte Phasen als früher, sagt sie. Man merke irgendwann auch, dass die Medikamente nicht mehr so wirken wie am Anfang. Denn so viel ist klar: Alle in der Gruppe nehmen Medikamente gegen Parkinson. Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft empfiehlt zusätzlich Sport, um die Symptome stabil zu halten oder zu verbessern. Aber Scheurig betont, dass der Sport, also Tischtennis, sie immer wieder "rettet" - gerade in schlechten Phasen.
[In schlechten Phasen] sitze ich viel und lese. Und dann ist es wichtig, dass mich der Sport aus dem Sitz rausreißt.
Bernhard Vollmer ist auch Teil der Trainingsgruppe. Vor sechs Jahren hat er erfahren, dass er Parkinson hat. Ihm merkt man die Krankheit kaum an. Das liege an den Medikamenten, die er nehme, betont er, aber auch an seinem Trainingsfleiß.
Auch spezielle Parkinson-Gymnastik hilft
Bei ihm stehen zusätzlich zu Tischtennis Schwimmen, Radfahren, Yoga und spezielle Parkinson-Gymnastik auf dem Trainingsplan. Lässt er sein Training auch nur einen Tag ausfallen, merke er das sofort. Auch er kommt, um seinen Gesundheitszustand stabil zu halten. Er schätzt aber auch das Miteinander in der Gruppe.
"Parkinson and Friends"-Team spielt in Verbandsliga mit
Miteinander bedeutet in dieser Gruppe auch Inklusion. Die meisten hier haben Parkinson. Bei ihnen sieht man deutlich das starke Zittern der Hände, den sogenannten Tremor, ein typisches Symptom. Aber einige der Spielerinnen und Spieler sind nicht von der unheilbaren Krankheit betroffen. Gemeinsam starten sie mit einer Mannschaft in der Verbandsliga, nennen sich "Parkinson & Friends".
Kein Trainer, aber viele Tipps
Einen Trainer haben sie nicht, sie geben sich oft aber gegenseitig Tipps. Und sie hauen ganz schön drauf, spielen dann den ganzen Abend in unterschiedlichen Konstellationen. Neben dem Sport geht auch um den Austausch. Und in der Selbsthilfegruppe, aus der die Tischtennisgruppe hervorgegangen ist, treffen sie sich weiterhin - einmal pro Monat. Mit der klaren Botschaft: Nicht jammern und quatschen, sondern machen.
Am Ende des Trainings haben sie ein gemeinsames Abschluss-Spiel, das die gesamte Gruppe einbezieht. Wieder ein Abend, an dem sie viel getan haben. Gekämpft haben. Gegen den Tischtennispartner auf der anderen Seite der Platte. Und gegen die Parkinson-Krankheit.