Die Strahlenburg bei Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis) soll 3,5 Millionen Euro kosten. Die Burg ist von der A5 in Höhe der Ausfahrt Ladenburg/Schriesheim gut zu sehen. Das ehrwürdige Gemäuer ist fast 800 Jahre alt. Die Strahlenburg, Wahrzeichen Schriesheims, ist den Bürgern der Weinstadt nicht zuletzt wegen der Gaststätte mit traumhafter Aussicht ans Herz gewachsen. So sehr, dass jetzt eine Stiftung gegründet werden soll, die mit Spenden die Burg kaufen will.
Aus dem Stand 100.000 Euro an Zusagen
Das Interesse an der Infoveranstaltung der Bürgerstiftung Strahlenburg am Donnerstagabend war riesengroß. Die Stiftung hat auf dieser Veranstaltung bereits aus dem Stand 100.000 Euro an Spendenzusagen eingesammelt.
Miteigentümer Hans-Peter Lange sagte dem SWR, dass der Verkauf bis Ende des Jahres über die Bühne sein sollte und dass die Stiftung für ihn zu den Premium-Käufern gehören würde.
Vier Säulen der Finanzierung
Die Stiftung will die Finanzierung auf vier Säulen stellen, sagte Initiator Thomas Rufer, Rechtsanwalt und Steuerberater: Durch Spenden, durch Darlehen von Privatpersonen oder Banken, über Testamente und auch über Crowd-Funding. Wenn jeder Schriesheimer nur 100 Euro spenden würde, käme schnell eine Million Euro zusammen, so ein Teilnehmer.
Wer verkauft die Strahlenburg?
Das Zeitfenster ist kurz. Die Eigentümer wollen die Burg bis zum Winter verkauft haben. Die Burg gehört mehrheitlich einer Erbengemeinschaft, deren Entstehung eine Geschichte für sich ist. Es war der Burgverwalter, der dem Burggrafen die Strahlenburg in den 1930er Jahren abgekauft hat. Ein Viertel der Anteile gehört seit Kurzem einem Heidelberger Bauunternehmer, dessen Herz an der Burg hängt. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" hatte kürzlich berichtet, dass die Burg verkauft werden soll.
Der frühere Bürgermeister der Stadt Schriesheim, Hansjörg Höfer (Grüne), will zusammen mit Mitstreitern eine Stiftung gründen. Sie will die Burg entweder komplett kaufen oder mindestens einen gewichtigen Anteil daran halten und einen Käufer unterstützen, der dort eine Gastronomie einrichtet.
Wir wollen als Käufer auftreten. Wir wollen, dass die Burg öffentlich zugänglich bleibt und dort auch eine Gastronomie eingerichtet wird.
Großspender für Strahlenburg gesucht
Der Plan: In der Strahlenburg soll weder eine Sterneküche noch eine reine Event-Gastronomie etabliert werden. Den Stiftungs-Initiatoren ist klar: Sie brauchen neben vielen Unterstützern vor allem Großspender, um den kühnen Plan zu verwirklichen. Denn mit dem Kaufpreis von 3,5 Millionen Euro wäre es noch nicht getan. Küche und Bausubstanz der Wirtschaftsräume sind veraltet, auch die Pflege der Burg kostet Geld: Mindestens eine Million Euro an Investitionen zusätzlich zum Kaufpreis werden wohl fällig.
Land kann nur indirekt unterstützen
Das Land Baden-Württemberg kann die Pläne zur Übernahme der Burg nur indirekt unterstützen. Weitere Burgen, Schlösser und Gärten will die "Staatliche Schlösser und Gärten" nicht in ihr Portfolio aufnehmen, das ist sogar eine Festlegung im Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU, darauf weist Fadime Tuncer hin, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Schriesheim. Sollte die Burg im Eigentum der Stiftung sein, kommen andere Fördermöglichkeiten möglicherweise zum Tragen.
Geschichte der Strahlenburg
Die um 1235 errichtete Strahlenburg kam 1932 in den Besitz der Schriesheimer Familie Lauer. Die Burg gehörte dem Adelsgeschlecht der Grafen von Oberndorff. Als ein Nachfahre während der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Not geriet, verkaufte der Graf die Strahlenburg an seinen Verwalter Jakob Erdmann, der schon seit etwa 1900 eine einfache Ausflugsgastronomie auf der Burg betrieb.
Strahlenburg lange Zeit Ausflugsziel
Frieda Erdmann, die Tochter des Verwalters Jakob Erdmann, war seit 1920 mit dem Architekten Fritz Lauer verheiratet. Durch diese Heirat kam die Burg in den Besitz der Familie Lauer. Die Gaststätte auf der Terrasse war legendär. Für die Schriesheimer ist es "ihre" Burg.
Seit März 2023 ist die Strahlenburg geschlossen. Die Pächter hatten nach 20 Jahren aus Altersgründen aufgehört. Gespräche mit neuen Pächtern scheiterten.