Bei den Ermittlungen zu einem Mann, der am Mittwochnachmittag (14. Januar) in einem Mannheimer Innenstadt-Café auf einen anderen Mann geschossen hat, gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag dem SWR mit. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen, dazu zählt zum Beispiel die Vernehmung von Zeugen. Mit konkreten Ermittlungsergebnissen ist auf die Schnelle nicht zu rechnen, so die Staatsanwaltschaft.
Café in "Klein-Istanbul" in Mannheim
In der ersten Polizeimeldung am Donnerstag hatte die Behörde als Tatort ein Café im Innenstadt-Quadrat H 3 genannt. Das Viertel hier wird in Mannheim auch "Klein-Istanbul" genannt, es wimmelt von türkischen Läden, Bäckereien und Restaurants. Bei einer SWR-Recherche vor Ort wird nach nur wenigen Gesprächen mit Anwohnern klar: Tatort war offensichtlich eine Raucherkneipe mit blicksicheren Milchglasscheiben und der Aufschrift: "Zutritt unter 18 Jahren verboten", darunter die Öffnungszeiten (täglich von 11 Uhr bis 3 Uhr früh). Praktisch in Rufweite: Das Innenstadtpolizeirevier im benachbarten Quadrat H 4.
Opfer war wohl Stammgast in Mannheimer Café
Am Freitagmittag ist die Kneipe geschlossen. Doch auf ein Klopfen öffnet sich die Tür, ein schlanker, grauhaariger Mann erscheint. Der Mann bestätigt auf Nachfrage, dass in dieser Kneipe am Mittwoch geschossen wurde. Ob er der Besitzer der Kneipe ist, oder Mitarbeiter oder Gast, verrät der Mann nicht. Er ist wortkarg, schaut im Gespräch mit dem Reporter fast permanent auf sein Handy. Bevor er die Tür wieder verschließt, sagt er, das Opfer des Oberschenkel-Schusses sei ein Stammgast gewesen. Den mutmaßlichen Schützen habe er noch nie hier gesehen.
Schüsse in Café: Gesprächsthema im Viertel
Der Betreiber eines Handy-Ladens um die Ecke sagt, er habe den Polizeieinsatz am Mittwoch mitbekommen, es seien viele Beamte auf der Straße zu sehen gewesen. "Ich habe nur mitbekommen, da hat jemand auf jemand anderen geschossen, schlimm! Aber wer und wie und warum? Keine Ahnung". Er vermutet, dass "Landsleute aus der Türkei" beteiligt waren. Die Polizei meldete in diesem Zusammenhang am Donnerstag einen 58-Jährigen türkischen Tatverdächtigen.
Ermittlungen dauern an Nach Schüssen in Mannheimer Innenstadt: 58-Jähriger in U-Haft
In der Mannheimer Innenstadt soll am Mittwoch ein 58-jähriger Mann mehrmals auf einen anderen Mann geschossen haben. Die Polizei fasste den Verdächtigen in der Nähe des Tatorts.
Die Nationalität des Opfers ist unklar. Der Handy-Laden-Betreiber erzählt, er kenne den Besitzer des Cafés, in dem die Schüsse fielen, "das ist ein Freund von uns, ein Kurde". Mit den Schüssen habe der aber ganz sicher nichts zu tun, sagt der Handy-Laden-Betreiber. Das Café sei "eine Multikulti-Kneipe", die Herkunft der Gäste sei bunt gemischt.
Warum haben Behörden Schüsse mit einem Tag Verzögerung gemeldet?
Am Freitag haben Polizei und Staatsanwaltschaft auf SWR-Nachfrage Einzelheiten dazu mitgeteilt, warum sie die Öffentlichkeit (inklusive der Medien) erst einen Tag nach dem Vorfall von den Schüssen, der Festnahme und der Inhaftierung des Tatverdächtigen informiert haben.
Das hatte den Angaben zufolge vor allem zwei Gründe. Zum einen bestand laut Polizei keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung, der mutmaßliche Schütze wurde schon kurze Zeit später festgenommen. Ein anderer Fall wäre zum Beispiel ein Amoklauf gewesen, mit unmittelbarer Gefahr für die Menschen: Da muss die Polizei sofort die Öffentlichkeit informieren, auch um sie zu schützen. Zum anderen habe es sich um keinen sehr öffentlichkeitswirksamen Vorfall gehandelt. Das heißt: Die Schüsse fielen nicht auf einem öffentlichen und belebten Platz, sondern in einem Café.
Insgesamt sei es immer vom Einzelfall abhängig, wann man die Öffentlichkeit suche, teilte eine Polizeisprecherin dem SWR mit. Im Fall der Schüsse im Café hätte man zudem mit einer schnellen "Erstmeldung" mit nur wenigen Informationen auch mutmaßlich eher Verwirrung und Angst bei vielen Menschen gestiftet.