Großbrände in Recyclingbetrieben oder auf Schrottplätzen kommen Experten zufolge ziemlich häufig vor. Laut dem Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) brennt es bundesweit täglich etwa 30 Mal in Wertstoff- und Entsorgungsanlagen. Dem BDE zufolge meist wegen falsch entsorgter Batterien oder Akkus. Sehr oft lässt sich das aber nicht mehr beweisen. So auch bei einem Großbrand in der Recyclingfirma G.A.S. in Mannheim Anfang Juli. Bis heute ist die Ursache für das Feuer unklar.
Akku von E-Zigarette achtlos in Papiertonne geworfen?
Harald Klöden, Geschäftsführer der Firma G.A.S. am Rande der Friesenheimer Insel, hat zumindest eine starke Vermutung. Rund drei Monate nach dem Brand hat er den SWR zu einem Rundgang auf dem Betriebsgelände eingeladen. Er sagt, es sei "schon sehr wahrscheinlich, dass das damals ein Akku war, von einer E-Zigarette", die jemand achtlos in eine Papiermülltone geworfen habe. Dieser kleine Akku sei dann möglicherweise im Laufe des Verarbeitungsprozesses auf seinem Recyclinghof beschädigt oder zerquetscht worden. Dabei sei dann Energie freigesetzt worden, was das Feuer mutmaßlich ausgelöst hat.
Gepresste Papierwürfel brannten "wie Zunder"
Dazu kam, so Klöden, dass jener Tag (2. Juli 2025) einer der heißesten des Jahres gewesen sei. "Wir hatten knapp 40 Grad, alles war sehr trocken". Ein Polizeisprecher erklärte damals, auf dem Gelände seien gepresste Papierwürfel in Brand geraten - "die brennen wie Zunder bei dem Wetter". Und dennoch: viele Konjunktive, viel Mutmaßung. Das räumt auch Harald Klöden ein. Doch für ihn steht fest: "Überall da, wo wir Material pressen, schreddern und sortieren" könne schon so ein kleiner Akku einen großen Brand verursachen.
Akkus als Brandauslöser? Feuerwehr-Experte ist skeptisch
Maximilian Schneeganß, Leiter der Abteilung für objektbezogene Gefahrenabwehrplanung bei der Feuerwehr Mannheim, war schon bei manchem Großbrand im Einsatz, auch in Recyclinghöfen. Mit Blick auf mögliche Ursachen von Bränden dort ist er skeptisch. Ja, Akkus seien ein Thema, so Schneeganß, aber bezüglich der Schrottplatz- oder Recyclinghof-Brände, von denen er wisse, habe die Polizei (als Behörde, die eine Brandursache ermittelt) nicht nachweisen können, dass tatsächlich Akkus die Verursacher waren. "Wir selbst haben auf solchen Plätzen noch keine Akkus brennen sehen", so der Feuerwehr-Experte.
Bei einem weiteren Großbrand einer Recyclingfirma im Mannheimer Industriehafen im August 2025 hatte ein Polizeisprecher mitgeteilt, man habe "bei manchen Bränden den Verdacht, dass (...) auch Akkus in den Müllhaufen sind". Diese könne man aber "nicht einfach so rausfischen". Das Problem: Wenn ein Feuer über viele Stunden mit hohen Temperaturen wüte, habe man "schlichtweg keine Spuren" mehr.
Recyclingfirma in Mannheim lagert und verwertet Gewerbe- und Industriemüll
Die Mannheimer Recyclingfirma G.A.S. nimmt Gewerbe- und Industriemüll an (bis auf Gefahrenstoffe). Auf dem Gelände werden unter anderem massenweise Papier, Metall, Holz, Kunststoff, Grüngut und Futtermittelreste gelagert und zu einem großen Teil weiter verwertet. Den Betrieb mit etwa 50 Beschäftigten gibt es seit 1977.
Hier und da sind auf dem Betriebsgelände auch jetzt noch Spuren des Großbrands vom 2. Juli zu sehen, zum Beispiel an Metallkäfigen, die die Brandhitze stark deformiert haben, oder anhand dunkler Rußflecken auf einer Lagerfläche.
Brandschutz in Recyclingbetrieb: Genug Abstand zwischen Müllsorten
Mit Blick auf den Brandschutz sieht Harald Klöden seinen Betrieb gut aufgestellt. Behördliche Auflagen gibt es schließlich viele. Zum Beispiel muss es ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Müllsorten geben. Klöden zeigt dabei auf dem Gelände mit seinem Finger auf meterhohe Betonwände, unter anderem zwischen den gepressten Papierballen und einem Bereich, auf dem sich Holzpaletten und Bretter türmen.
Die Mitarbeiter seien zudem in Sachen Brandschutz geschult, absolvieren regelmäßig Übungen. "Wir haben mittlerweile auch überall auf dem Gelände C-Schläuche (Feuerwehrschläuche), dazu zwei große Hydranten, außerdem Rauchmelder. Und wir sind gerade dabei, neue Thermosensoren zu installieren". Diese Sensoren, so Klöden, könne man so einstellen, dass sie schon bei 70 Grad Celsius Alarm auslösen. Sie können dabei sogar unterscheiden zwischen einem (eher harmlosen) heißen Lkw-Motor und einem Feuer.
Elektroschrott gehört auf den Wertstoffhof
Doch um ein Feuer auf dem Gelände eines Recyclinghofs zu verhindern, müsse man schon viel früher ansetzen - und zwar beim Verbraucher. "Bei vielen ist offenbar einfach das Wissen nicht da, dass so was (wie ein E-Zigaretten-Akku) nicht in die Papier- oder die Restmülltonne gehört", klagt Harald Klöden. Elektroschrott gehöre eben auf den Wertstoffhof. Oder er muss dahin zurückgebracht werden, wo die Ware gekauft wurde. Elektronikhändler sind zur Rücknahme verpflichtet.
Die Bereitschaft, Abfall vernünftig zu sortieren und zu trennen, lässt nach der Erfahrung der Recyclingbranche leider, leider nach.
Dabei kann es in diesem Zusammenhang auch wertvoll sein, sich in der Branche mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Genau das mache er auch, berichtet Harald Klöden. Dabei würden Fragen diskutiert wie diese: Welche Brandschutz-Systeme taugen was? Wie funktioniert da die Fernwartung? Wird dadurch auch die Feuerwehr automatisch alarmiert?
Austausch in der Branche auch über Brandschutz hinaus
Darüberhinaus tausche man sich natürlich auch über Innovationen jenseits des Brandschutzes aus. So ist Klödens Firma Mitglied im "Green Industry Cluster", einem Netzwerk im Auftrag der Stadt Mannheim. Dabei geht es um Kooperationen zum Beispiel von Recyclinghöfen unter anderem mit Forschungseinrichtungen und Startup-Unternehmen. Das Ziel: Was lässt sich aus den gelagerten Abfall-Stoffen noch so alles herstellen? In einem Fall ist es den beteiligten Unternehmen zum Beispiel gelungen, aus Abfallresten der Tee- und Zellstoffindustrie Bauplatten für Räume herzustellen - vergleichbar mit Rigips (Gips-Kartonplatten). Und wer weiß? Vielleicht tüfteln die Netzwerk-Mitglieder ja bald auch eine ganz neue Brandschutz-Vorrichtung aus.