Im Staatsschutzverfahren um den tödlichen Messerangriff auf dem Marktplatz in Mannheim hat am Donnerstag die Ehefrau des Angeklagten ausgesagt. Ihr Mann habe sich vor der Tat verändert. Der gemeinsame Sohn von Sulaiman A. und seiner Frau sei vier Monate vor der Tat mit einer Herzkrankheit zur Welt gekommen. Das sagte die 24-Jährige am Donnerstag im Prozess, der seit Februar am Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart-Stammheim läuft.
Sulaiman A. ist unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hat der inzwischen 26-jährige Angeklagte am 31. Mai 2024 bei dem Angriff in Mannheim insgesamt sechs Menschen mit einem Messer verletzt. Der 29-jährige Polizist Rouven Laur starb wenig später an seinen schweren Verletzungen.
Ehefrau des Angeklagten: Sulaiman A. habe sich verändert
Sulaiman A. habe sich im Vorfeld der Tat "öfter zurückgezogen" und "irgendwie anders verhalten". Die Ehefrau berichtete außerdem, dass ihr Mann vermehrt über Kopfschmerzen klagte. In der Abendrealschule habe er sich deshalb nicht mehr konzentrieren können. Auch die Motivation habe ihm gefehlt, soll Sulaiman A. gegenüber seiner Frau gesagt haben. Sie habe auch gesehen, dass ihr Mann weint. Das sei neu für sie gewesen.
Frau spricht über ihre Wut, Zorn und Verzweiflung
Vor Gericht sagte die Frau des Angeklagten außerdem, dass sich Sulaiman A. vor der Tat am Mannheimer Marktplatz Videos über Angriffe im Gaza-Krieg angesehen habe. Die hätten ihn belastet und "sehr mitgenommen". Immer wieder brach die Frau während ihrer Aussage in Tränen aus. Ab und zu lächelte die 24-Jährige dem Angeklagten leicht zu. Sie sprach aber auch über die Wut, die sie auf ihren Ehemann habe: "Ich kann auch nicht sagen, dass der Zorn vorbei ist - auch die Verzweiflung. Ich habe das ja alles nicht verstanden."
Nach tödlichem Messerangriff: Ehefrau soll bedroht worden sein
Der Anwalt der 24-Jährigen sagt, dass sie nach der Tat bedroht worden sei. "Die Zeugin leidet massiv seit der Tat an den Folgen der Tat", sagte dieser vor dem OLG. Auch sei sie "bestimmten Drohungen" ausgesetzt gewesen. "Es gab Polizeischutz", so der Anwalt weiter. Der Angeklagte hatte bis zur Tat zusammen mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in Heppenheim (Kreis Bergstraße) gelebt.
Prozess vor OLG Stuttgart könnte früher enden
Seit Mitte Februar läuft das Verfahren am Oberlandesgericht in Stuttgart. Der Prozess könnte schneller enden als geplant. Die Beweisaufnahme könne unter Umständen kommende Woche abgeschlossen werden, so ein Sprecher des OLG. Anwälten zufolge könnte ein Urteil Mitte September verkündet werden. Dazu wollten sich Gericht und Bundesanwaltschaft aber nicht äußern. Ursprünglich waren Verhandlungstage bis Oktober angesetzt.