Am 16. September 2024 haben Passanten eine tote Frau in einem Waldstück bei Lampertheim (Kreis Bergstraße) gefunden. Seitdem wurden mehr als tausend DNA-Proben ausgewertet und die Polizei hat sich mehrfach an die Öffentlichkeit gewandt. SWR Aktuell hat mit Sebastian Knell, einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt/Offenbach, über den Fall gesprochen.
Wer die Frau ermordet hat, ist weiterhin unklar, sagt Staatsanwalt Sebastian Knell.
Die Tote ist eine 36-jährige Frau, die mit ihrer Familie in Lampertheim lebte. Sie ist außerdem Mutter von zwei Kindern gewesen. Sie war vermutlich zum Joggen aufgebrochen, parkte auf einem Waldparkplatz und kam nie wieder nach Hause. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie auf einem Waldweg getötet wurde.
Der Frauenkörper wies mehrere Stichverletzungen auf, die vermutlich zum Tod der jungen Frau führten. Die Tatwaffe ist bis heute verschwunden.
Wir gehen nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen von einem heimtückischen Mord aus.
Das Opfer war vermutlich "arglos und wehrlos" und hat nicht mit einem Angriff gerechnet, sagt Knell.
Frauenleiche in Lampertheim war bekleidet
Zu einem Tatmotiv könne man aktuell nichts Gesichertes sagen, so Knell. Die Leiche wurde bekleidet aufgefunden, weshalb es nicht offensichtlich ist, dass es sich um eine Sexualstraftat handelt - komplett ausschließen lässt es sich jedoch nicht, erklärt der Staatsanwalt.
Es könnte sich laut Knell genauso um einen Raub oder Ähnliches gehandelt haben. Die Beamten fanden im Rahmen der Ermittlungen auch ein Handy im Wald. Sie gehen davon aus, dass es der jungen Frau gehört hat. Bei der Leiche fanden sie außerdem eine leere Bauchtasche. Ob die Polizei noch andere Gegenstände aus der Bauchtasche sucht, dazu wollte sich Staatsanwalt Knell nicht äußern. Eine Beziehungstat schließen die Beamten nach wie vor aus.
DNA-Spuren führen zu Massenabgleich - bisher ohne Treffer
Am Tatort konnte fremde DNA gesichert werden, so Knell. Zu wem gehört sie? Um das herauszufinden, hat die Staatsanwaltschaft kurz nach der Tat einen großangelegten DNA-Abgleich veranlasst. Mehr als 1.100 Menschen - darunter Freunde, Bekannte und Angehörige des Opfers sowie Anwohner aus der Umgebung des Tatorts - wurden auf freiwilliger Basis aufgefordert, eine Probe abzugeben.
Ohne einen konkreten Tatverdacht ist es rechtlich nicht zulässig, menschliche Zellen zwangsweise zu entnehmen.
Eine heiße Spur war offenbar nicht dabei, bis heute gibt es keinen Tatverdächtigen.
Fall aus Lampertheim: Ermittler wenden sich an die Öffentlichkeit
Der Fall war kurz nach der Tat Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst". Bis heute hat die Polizei etwa 300 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, so Knell. Die eigens dafür eingerichtete E-Mail-Adresse sei noch immer aktiv.
Von einem "Cold Case" könne man noch nicht sprechen, sagt Staatsanwalt Sebastian Knell.
Unmittelbar nach der Tat wurde die Mordkommission "1609" - analog zum Tag des Auffindens - ins Leben gerufen. Die besteht bis heute, erklärt Knell. Wobei die Anzahl der Ermittelnden "situativ angepasst wird". Von einem "Cold Case" könne man zwölf Monate später noch nicht sprechen. Die Ermittlungen gehen weiter.