In Mannheim gibt es seit neuestem ein ungewöhnliches Mural in Brailleschrift. Dahinter steckt der französische Künstler THE BLIND. Ort ist eine 40 Meter lange Wand am Laborgebäude des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) in den Mannheimer Quadraten.
Greifbare Kunst für Blinde und Sehbehinderte
Hintergrund ist, dass Menschen mit Sehbehinderungen Kunst oft verwehrt bleibt. Ausnahme bilden beispielsweise Skulpturen, die Menschen mit Sehbehinderung oder Blinde ertasten können. Deshalb will THE BLIND seine Streetart durch dreidimensionale Elemente greifbar machen. Der Künstler aus Nantes ist bekannt für seine außergewöhnlichen Werke, die er mit Braille-Schrift und tastbaren Reliefs gestaltet.
Eingeladen haben THE BLIND das Mannheimer Institut Francais, das ZI sowie die Initiative STADT.WAND.KUNST, die schon viele international bekannte Streetart-Künstler in die Quadratestadt gebracht hat.
Mannheim erste deutsche Stadt mit Streetart für alle
Ob die Idee mit den dreidimensionalen Reliefs und der Braille-Schrift zündet, konnte der Künstler schon während der Arbeit an seinem Graffiti testen. Denn Schüler und Schülerinnen der Schloss-Schule in Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis), einer Schule für Sehbehinderte, haben ihn während der Entstehung des Kunstwerks besucht. Sie durften zum Beispiel aussuchen, was in Blindenschrift auf der Wand stehen soll. Die Kinder entschieden sich unter anderem für die deutsche Redewendung "Rot sehen" - und durften diesen dann auch in Braille-Schrift "schreiben".
Auch der Vorsitzende des Badischen Blinden und Sehbehindertenvereins, Karlheinz Schneider, hat das inklusive Mauer-Kunstwerk bereits getestet. Und war begeistert. "Wir haben ja in Mannheim diese bemalten Hausfassaden, die kann ich nicht sehen. Die muss man mir beschreiben, und dann kann ich es mir vorstellen - oder auch nicht. Aber hier gibt es was, was ich als blinder Mensch fühlen kann. Und das finde ich echt toll", so Schneider.
Das dreidimensionale Bild von THE BLIND ist eines von über 50 Murals in Mannheim. Begonnen hat der systematische Ausbau zum "Open Urban Art Museum" 2013. Seitdem kommen immer mehr Mauer-Kunstwerke dazu.