Die Folgen der anhaltenden Hitze und Trockenheit sind auch in unseren Wäldern deutlich spürbar. Vor allem der Borkenkäfer, ein Baumschädling, profitiert davon und setzt besonders den Fichten massiv zu. Beispiel: Der sogenannte "Kleine Odenwald" bei Moosbrunn, einem Ortsteil der Gemeinde Schönbrunn (Rhein-Neckar-Kreis). Dort ist fast jede Fichte vom Borkenkäfer befallen und wird absterben, sagt Förster Thomas Falk vom Forstbezirk Odenwald. Falk beobachtet die Veränderungen im Wald seit Jahren. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: Die Fichte werde in den Wäldern bald keine Zukunft mehr haben.
Die Fichte wird großflächig keine Zukunft haben im Wald.
Ein Borkenkäfer legt unter der Baumrinde rund 200 Eier ab
Welchen Schaden die Borkenkäfer im "Kleinen Odenwald" bereits angerichtet haben, zeigt sich bei einem Ortstermin am Mittwoch an einem befallenen Baum. Mit wenigen Axt-Schlägen entfernt Thomas Falk die Rinde. Direkt darunter taucht der kleine schwarze Käfer sofort auf. Die Gänge, die er sich dort fressend bahnt, werden direkt sichtbar. Der Schädling legt seine Eier unter der Baumrinde ab. Ein Mutterkäfer bringe rund 200 Eier hervor, so Falk. Die Jungkäfer legten dann auch wiederum jeweils 200 Eier. Durch die warmen Temperaturen entwickeln sie sich deutlich schneller als früher.
Borkenkäfer-Bestand wächst laut Expertin explosionsartig
Silke Bommer von Forst BW hat beobachtet, dass in diesem Jahr bereits etwa doppelt so viele Käfer unterwegs seien als in den vergangenen Jahren. Die Population wachse nahezu explosionsartig. Besonders für die Fichte bedeute das einen aussichtslosen Kampf. Denn normalerweise wehre sich der Baum mit Harzbildung gegen die eindringenden Käfer, erklärt Bommer. Doch genau dafür fehlt den Fichten gerade das Wasser - es ist einfach zu trocken. Die Käfer dagegen lieben Trockenheit und Hitze.
Verstecktes Sterben in den Baumkronen
Mit Blick auf die Baumkronen im Wald wird der Schaden deutlich. Bei stark geschwächten oder fast abgestorbenen Fichten verfärben sich die Baumkronen rot, und die Nadeln fallen ab. Das klinge wie Nieselregen und im ersten Moment schön, so Förster Falk. Aber es bedeute leider, dass der Baum so schwach sei, das er die Nadeln abwerfen müsse.
Befallene Bäume werden mit "K" für "Käferholz" gekennzeichnet
Forstmitarbeiter haben viele Fichten bereits mit einem "K" markiert, das steht für "Käferholz", erklärt Thomas Falk. Der Bestand hier im kleinen Odenwald sei über 100 Jahre alt, sagt Falk beim Blick auf eine Gruppe alter Fichten. Viele dieser Bäume müssten in den kommenden Jahren gefällt werden, weil sie dem Borkenkäfer bereits zum Opfer gefallen seien. Die markierten Bäume werden von den Forstwirten abgeholzt und abtransportiert.
Klimawandel längst im Wald angekommen
Für Forst-Experten steht fest: Der Klimawandel verändert die heimischen Wälder bereits heute. Besonders betroffen sind sogenannte Flachwurzler wie die Fichte. Das heißt: Ihre Wurzeln reichen nicht tief genug in den Boden, um in langen Trockenphasen ausreichend Wasser zu erreichen.
Es könnte richtig kritisch werden.
Noch sei die Situation beherrschbar, doch sie könne sich weiter zuspitzen. Neben den ökologischen Folgen entstünden auch erhebliche wirtschaftliche Schäden. Abgestorbene Fichten verlören an Wert und müssten häufig frühzeitig gefällt werden. Für viele Forstbetriebe bedeute das hohe finanzielle Einbußen, so Falk.
Künftig Mischwälder - ohne Fichten
Während Förster zunehmend auf klimaresistentere Mischwälder setzen, werde die Fichte nach und nach aus dem Wald verschwinden, befürchtet Falk. Das Fichtensterben im Odenwald zeige eindrücklich, wie tiefgreifend Hitze und Trockenheit die heimischen Wälder bereits verändert haben. Der Wald werde jetzt nicht absterben, der Wald werde sich verändern. "Wir werden einen anderen Wald haben - ein Wald, der nicht mehr 40 Meter hoch ist, sondern 25 Meter."