T-Shirts für drei Euro, jede Woche eine neue Kollektion und ständig neue Trends: Für viele Jugendliche gehört Fast Fashion zum Alltag. Um aufzuzeigen unter welchen Bedingungen billige Mode entsteht und welche Folgen sie auf die Umwelt haben kann, hat das Eine-Welt-Zentrum Heidelberg am Mittwoch einen Aktionstag rund um das Thema "Fast Fashion" organisiert. Insgesamt haben 120 Schülerinnen und Schüler aus sechs verschiedenen Schulen teilgenommen. Gestartet wurde mit einem Quiz. Die Schüler mussten zum Beispiel schätzen, wie hoch der Anteil an Mikroplastik aus Kunstfasern im Meer ist. Die Antwort lautet: 35 Prozent.
Bildungsevent "Exit Fast Fashion": Jugendliche erleben den Alltag eines Textilarbeiters
In einer Fabrik-Simulation schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Textilarbeiters. Zu Beginn wurden Kärtchen ausgeteilt, auf denen die Jugendlichen lesen konnten, wie ihre Rolle heißt, wie alt sie ist und welcher Arbeitsplatz ihr zugeteilt ist.
Veranstalterin Maike Nestle erklärte, dass sich die Textilarbeiterinnen und -arbeiter um 5:30 Uhr auf den Weg zur Fabrik machen - zu Fuß oder im überfüllten Minibus. Nach einem lauten Klingeln wurden die Jugendlichen in die Produktionshalle gelassen. Einige beschwerten sich beim Betreten, dass die Halle dunkel und zu kalt sei.
Textilindustrie: Produktion unter Zeitdruck
Unter Zeitdruck mussten sie in Kleingruppen Hosen aus Papier produzieren. Jeder aus der Gruppe übernahm dabei einen anderen Arbeitsschritt. Was in der Realität neun bis elf Stunden dauert, wurde in der Simulation auf elf Minuten verkürzt.
Es kam einem so surreal vor. Man hat zwar gearbeitet und es war diese lustige Stimmung da, aber ich kann mir nur vorstellen, wie schlimm es für die Arbeiter dort sein muss.
Nach 2 Minuten "Überstunden" haben die Jugendlichen in der Simulation an Stationen ihren Lohn abgeholt und einen Gesundheitscheck durchlaufen. Für Miete und eine Impfung wurde ihnen fiktives Geld von ihrem Lohn abgezogen. Anschließend mussten sie auf einem Markt Lebensmittel einkaufen. Was einige dort festgestellt haben: Mit dem Geld, das übrigbleibt, würden sie sich nicht genügend Essen kaufen können.
Als ich dann am Markt stand und gesehen habe, was ich mit meinem Geld noch kaufen kann, war das eigentlich gar nichts mehr.
Schul-AG aus Mannheim präsentiert faire Kleidung bei Modenschau
Die Schülerinnen und Schüler des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums Mannheim haben in einer Modenschau faire Mode präsentiert. Besonders ist, dass die Jugendlichen die Kleidung in der Fair-Trade-AG selbst designen. Per Abstimmung entscheiden die Schüler dann, welche Designs in den Druck gehen. Im "Eine-Welt-Laden" in Mannheim werden die Kleidungsstücke verkauft und die Einnahmen gespendet. Die AG-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer arbeiten dort ehrenamtlich nach der Schule. Das Ganze ist nach eigenen Angaben ein Schulprojekt zur Förderung des fairen Handels.
Wir arbeiten, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen und um ein bisschen Fairness in die Welt zu bringen.
Workshops: Alternativen zu Fast Fashion
An verschiedenen Stationen wurden den Jugendlichen nachhaltige Alternativen zu Fast Fashion gezeigt. Mit Info-Tafeln wurde zum Beispiel darüber aufgeklärt, welche Siegel vertrauenswürdig sind oder wo man in Heidelberg nachhaltig shoppen gehen kann. Bei einem Kleider-Tausch konnten die Jugendlichen gebrauchte Kleidung tauschen und sie danach bei einer Upcycling-Station bemalen und bedrucken. Das Eine-Welt-Zentrum möchte mit dem Aktionstag zum kritischen Nachdenken anregen und junge Menschen motivieren, bewusster einzukaufen und sich für ein nachhaltigeres Modesystem starkzumachen.