Ein 37-Jähriger muss sich seit Freitagmorgen vor der Wirtschaftsstrafkammer des Mannheimer Landgerichts verantworten. Ihm werden Computerbetrug und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit einem Heidelberger Corona-Testzentrum vorgeworfen.
Der Angeklagte soll die Straftaten vor viereinhalb Jahren zusammen mit einem bereits verurteilten Komplizen begangen haben. Beide Männer betrieben das Corona-Testzentrum laut Staatsanwaltschaft von August bis Oktober 2021.
Betrug mit Corona-Tests: Bewährungsstrafe komme rechtlich nicht in Frage
Beim Prozessauftakt wollte der Angeklagte keine Angaben machen. Im Vorfeld hatte es Verständigungsgespräche zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben. Die Staatsanwältin erklärte am Freitag vor Gericht, dass eine Bewährungsstrafe ihrer Einschätzung nach rechtlich nicht in Frage komme.
Corona-Tests abgerechnet, die nie durchgeführt wurden
Der Angeklagte und der verurteilte Mann sollen zahlreiche Corona-Tests mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) abgerechnet haben, die aber tatsächlich gar nicht durchgeführt wurden. Wegen Urkundenfälschung steht der Mann vor Gericht, weil er der KVBW ein "Schulungszertifikat zum Corona-Schnelltestbeauftragten" übermittelt haben soll, obwohl er laut Anklage nie an einer Schulung teilgenommen hatte. Die Kassenärztliche Vereinigung soll dem Angeklagten und seinem Komplizen unberechtigterweise fast 350.000 Euro überwiesen haben.
Festnahme am Frankfurter Flughafen
Der 37-Jährige stammt aus Mannheim und wurde dem Gericht zufolge im Juli vergangenen Jahres bei der Einreise aus Ägypten am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er saß mehr als sechs Monate in Untersuchungshaft und wurde auf Anordnung des Oberlandesgerichts (OLG) aus der Haft entlassen, weil diese zu lange gedauert hat. Sein mutmaßlicher Komplize hat den Angaben zufolge wegen Corona-Test-Betrugs bereits eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verbüßt. Rund um das Heidelberger Corona-Testzentrum gab es laut dem Landgericht Mannheim weitere Strafverfahren gegen einen Bruder und einen Onkel des angeklagten 37 Jahre alten Mannes.
Dabei war es um den Vorwurf des Betreibens anderer vermeintlicher Corona-Testcenter gegangen. Laut dem "Mannheimer Morgen" sollen in diesem Zusammenhang fünf Personen insgesamt 3,3 Millionen Euro erschlichen haben. Der Mann, der seit Freitag in Mannheim vor Gericht steht, war dem Bericht zufolge zwischenzeitlich in Ägypten untergetaucht und ist mutmaßlich der Drahtzieher der Betrügereien.