Auf dem Gelände des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) ist am Freitag eine neue Fachklinik für drogenabhängige Menschen eröffnet worden. Eigenen Angaben zufolge handelt es sich um eine der modernsten Einrichtungen dieser Art. Sie bietet Platz für rund 100 Menschen. Träger ist der baden-württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv). Der gilt mit 54 Einrichtungen als einer der größten gemeinnützigen Träger von Suchthilfe und Prävention in Baden-Württemberg.
Im Interview mit SWR Aktuell erklärt bwlv-Geschäftsführer Oliver Kaiser einige Besonderheiten der neuen Fachklinik.
SWR Aktuell: Was ist das Besondere an der Fachklinik in Wiesloch?
Oliver Kaiser: Es ist bekannt, dass im Gesundheitswesen die Mittel knapp sind. Wenn wir eine gute Versorgung und gute Behandlungsstrukturen anbieten wollen, müssen wir gucken, dass wir vorhandene Ressourcen bündeln. So machen wir es mit dem PZN in Wiesloch. Das heißt konkret: Die Betroffenen können im PZN die Entgiftung machen und direkt im Anschluss bei uns die medizinische Reha, die bis zu 24 Wochen dauert. Sie können von dort dann auch in die Nachsorge gehen, an unterschiedliche Beratungsstellen oder in Adaptionseinrichtungen. Darin sehen wir viele Vorteile.
SWR Aktuell: Gibt es solche Kooperationen schon zwischen psychiatrischen Einrichtungen und einer solchen Fachklinik?
Kaiser: Wir machen ein ähnliches Modell in Tübingen. Da arbeiten wir mit der Uniklinik und unserer medizinischen Rehabilitationseinrichtung sehr eng zusammen. Das Neue ist jetzt, dass wir uns auf einem Gelände sehr eng miteinander vernetzen können.
SWR Aktuell: Heißt das, dass diese Fachklinik nur für Menschen ist, die vorher im PZN waren?
Kaiser: Im Prinzip können Menschen aus ganz Deutschland kommen. Wir haben auch ein paar spezielle Behandlungsangebote, die es woanders so nicht gibt. Der Zugang ist der Regelzugang über eine Suchtberatungsstelle oder eine Entgiftungseinrichtung. Das kann das PZN sein. Von dort kommen sie dann zu uns in die Einrichtung. Wir gehen aber davon aus, dass ein größerer Teil der Patienten direkt aus dem PZN kommt.
SWR Aktuell: Sie bieten "moderne und fortschrittliche Behandlungsmethoden" an. Unter anderem sprechen Sie von "individualisierten Therapieplänen". Welche Angebote gibt es noch?
Kaiser: Wir haben Spezialangebote, um manchen Patienten eine Behandlung zu ermöglichen, die es woanders nicht gibt. Zum Beispiel für Menschen, die aktuell noch substituiert werden (Anmerkung der Red.: Das bedeutet: wenn süchtige Menschen kontrolliert eine Ersatz-Substanz erhalten, die Entzugserscheinungen verhindert). Die können bei uns medizinische Reha machen und werden parallel substituiert.
Dann können wir Eltern aufnehmen - in der Regel jüngere Frauen mit Kindern -, die behandelt werden können. Wir versorgen dann die Kinder parallel. Für viele gibt es nämlich ein Versorgungsproblem, weil die wegen ihrer Kinder keine Reha antreten können. Ein weiterer Punkt: Menschen mit Abhängigkeits- und psychischen Erkrankungen. Darauf werden wir uns auch spezialisieren. Da haben wir auch die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem PZN, besonders auf die Behandlung einzugehen.
SWR Aktuell: Wann startet der Betrieb der neuen Fachklinik?
Kaiser: Am 1. Oktober beginnen die Mitarbeiter mit einem Einarbeitungsprogramm. Am 20. Oktober kommen dann die Patienten in die Klinik.
SWR Aktuell: Es heißt, sie spezialisieren sich auf jüngere Menschen zwischen 18 und 35 Jahren. Warum?
Oliver Kaiser: Wir wollen uns ein bisschen auf die Jüngeren spezialisieren, weil wir feststellen, dass mit der wachsenden Verbreitung von synthetischen Opioiden auch die Patienten jünger werden (Anmerkung der Red.: zur Gruppe der synthetischen Opioide gehören medizinische Schmerzmittel wie Fentanyl und Methadon sowie illegale Designerdrogen). Dafür wollen wir ein spezielles Angebot machen. Schwerpunktmäßig werden es sicher unter 30-Jährige sein. Aber es gibt keine Beschränkungen nach oben.