Eine Bande soll mit professionell gestalteten Internet-Plattformen eine Millionensumme erbeutet haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe spricht von mehr als zwölf Millionen Euro, die über die Konten der Bande geflossen sein sollen. Jetzt hat sie Anklage gegen ein mutmaßliches Mitglied der Bande erhoben. Der 61-jährigen Frau aus Schweden sei nachzuweisen, dass sie mehrere Konten der Bande verwaltet hatte. Auf diese Konten sollen 24 Menschen aus Deutschland knapp 1,2 Millionen Euro für angebliche Finanzprodukte eingezahlt haben. Darunter sind fünf Betroffene aus Baden-Württemberg. Sie stammen aus dem Rhein-Neckar-Kreis, aus Bretten (Kreis Karlsruhe), aus Tübingen, dem Landkreis Reutlingen und dem Ostalbkreis. Das Landgericht Mannheim muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt.
Bande betrieb Internetplattformen für Online-Trading
Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe geht davon aus, dass die Bande mindestens seit 2018 betrügerische Online-Trading-Plattformen betrieben hat. Über diese konnten Anleger in Finanzprodukte und Derivate investieren. Die Plattformen wurden unter anderem in sozialen Medien beworben. Wer sich registrierte, wurde dann von angeblichen Finanzberatern kontaktiert. Diese versprachen den Anlegern hohe Gewinne. Das Geld wurde aber nicht wie versprochen investiert. Um das zu verschleiern, simulierte die Bande einen fiktiven Handel und zeigte vermeintliche Gewinne in den Nutzerkonten der Opfer an. Es habe aber nie Auszahlungen an diese gegeben, so die Anklage.
Betrug mit Online-Anlage: Weltweit Hunderte Opfer
Das Cybercrime-Zentrum der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe geht davon aus, dass weltweit Hunderte von Menschen Opfer des Betrugs wurden. Ein Sprecher sprach von einer mittleren dreistelligen Zahl an Betroffenen. Über die Konten der Bande seien mehr als zwölf Millionen Euro geflossen, insgesamt rund 2,7 Millionen davon aus Deutschland. Der jetzt angeklagten Frau seien davon aber nur knapp 1,2 Millionen Euro nachzuweisen gewesen, so die Generalstaatsanwaltschaft.
Frau soll Konten für Bande verwaltet haben
Die angeklagte Frau aus Schweden soll Teil dieser Bande gewesen sein. Sie soll von 2021 bis 2023 als formelle Geschäftsführerin aufgetreten sein. Ihr habe nachgewiesen werden können, dass sie die Konten eröffnet und verwaltet hat. Außerdem soll sie die Zugangsdaten an weitere Bandenmitglieder weitergegeben haben. Die Frau soll dafür insgesamt rund 100.000 Euro bekommen haben. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihr deswegen Beihilfe zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor.
Frau in Schweden festgenommen
Die 61-Jährige sei nach akribischen Ermittlungen durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg identifiziert worden. Im Februar nahm die Polizei sie fest. Sie wurde Mitte März von Schweden nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wurde der mutmaßliche Kopf der Bande bereits im November 2023 in Australien festgenommen.