Vor 20 Jahren haben die damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen einen Staatsvertrag über eine regionale Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg unterzeichnet. Das war die Geburtsstunde der Metropolregion Rhein-Neckar. Ihr Ziel ist es, die Region durch Kooperation auf unterschiedlichsten Gebieten zu stärken und erfolgreich zu machen. Mit einem Festakt im Rosengarten wurde am Dienstag das 20-jährige Bestehen gefeiert - unter anderem mit den aktuellen Ministerpräsidenten von Hessen und Baden-Württemberg, Boris Rhein (CDU) und Winfried Kretschmann (Grüne). Der stellvertretende rheinland-pfälzische Ministerpräsident Michael Ebling (SPD) hat den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD) vertreten. Schweitzer hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.
In Zukunft im Kreis der bedeutendsten Regionen in Europa
Beim dem Festakt hob der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann die Bedeutung der länderübergreifenden Zusammenarbeit hervor. Und schaute auch nach vorne: Wenn die Anstrengungen so weiter gingen wie bisher, werde die Metropolregion Rhein-Neckar irgendwann zu den bedeutendsten Regionen Europas gehören.
Der Grundgedanke der Metropolregion Rhein-Neckar: Gemeinsam sind wir stärker
Das Besondere an der Idee der Metropolregion Rhein-Neckar - kurz MRN - ist die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Auf diese Weise will man einen Lebens- und Wirtschaftsraum stärken, in dem nach eigenen Angaben mehr als 2,4 Millionen Menschen leben und rund 160.000 Unternehmen angesiedelt sind. Es ist der Raum zwischen Pfalz und Odenwald, Bergstraße und Kraichgau. Und es geht um Kooperation in allen Bereichen: Wirtschaft und Verkehr, Bildung und Wissenschaft, Gesundheit, Verwaltung und Kultur. Das Ziel sei, international wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben und den Menschen eine hohe Lebensqualität zu garantieren.
Erfolgsgeschichten: Vom Schlaganfall-Notfallwagen bis zum Freiwilligentag "Wir schaffen was"
Eine zentrale Aufgabe der MRN ist Vernetzungsarbeit. Eine Erfolgsgeschichte habe man beispielsweise in der medizinischen Notfallversorgung geschrieben: durch ein Einsatzfahrzeug mit eingebautem Computertomographen, das speziell bei Schlaganfällen eingesetzt werden kann. Die sogenannte Stroke-Unit kann in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar eingesetzt werden. Dadurch - so sagte Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht bei der Einweihung im vergangenen Herbst - würden die Unterschiede zwischen Stadt und Land aufgehoben. Die MRN war wesentlich daran beteiligt, dass die Entwicklung dieses Einsatzfahrzeuges auf den Weg gebracht wurde.
Ein anderes Beispiel ist der Freiwilligentag "Wir schaffen was". Mit 6.000 bis 8.000 Teilnehmenden handelt es sich nach eigenen Angaben um den bundesweit größten Aktionstag für Ehrenamtliche. Er wird seit 2008 alle zwei Jahre durchgeführt. Zahlreiche Projekte könnten dadurch realisiert werden - vom Klassenzimmer-Streichen bis zum Kontrollieren von Radwegen.
Daneben hat die Metropolregion beispielsweise auch noch einen einheitlichen Handwerker-Parkausweis eingeführt, mit Wasserstoff betriebener Busse eingesetzt, sich für die Mannheimer Bundesgartenschau eingesetzt oder für die Vernetzung der Museen, Schlösser und Kulturfestivals.
Was verbinden die Menschen mit der Metropolregion Rhein-Neckar? Wir haben uns in Mannheim umgehört:
Zentrale Aufgaben: Von der Regionalplanung bis zur Digitalisierungsstrategie
Die Metropolregion Rhein-Neckar besteht aus drei unterschiedlichen Säulen. Erstens aus dem Verband Region Rhein-Neckar (VRRN), einem rund 100-köpfigen Gremium, das demokratisch legitimiert ist von den Kreisen und Kommunen. In seiner Verantwortung liegen beispielsweise Themen wie die Ausweisung von Windkraftstandorten oder das Tourismus-Marketing. Der Verband wird durch eine Umlage von den Kommunen und Kreisen finanziert.
Die zweite Säule ist der Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar (ZMRN e.V.). Er soll beim Aufbau einer Metropolregion-Identität helfen durch Projekte beispielweise in den Bereichen Sport, Kultur, bürgerschaftliches Engagement oder Umweltschutz. Der Verein wird über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.
Die dritte Säule ist die Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Gesellschafter sind neben dem VRRN und dem ZMRN die Industrie- und Handelskammern der Region. Sie kümmert sich um Themen wie Digitalisierung, Energie- und Mobilitätskonzepte oder Arbeitsmarktstrategien. Ein großer Teil des Gesamtbudgets ergibt sich nach eigenen Angaben aus projektbezogenen Fördermitteln von EU, Bund und Ländern. Die Metropolregion hilft nicht zuletzt bei der Vermittlung dieser Fördergelder.
Landrat Dallinger sieht gute Zukunftsperspektiven
Auch in Zukunft sei die Metropolregion Rhein-Neckar gut aufgestellt, sagte der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Stefan Dallinger (CDU). Unter anderem erwarte er die Schaffung neuer Arbeitsplätze und damit weniger Arbeitslose in der Region.