Rechtsextreme Gruppen versuchen nach Einschätzung des Landesamts für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg auf den Fitness-Trend aufzuspringen und so neue Anhänger zu rekrutieren. Mit Boxen und Kampfsport würden gezielt junge Männer zwischen 16 und 30 Jahren angesprochen, um sie für rechte Organisationen zu gewinnen, sagte ein Behördensprecher dem SWR.
Verfassungsschutz: Rechtsextremisten rekrutieren übers Boxen
Die Trainingseinheiten würden über soziale Medien beworben und in Fitnessstudios oder Grünanlagen abgehalten. Zunächst geht es den Angaben nach nur um Boxen, Kickboxen oder Gewichte stemmen. Dann komme die politische Botschaft, verknüpft mit Männlichkeitsidealen. Ähnlich wie Musikveranstaltungen sind gemeinsame Kampfsport-Trainings Teil der rechten Erlebniskultur, beobachten die Verfassungsschützer.
"Der 3. Weg" und "Identitäre Bewegung" fallen mit Kampfsport-Trainings auf
Aktuell fallen laut dem Landesamt für Verfassungsschutz die neonazistische Partei "Der 3. Weg" und die "Identitäre Bewegung" mit solchen Aktivitäten auf. Auch die frühere AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" habe Kampfsportseminare angeboten, so der Behördensprecher weiter. Weil gleichzeitig in der linken Szene die Gewaltbereitschaft zunehme, schaukle sich dies gegenseitig hoch. Die "Junge Alternative" hat sich 2025 aufgelöst. Seit Juni 2026 gibt es den Nachfolge-Landesverband "Generation Deutschland BW".
Die Zahl der Rechtsextremisten hat im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg mit knapp 3.800 einen neuen Höchststand erreicht. Rechtsextremistische Gewalttaten haben sich von 54 auf 97 fast verdoppelt, was vor allem auf einen Anstieg von Körperverletzungen zurückzuführen ist.