"Eine demokratische Gesellschaft braucht mündige Bürger, keine frühzeitige Gewöhnung an militärische Denkmuster", schreibt ein User auf Instagram unter dem Beitrag über ein Feriencamp in Kellmünz im Kreis Neu-Ulm. Das Besondere: Das Ferienlager wird von Freiwilligen der Bundeswehr veranstaltet, die Soldatinnen und Soldaten sind in Uniform.
In einer Antwort auf obigen Kommentar schreibt ein User, in den 80er-Jahren sei das deutsche Militär noch ein präsenter Teil der Gesellschaft gewesen, und "die Bundeswehr hat mir in meiner Kindheit überhaupt nicht geschadet. Gehorsam und starre Strukturen sind nicht schlecht, weil sie sehr schnell zum Ziel führen. Unseren Kindern fehlt sowas heute."
Mehrere Demonstrationen in Kellmünz Zwischen Hüpfburg und Tarnnetz: Kritik an Kinderferienprogramm der Bundeswehr
Jährlich kommen Ulmer Bundeswehrsoldaten nach Kellmünz und organisieren dort eine Kinderferienfreizeit. Friedensaktivisten sehen das kritisch - gerade angesichts aktueller Ereignisse.
Beginn der Debatte: Plakat in Tarnfarben - Bürgermeister reagierte
Vorausgegangen war Kritik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft an der Freizeit: Es handele sich um eine "Kinderfreizeit im Flecktarn", hieß es Anfang Juli in einer Stellungnahme. Der Bürgermeister von Kellmünz, Michael Obst (CSU), hatte darauf reagiert und ein Plakat zur Freizeit in Tarnfarben geändert. "Wir haben dieses Plakat aus Rücksicht auf die Debatte geändert - nicht weil wir einen Fehler erkennen, sondern weil wir die Diskussion versachlichen wollen", schrieb er dazu im Mitte Juli veröffentlichten Mitteilungsblatt der Gemeinde.
Doch inzwischen hat das Thema eine bundesweite Debatte angestoßen. Zeigt ein solches Angebot die Bundeswehr als Teil der Gesellschaft, die vor Ort Teil einer Gemeinde ist? Oder handelt es sich bei einem solchen Feriencamp für Sechs- bis Zwölfjährige um eine frühe Heranführung ans Militär?
So hatten wir am 13.08.2025 über die Kritik am Bundeswehr-Ferienlager berichtet:
Differenziertes Bild in den Instagram-Kommentaren zur Rolle der Bundeswehr
Viele Userinnen und User äußern die Hoffnung, dass durch ein solches Angebot die Bundeswehr als Teil der Gesellschaft präsenter werde und ein realistischeres Bild der deutschen Armee entstehe. "Tatsächlich ist so ein bisschen Realität vielleicht ganz hilfreich. Nimmt ein bisschen das Geheimnisvolle und Unbekannte", schreibt eine Userin. Eine andere Userin stimmt dem zu, im Alltag kämen die meisten zu selten mit Soldatinnen und Soldaten in Kontakt. Sie schreibt weiter: "Ich finde, solche Aktionen schaffen wenigstens mal Sichtbarkeit; die Soldat:innen werden so mal als MENSCHEN wahrgenommen. Und das schafft vor allem Wertschätzung, die unsere Soldat:innen genauso verdienen wie alle anderen, die uns Zivilist:innen mit ihrem Leben schützen."
Auf der anderen Seite äußern Leserinnen und Leser die Sorge, dass Krieg und Gefahr verharmlost werden könnten: "Militärische Strukturen vermitteln dagegen Gehorsam, starre Hierarchien und machen den Umgang mit Waffen scheinbar selbstverständlich. Ferienprogramme der Bundeswehr zeigen ein einseitiges, spielerisches Bild des Soldatenberufs und lassen die Härten und Gefahren außen vor", schreibt ein User dazu.
Dieser User teilt diese Sorge: "Ich selbst bin Afghanistanveteran (2007-2011) aber dennoch der Meinung, dass wir aufhören sollten, die Bundeswehr an Schulen, Gamingmessen und hier Sommerfreizeiten bei weit minderjährigen Kindern zu bewerben." Deutschland neige dazu, das Militär, Soldatentum und den Beruf des Soldaten zu romantisieren. Daher plädiert er dafür, junge Erwachsene umfangreich über das Militär und den Beruf des Soldaten aufzuklären, damit sie mündige Entscheidungen treffen könnten.
Andere mahnen an, dass die Geschichte vergangener Kriege oder der DDR-Propaganda in dem Zusammenhang mit erzählt gehörten.
Familien treffen Entscheidung für oder gegen ein Ferienangebot
Ein anderer Teil der Kommentare betont die Freiwilligkeit des Programms. Ein Diskussionsbeitrag fasst es so zusammen: "Es ist ja die freie Entscheidung ob man sein Kind anmeldet oder nicht. So lange man die Wahl hat und es auch andere Ferienangebote für Kinder in der Gegend gibt, verstehe ich das Problem tatsächlich nicht wirklich." Viele Diskutierende vertreten die Position, dass es letzten Endes die Entscheidung der Eltern sei, zu welchem Ferienprogramm sie ihr Kind anmelden.