Strom für 3.000 Haushalte

Umstrittener Standort: Hornisgrinde bekommt zweites Windrad

Zehn Jahre lang wurde diskutiert: um Funkstrecken, Naturschutzgebiet und einen vielbegangenen Wanderweg. Jetzt wird ein zweites Windrad auf der Hornisgrinde gebaut.

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Von Autor/in Susann Bühler

Nach rund zehn Jahren Planungszeit und vielen Hindernissen und Rückschlägen nimmt das Bauprojekt für ein zweites Windrad auf dem Hornisgrinde-Gipfel jetzt Form an. Am Freitag wurde der Grundstein für den Bau des zweiten Windrads gelegt.

Hornisgrinde: Standort mit besonders viel Wind

Die Anlage ist ein Partnerprojekt: Bauherrin ist die Windstrom Schwarzwaldhochstraße GmbH, der neben dem E-Werk Mittelbaden Windkraft-Mitbetreiber und Initiator Matthias Griebl als Gesellschafter angehören. Griebl hatte bereits 2015 ein erstes Windrad auf der Hornisgrinde gebaut.

Die neue Anlage wird das bereits bestehende Windrad um 60 Meter überragen und soll Strom für rund 3.000 Haushalte erzeugen. Mit elf Millionen Kilowattstunden Strom ist das neue Windrad deutlich leistungsfähiger als das bisherige Windrad mit sechs Millionen Kilowattstunden Stromerzeugung. Die Hornisgrinde ist einer der windreichsten Standorte in Baden-Württemberg überhaupt.

Hornisgrinde bekommt ein zweites Windrad
Am Freitag wurde auf der Hornisgrinde der Grundstein für ein zweites Windrad gelegt.

Zweites Windrad mit vielen Hürden

In den Jahren 2017-2020 drohte das Projekt für das zweite Windrad fast zu kippen: Große Widerstände gab es nicht nur vom Nationalpark Schwarzwald, sondern auch vom Regierungspräsidium Freiburg, das "ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für Brut-, Zug- und Rastvögel und Fledermäuse (...) durch die geplante Windkraftanlage" feststellte. Darüber hinaus seien große Störungen des empfindlichen Auerhuhn-Bestands zu befürchten, so die Behörde, was "zum Ausschluss einer Windkraftanlage führt", so argumentierte damals die Umweltabteilung des Regierungspräsidiums Freiburg in einem Schreiben an Projekt-Initiator Matthias Griebl.

Die Hornisgrinde ist damit auch ein Paradebeispiel dafür, wie komplex der Ausbau der Windenergie sein kann: Die Projektbetreiber mussten umfangreiche Artenschutzgutachten erstellen lassen und Ausgleichsmaßnahmen erarbeiten, um für das streng geschützte Auerhuhn, das im Biberkessel unterhalb der Hornisgrinde lebt, neue Lebensräume zu schaffen. Abstimmungsbedarf gab es auch wegen möglicher Kollisionen von Sende- und Richtfunkstrecken, unter anderem mit dem SWR, der auf der Hornisgrinde einen Sendeturm betreibt. Hier konnte jedoch rechtzeitig eine Einigung erzielt werden.

Wir sprechen da über ein Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 130 Millionen Euro. Wir investieren in die Energiezukunft in der Region.

Umweltministerium befürwortet ein zweites Windrad

Die "Task Force Erneuerbare Energien" Baden-Württemberg habe die Planungs- und Genehmigungszeiten für Windenergieanlagen mehr als halbiert - so das Umweltministerium auf SWR-Anfrage. Im Jahr 2025 dauern die Genehmigungszeiten einer Anlage ab Antrag danach nur noch rund 13 Monate - hier liegt der Bundesschnitt bei rund 17 Monaten. Das Umweltministerium stellt sich klar hinter den Bau des zweiten Windrads auf dem Hornisgrinde-Gipfel: "Die zweite Windkraftanlage auf der Hornisgrinde trägt wesentlich zu einer nachhaltigen, unabhängigen und verlässlichen Energieversorgung der Menschen vor Ort bei."

Ministerin Thekla Walker bei der Grundsteinlegung zum zweiten Windrad auf der Hornisgrinde.
Ministerin Thekla Walker bei der Grundsteinlegung zum zweiten Windrad auf der Hornisgrinde.

"Langer und schwieriger Weg bis hierher"

Ein Teil der Fundamente ist bereits im Boden, im kommenden Jahr ab Juli soll der Aufbau des Turms mit Rotoranlage erfolgen. Ende des Jahres soll das neue Windrad dann in Betrieb gehen. Bei der Grundsteinlegung am Donnerstag war auch Politprominenz vertreten: Ministerin Thekla Walker sowie zahlreiche Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden und Vertreter des Landratsamts Ortenaukreis waren angereist. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Achern, die sich in Arbeiten mit dem Thema regenerative Energien beschäftigt hatten, befüllten eine Zeitkapsel mit ihren Arbeiten, die ins Fundament einbetoniert wurde.

Mir fällt ein Stein vom Herzen, ich bin sehr erleichtert.

Mit-Initiator und Co-Betreiber Matthias Griebl aus Achern sei erleichtert, dass die Idee einer zweiten Windkraftanlage am Ende eines langen Weges doch Wirklichkeit werde. "Es war ein langer und schwieriger Weg bis hierher. Viele Hindernisse waren zu überwinden", so Griebl, "allen voran die Artenschutz- und naturschutzrechtlichen Belange rund um das Thema Auerhuhn."

Windkraftausbau: politisches Ziel in Baden-Württemberg

Erst nach und nach setzte im Zuge der Energiewende ein Bewusstseinswandel ein. Der erklärte politische Wille der grün-schwarzen Landesregierung war es, den Windkraftausbau in Baden-Württemberg voranzutreiben. Als der damalige Ministerpräsident Winfried Kretschmann der Hornisgrinde im Jahr 2023 ganz offiziell einen Besuch abstattete, sprach er sich klar für ein zweites Windrad auf der Hornisgrinde aus.

Auch heute hat der Windkraftausbau für die Landesregierung höchste Priorität. Die Realität hinkt den selbstgesteckten Zielen jedoch weiter hinterher. Mit 36 neuen Windkraftanlagen im Jahr 2025 liegt Baden-Württemberg beim Ausbau aktuell auf dem 7. Platz, vor Hessen und Bayern. Insgesamt sind heute landesweit 857 Windkraftanlagen in Betrieb, weitere 1.480 Anlagen sind bereits genehmigt, aber noch nicht in Betrieb. Dennoch hält das Umweltministerium "die Ziele für erreichbar".

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Susann Bühler
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