Der Schulleiter der Vincenti-Grundschule in Baden-Baden, Alexander Ziola, sieht bei der Integration von ukrainischen Schülern noch große Herausforderungen. Die größte Hürde sei das Erlernen der deutschen Sprache. Für Lehrer sei es kaum möglich, ausreichend auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.
Schülerzahl seit Kriegsbeginn in der Ukraine gestiegen
Die Vincenti-Grundschule hat seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine vor drei Jahren besonders viele Kinder aufgenommen, die mit ihren Eltern oder Verwandten nach Deutschland geflüchtet sind. Die Zahl der Schüler stieg von 160 auf etwa 220. Derzeit kommt jeder vierte Schüler aus der Ukraine.
Je höher der Anteil ist, desto länger dauert die Integration.
Schulleiter in Baden-Baden: Lehrkräfte kommen an ihre Grenzen
Nach zwei Jahren in Vorbereitungsklassen wechseln ukrainische Kinder automatisch in reguläre Klassen. Viele von ihnen würden dann aber noch längst nicht so gut Deutsch sprechen, dass sie dem Unterricht ohne Probleme folgen können, so Schulleiter Ziola.
Als Lehrer könne man die Lernangebote zwar etwas anpassen, man komme aber manchmal an die Grenze dessen, was leistbar sei.
Ukrainische Schüler als Klassenbeste in der Vincenti-Grundschule
Auch Lehrerin Karin Soukup kennt die Probleme, auch wenn sie sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat. Sie habe inzwischen auch ukrainische Schüler, die zu den Klassenbesten im Deutschunterricht gehören. Andere Kinder würden dagegen bei der Sprachentwicklung fast stehen bleiben. Für die Lehrerin kein gutes Gefühl: Sie wisse genau, was jedes Kind bräuchte, aber sie schaffe es einfach nicht, allen gerecht zu werden.
Das tut den Lehrern nicht gut, aber auch die Kinder leiden darunter.
Tandem-Unterricht gegen Sprachprobleme
Bei Grundschulen gilt das Prinzip des Wohnortes: Dort wo Kinder wohnen, gehen sie zur Schule, auch Geflüchtete. Schulleiter Ziola fordert, dass Schulen, die mehr ukrainische Kinder zugeteilt bekommen, auch mehr Lehrerstellen zugesprochen bekommen. Dann könnten Lehrer zum Beispiel zu zweit unterrichten und als Tandem auch stärker auf Schüler mit Sprachschwierigkeiten eingehen.
Integration der ukrainischen Schüler als Chance
Gelinge die Integration der ukrainischen Schüler, profitierten die Schulen und auch alle Schüler davon, sagt Alexander Ziola: "Es ist eine Chance, andere Kulturkreise kennen zu lernen und Akzeptanz für einander zu entwickeln."