Nach dem Einsturz des Rastatter Tunnels war die Rheintalstrecke für mehrere Wochen gesperrt. Rund neun Jahre später sind die Bahnstrecke und der Tunnel fast fertiggestellt. Derzeit finden sogenannte Messfahrten statt. Läuft dabei alles glatt, soll die neue Bahnstrecke ab dem 13. Dezember in Betrieb genommen werden.
Tunnel Rastatt: Bauarbeiten sorgten für Einsturz
Am 12. August 2017 war die Oströhre des Rastatter Tunnels bei Bauarbeiten eingestürzt. Der gerade erst gebohrte Tunnelabschnitt mit darüber verlaufenden Schienen war abgesackt. Wie genau es zu dem Unfall kam, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Nachdem die abgesackten Gleise entdeckt wurden, wurde der Bahnverkehr eingestellt.
Bei dem Tunnelsturz wurde auch eine rund 90 Meter lange Tunnelbohrmaschine verschüttet. Die Maschine wurde daraufhin aus statischen Gründen in Beton gegossen und im Boden belassen. Gut sieben Jahre nach dem Einsturz konnte sie geborgen werden.
Erste Testfahrten laufen: Tunnel Rastatt
Nach Fertigstellung des neuen Tunnels und des Streckenabschnitts unternimmt die "DB Systemtechnik" zwei Wochen lang Testfahrten auf der Strecke. Mit einem speziellen Messzug wird überprüft, wie das Fahrzeug auf die Infrastruktur reagiert, erzählt Julian Althoff, Projektleiter für Messfahrten.
SWR-Reporter Patrick Neumann war bei einer der Messfahrten dabei:
Bei den Messfahrten werden verschiedene Parameter gemessen. Zum Beispiel werde die dynamische Interaktion zwischen Oberleitung und Fahrzeug überprüft, aber auch der Rad-Schiene-Kontakt. Das betreffe die Entgleisungssicherheit und Fahrdynamik auf dem neuen Gleis.
Angefangen habe man zu Beginn der Woche mit einer Geschwindigkeit von 160 km/h. Nach langsamem Steigern brachte der Messzug nun 250 km/h auf den Tacho. Am Ende der Messfahrten werde man sogar mit 10 Prozent über der Streckenhöchstgeschwindigkeit, also 275 km/h, fahren, weiß Althoff. Bisher seien alle Fahrten erfolgreich verlaufen. Werden bis zum Ende der Testfahrten keine Unregelmäßigkeiten festgestellt, wird die Strecke durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) freigegeben.
Bevor der Tunnel Rastatt und die Bahnstrecke im Dezember befahren werden, gibt es laut Informationen der Bahn noch einige Restarbeiten sowie eine größere Übung mit Rettungskräften.
Milliardenschaden und lange Vollsperrung der Rheintalbahn
Nach dem Tunnelsturz stand die wichtigste Güterverkehrsverbindung zwischen den Nordseehäfen und Italien, die auch stark vom Fernverkehr genutzt wird, rund sieben Wochen still. Die Rheintalbahn ist Teil des europäischen Korridors von Rotterdam über Köln, Karlsruhe und Basel nach Genua. Damit ist sie eine zentrale Strecke für den Güter- und Personenverkehr.
Neun Jahre nach der Havarie Millionenschaden und kein Verantwortlicher - Wer zahlt für den Tunnel Rastatt?
Im August 2017 stürzte der Tunnel Rastatt bei Bauarbeiten ein. Die Folge war ein Millionenschaden. Doch bis heute ist unklar, wer für den Schaden aufkommt.
Ursprünglich sollte der Tunnelbau rund 700 Millionen Euro kosten. Durch den Einsturz und seine Folgen hat sich der Betrag vervielfacht. Fachleute sprechen von einer Milliardensumme.