Maxi Schilling hat ihren eigentlichen Arbeitstag längst hinter sich. An diesem Sommerabend hilft sie trotzdem noch im Ankergarten mit: Sie schiebt Flammkuchen in den Ofen, unterstützt bei der Bewirtung und sorgt gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen dafür, dass der Biergarten läuft.
Mit Ehrenamt wird der Ankergarten wieder zum Treffpunkt
Als die frühere Gaststätte Ende 2025 betriebsbedingt schließen musste, wollten viele Menschen den Treffpunkt in Dillweißenstein nicht verlieren. Der Goldene Anker ist ein denkmalgeschütztes, mehr als 300 Jahre altes Flößerherrenhaus und das letzte erhaltene seiner Art auf Pforzheimer Gemarkung.
Ich engagiere mich für Pforzheim. Ich wohne hier und es hat ja auch Vorteile für mich, wenn es hier einen schönen neuen Ort gibt, an dem sich Menschen wohlfühlen.
Auch Ute Hötzer kennt den Goldenen Anker seit vielen Jahren. Die heutige Beirätin des Vereins hat das Lokal früher selbst mitbetrieben. Für sie war klar: Der Ort sollte nach der Schließung nicht einfach aufgegeben werden. Aus der bestehenden Kulturinitiative heraus gründeten die Engagierten einen Verein und öffneten den Ankergarten im Sommer wieder.
Seither wechseln sich mehr als 50 Ehrenamtliche mit den Diensten ab. Sie schenken Getränke aus, bereiten Speisen vor, putzen, räumen auf und organisieren Veranstaltungen. An diesem Abend steht auch Sibylle Schüssler hinter dem Ausschank. Nach ihrem Berufsleben nimmt sie sich heute Zeit fürs Ehrenamt. Besonders gefällt ihr, dass im Ankergarten Menschen unterschiedlichen Alters zusammenkommen.
Biergarten ist ein Treffpunkt für den Stadtteil
Renate Thon wohnt seit sieben Jahren im Gebäude und kennt noch die frühere Gaststätte. Die leeren Räume nach der Schließung zu sehen, sei für sie traurig gewesen. Heute geht sie wieder gerne hinunter in den Biergarten, trifft Freunde und kommt auch mit Menschen ins Gespräch, die sie vorher nicht kannte.
Es ist echt ein Stückchen Heimat für mich.
Auch Iris Schaefer schätzt dieses unkomplizierte Miteinander. Man müsse sich eigentlich gar nicht verabreden, sagt sie. Meist sei ohnehin jemand da, zu dem man sich dazusetzen könne. Ihre Tochter Julia Schaefer, die ebenfalls im Gebäude gewohnt hat, beschreibt den Besuch als "so ein bisschen wie nach Hause kommen".
Mit Kultur und Musik neue Gäste erreichen
Pubquiz, Karaoke, Ausstellungen, Livemusik und DJ-Abende sollen unterschiedliche Menschen in den Garten bringen. Wer möchte, darf nach dem Vorbild bayerischer Biergärten auch sein eigenes Essen mitbringen.
Vorständin Isabella Heilig setzt darauf, dass die Menschen den Ort selbst mitgestalten und eigene Ideen einbringen. Auch jüngere Gäste möchte der Verein stärker erreichen. Mit der "Summer Sunset Session", DJs und Kooperationen schafft er dafür neue Anknüpfungspunkte. Julia Schaefer sieht noch Potenzial: Viele Jüngere hätten den Ankergarten bislang nicht auf dem Schirm.
Nach dem Sommer beginnt die nächste Herausforderung
Der sommerliche Biergarten trägt sich nach Angaben des Vereins inzwischen selbst. Für Herbst und Winter sind aber noch Fragen offen - etwa zur Nutzung der Innenräume, zur Ausstattung und zu den laufenden Kosten.
Denkbar sind Veranstaltungen im Gebäude, aber auch Angebote draußen im Garten. Wie genau der Betrieb in der kalten Jahreszeit aussieht, steht noch nicht fest.
An diesem Sommerabend sind die Tische jedenfalls gut besetzt, am Ausschank werden Getränke ausgegeben und am Ofen gehen die nächsten Flammkuchen raus. Für Maxi Schilling sind es solche Abende, an denen sie merkt: Der Aufwand lohnt sich für alle.