"Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten", schallen die Worte von Roman Häuser über das Naturschutzgebiet im Karlsruher Stadtteil Knielingen. Der Fachberater für Obstbau der Stadt Karlsruhe bietet einen Baum an - beziehungsweise das, was auf dem Baum hängt. In Knielingen sind das größtenteils Äpfel. Aber auch Birnen und Zwetschgen reihen sich hin und wieder ein. Und dann wären da noch die Quitten. Diese sind laut Häuser besonders begehrt.
Versteigerung in Knielingen: Bürger können Ernterecht erwerben
An einem Sammelpunkt geht es los: Dort macht Roman Häuser die Einweisung. Alle Teilnehmer bekommen eine eigene Nummer, das soll die Privatsphäre der Bieter schützen. Gemeinsam setzt sich der Trupp in Bewegung und klappert Wiese für Wiese, Baum für Baum nacheinander ab.
"Einstiegsgebot zwei Euro, die sind auch sicherlich lecker", so leitet Roman Häuser das Gebot für den ersten Apfelbaum ein. In diesem Fall sichert sich eine Dame umgehend das Ernterecht für dieses Jahr. So läuft es aber nicht immer ab. In vielen Fällen bieten gleich zwei oder mehrere Personen mit und der Preis steigert sich. Über zehn Euro liegt das Gebot selten.
Meist wird eher ein symbolischer Preis angesetzt von zwei oder drei Euro. Bei besonders ertragreichen Bäumen kann sich die Summe aber auch deutlich steigern. Eine Ausnahme bilden die Quitten. Dort kann der Preis auch mal bei bis zu 30 Euro pro Baum liegen.
Ernterecht für Bäume erworben: Wie geht es weiter?
Häufig werden keine einzelnen Bäume zur Selbsternte verpachtet, sondern ganze Reihen. Hat sich ein Bieter oder eine Bieterin nun das Ernterecht gesichert, kommt die wirkliche Arbeit: Der Behang der Bäume muss gesichtet werden.
Dazu kommt eine echte Krux: Das Gebiet in Knielingen steht unter Naturschutz. Für die Käuferinnen oder Käufer heißt das: kein Auto innerhalb der ausgeschriebenen Flächen. "Das macht die Arbeit mühsamer", sagt ein Bieter. Er müsse eine Schubkarre eingesetzt werden. Mit der richtigen Bereifung sei es allerdings gut machbar.
Der Bieter erklärt weiter, dass er ausschließlich Saft aus seinen erworbenen Äpfeln für den Eigenbedarf mache. Andere wiederum sehen die Obsternte fast schon mit einem pädagogischen Ansatz. "Wir gehen immer mit unseren Kindern zum Ernten, sie sollen lernen, woher das Obst kommt", erzählt eine Frau. "Das machen wir seit vielen Jahren so."
Obstbäume in Knielingen: Viele Bäume sind tot
Bei der Auktion zeichnet sich ein gemischtes Bild ab: Wer prächtig behangene Bäume in Reihe erwartet, könnte enttäuscht werden. Viele Bäume tragen kaum oder gar keine Früchte, andere wiederum sind brechend voll. Darüber hinaus gibt es aber auch viele abgestorbene Bäume.
Ein Grund dafür: Das Hochwasser im vergangenen Jahr in Karlsruhe hat vielen Bäumen stark zugesetzt. "Das Wasser lief nicht ab, es kam zu Staunässe", erklärt Roman Häuser. Zu allem Übel kam dann noch eine längere Trockenperiode - viele Bäume überlebten das nicht. Aber auch sie erfüllten ihren Zweck im Ökosystem, erzählt Feldhüter Robert Cieslik.
"Wir benutzen die Bäume als natürliche Unterschlüpfe für Tiere wie den Wiedehopf oder den Steinkauz", so der Feldhüter. Viele der Bäume seien aus den 1950er-Jahren. "Die haben einfach ihre Zeit erreicht", ergänzt Robert Cieslik.
Obstbaumversteigerung in Karlsruhe: Tradition seit 40 Jahren
Aber auch die abgestorbenen Bäume gehörten zur Kulturlandschaft, so Feldhüter Cieslik. Wichtig sei, dass die Leute lernten, wo das Obst herkomme.
Wir machen die Versteigerung aus der Tradition heraus. Wir wollen zeigen, dass das Obst auf dem Baum und nicht im Ladenregal wächst.
Die Leute sollen sich mit heimischem Obst eindecken können. "Wenn wir das hier nicht mehr machen, geht das Bewusstsein für das Obst und die Herkunft vielleicht verloren", befürchtet Robert Cieslik. Seit rund 40 Jahren gibt es die Versteigerungen und auch im nächsten Jahr heißt es in den Karlsruher Stadtteilen Knielingen und Daxlanden dann wieder: zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.