Damit hatte er nun gar nicht gerechnet: Mit seinem Listenplatz 6 auf der Landesliste der Partei Die Linke hätte sich der Karlsruher Forstwirt Marcel Bauer nie träumen lassen, dass er einmal nach Berlin fährt. Auf einmal ist er Abgeordneter und zieht in den Bundestag ein. Der 32-jährige Familienvater muss sein Leben jetzt komplett neu organisieren, erzählt er in einem SWR Interview.
Diese Abgeordneten aus der Region ziehen mit Marcel Bauer noch in den Bundestag ein:
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Marcel Bauer, die Linke, Markenzeichen: Baskenmütze
Marcel Bauer ist ein junger Mann mit einem dunkelbraunen Vollbart. Er trägt eine schwarze Baskenmütze – Linksausleger. Früher hat er sie gerade nach vorne getragen. Aber vielleicht ist das ja das neue Markenzeichen des linken Karlsruher Abgeordneten.
Freundlich ist er und bestimmt. Und wenn es um seine politischen Ambitionen geht, dann kommen die Punkte wie aus der Pistole geschossen: Soziale Gerechtigkeit ist ihm wichtig. Er will das, was die "kleinen Leute" wollen. Bezahlbare Mieten etwa oder erschwingliche Lebensmittel. Das hat er bei vielen Hausbesuchen im Wahlkampf herausgefunden und dafür will er sich starkmachen, als Bundestagsabgeordneter.
Bezahlbare Mieten und Umweltschutz
Noch ein Punkt ist dem 32-Jährigen wichtig: der Umweltschutz. Da geht es dem gelernten Forstwirt viel zu langsam. Jeder fünfte Baum in Deutschland sei krank und das mit dem Klimawandel könne ja wohl nun niemand mehr leugnen, berichtet er von seinen persönlichen Erfahrungen.
Auch seine Kollegen im Wald sehen das so, obwohl gerade dort viele auch AfD wählen würden. Er möchte den - wie er sagt - "rechten Angstmachern" eine konstruktive Politik entgegensetzen. Und er will weiter dran bleiben, ganz nah an seinen Wählern. Die Hausbesuche aus dem Wahlkampf will er fortsetzen, das ist seine erklärte Absicht.
Marcel Bauer in Karlsruhe am Wahlabend:
Bundestagsabgeordnete sind Wochenendheimfahrer
Die Frage ist nur: Wie kann man einen Job in Berlin, eine Familie in Karlsruhe und die politische Arbeit zu Hause unter einen Hut kriegen? Und wie schafft man es, zwischen all diesen Fronten nicht aufgerieben zu werden? Marcel Bauer vermittelt das Bild eines sehr disziplinierten Menschen. Er ist fest davon überzeugt, dass es funktionieren kann, sagt er. Wie, das weiß er allerdings auch noch nicht.
Ich will keine Wochenendbeziehung. Ich möchte weiter, so viel wie möglich für meine Familie da sein.
Wir sind gerade dabei, uns zu noch zu sortieren, berichtet der Familienvater. In den hektischen Tagen des kurzen Winterwahlkampfes sei fast keine Zeit gewesen, mit der Familie über Grundsätzliches zu sprechen. Das müssen sie jetzt nachholen, im Hause Bauer. Und es ist noch nichts entschieden, berichtet er. Auch die Frage, ob ihn die Familie womöglich nach Berlin begleiten wird, lässt der junge Mann offen. Aber: "Sie stehen hinter mir, wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen", berichtet er auch.
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Für den Politiker aus Karlsruhe sind Demut und Respektlosigkeit die Leitlinien
Von Karlsruhe nach Berlin quasi über Nacht – aus dem Forstwirt ist ein Abgeordneter geworden. Marcel Bauer sagt, er möchte seine neue Aufgabe mit Demut, aber auch mit Respektlosigkeit antreten. Das habe er von seinem Vater gelernt. Wobei mit Respektlosigkeit vielleicht auch Furchtlosigkeit gemeint sein könnte: Marcel Bauer vermittelt den Eindruck, dass er zupacken möchte. Und das er sich von den anderen Damen und Herren in Anzug und Krawatte nicht ins Bockshorn jagen lassen will.
Er selbst trägt beim Interview Jeans und ein Karohemd – ganz Holzfäller, bodenständig. Und obwohl er erst einmal in Berlin war, vergangene Woche, hat man den Eindruck, dass er die politische Symbolsprache schon fast genauso gut einsetzen kann wie die verbale Agitation.
Du musst in die Politik gehen, das haben sie schon oft zu mir gesagt.
Vielleicht ist sein neuer Beruf ja eine echte Berufung. Schon im Wald haben die Kollegen immer wieder gemeint, er solle in die Politik, berichtet der 32-Jährige. Jetzt ist er dort angekommen: Marcel Bauer wird Karlsruhe für die nächsten vier Jahre im Deutschen Bundestag vertreten.
Zunächst allerdings muss er erst einmal seine Erkältung auskurieren. Der Wahlkampf war kurz und kräftezehrend. Und vielleicht, auch wenn er es nicht zugeben würde, war der Sprung nach Berlin auch ein bisschen zu krass. Da kann man schon mal in die Knie gehen.