"Martin" soll Luchsbestand erhöhen

Weiterer Luchs im Nordschwarzwald ausgewildert

Im Nordschwarzwald ist am Freitagmorgen erneut ein Luchs ausgewildert worden. Das Luchsmänchen heißt Martin und stammt aus einem Nürnberger Tiergarten.

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Stand

Von Autor/in Heiner Kunold

Knapp ein Jahr ist er alt, der "Neue" im Nordschwarzwald. Luchs Martin wurde am Freitagmorgen tief im Wald in die Freiheit entlassen. Der Nordschwarzwald ist wieder echtes "Luchsland". Hier leben inzwischen wieder sechs Luchsmännchen und ein Weibchen. Luchs Martin soll helfen, eine überlebensfähige, dauerhafte Luchspopulation im Schwarzwald aufzubauen.

Zu seiner Auswilderung war einiges los am frühen Morgen irgendwo im Wald über dem Eyachtal im Nordschwarzwald. Minister Hauk und viele Vertreter der Jägerschaft und der Forstbehörden waren gekommen, um den Start von Luchs Martin in die Freiheit zu erleben.

Luchs Martin ist im Nordschwarzwald ausgewildert worden.
Luchs Martin ist im Nordschwarzwald ausgewildert worden.

Luchs Martin wohnte zuletzt im Karlsruher Oberwald

Mit im Boot sind sowohl der WWF als Projektpartner als auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg: Sie organisiert das gesamte Luchsprojekt des Landes und kümmert sich um die Tiere. Als Zuchtpartner ist auch der Karlsruher Zoo beteiligt, der das Koordinations- und Auswilderungsgehege im Karlsruher Oberwald betreibt. Hier werden die jungen Luchse auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet.

 

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Ausgewilderte Luchse fühlen sich wohl im Nordschwarzwald

Luchs Martin ist jetzt der vierte in Gefangenschaft geborene Luchs, der in die Freiheit entlassen wurde. Vor ihm kamen Finja, die allerdings schon kurz nach der Auswilderung verstorben war, sowie die beiden Luchse Verena und Reinhold. Zu ihnen gesellen sich die wild eingewanderten Luchsmännchen Toni und Portus. Letzterer wurde kürzlich bei Pforzheim gefangen und mit einem Sender ausgerüstet.

Von ihm weiß der Wildtierbeauftragte Martin Hauser zu berichten, dass er jüngst erst im oberen Enztal gesichtet wurde. Die Luchse fühlen sich also wohl im Nordschwarzwald, bestätigt auch der Revierförster vom Eyachtal, Dominik Leitz. Alles in allem leben nach Expertenangaben im Schwarzwald acht Luchse, sieben männliche Tiere und eine Luchskatze.

Demnächst weitere Auswilderung von Luchs im Nordschwarzwald

Dass es trotzdem Sinn macht, ein weiteres Männchen, oder wie die Experten sagen, einen "Kuder" auszuwildern, begründet Forstminister Peter Hauk mit der genetischen Vielfalt. Je mehr Luchse im Nordschwarzwald leben, so Hauk, desto größer sei auch die genetische Diversität. Demnächst soll auch noch ein Weibchen ausgewildert werden. Auch diese Dame wohnt derzeit noch im Karlsruher Koordinationsgehege und soll in ein paar Wochen im Nordschwarzwald frei gelassen werden.

Bei der Auswilderung von jungen Luchsen haben die Experten von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg inzwischen einige Erfahrung sammeln können. Für die Tiere bestehe keine Gefahr zu verhungern, selbst wenn sie in Gefangenschaft geboren wurden, berichtet Luchsexperte Martin Hauser.

Das ist eine Katze wie eine Hauskatze. Wenn man die raus lässt, dann bringt sie eine Maus. Die haben sofort diesen Beute-Trieb, den sie auch gleich umsetzen.

Luchse werden für die Auswilderung gezüchtet

Wichtig für eine erfolgreiche Auswilderung ist aber die richtige Auswahl bei den Tieren. Eine erste Vorauswahl wird schon bei der Genetik der Elterntiere getroffen. Damit soll Inzucht vermieden werden. Danach müssen die jungen Luchse Wesens- und Charaktertests bestehen. Nur wenn sie sich wild genug und vor allem scheu genug gegenüber Menschen und Hunden zeigen, werden sie auch in die Freiheit entlassen.

Die entsprechenden Tests werden in den Koordinationsgehegen von erfahrenen Tierärzten vorgenommen. Luchs Martin hat diese Tests erfolgreich bestanden. Jetzt wird er für eine bestimmte Zeit noch per Senderhalsband verfolgt, bevor er dann endgültig in den Tiefen des Nordschwarzwaldes verschwindet.

NABU fordert sichere Wege für Tiere über Straßen

Die Artenschutzreferentin des Naturschutzbundes (NABU) Baden-Württemberg, Alexandra Ickes, begrüßt die Auswilderung eines weiteren Luchses in Baden-Württemberg als wichtigen Schritt für den Artenschutz im Land. Es gebe aber zu viele strukturelle Defizite im Lebensraum der Tiere.

"Für eine Stabilisierung der Luchspopulation in Baden-Württemberg benötigen wir neben mehr Weibchen – aktuell ist Verena im Schwarzwald die einzige Katze unter sieben Kudern" so Ickes. Sie fordert auch mehr sichere Übergänge bei Straßen. Seit 2024 seien bereits drei Luchse auf Straßen ums Leben gekommen.

Luchs Martin nach dem Förster Martin Hauser benannt

Auch mit dem Namen Martin hat es eine besondere Bewandtnis: Luchs Martin wurde nach Martin Hauser, dem Luchsexperten und ehemaligen Wildtierbeauftragten des Landkreises Rastatt benannt. Der ehemalige Förster begleitet das Luchsprojekt in Baden-Württemberg seit der ersten Auswilderung. Er verbringt Tage und Wochen damit, die Tiere mit einer Richtfunkantenne zu verfolgen. Niemand sonst ist so nah an den scheuen Katzen dran, wie Martin Hauser. Deshalb wurde es auch höchste Zeit, dass endlich ein Luchs auch nach ihm benannt wurde, betonte Forstminister Peter Hauk am Freitag bei der Auswilderung von Luchs Martin. 

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