Die Belastung von Kindern und Jugendlichen durch Mobbing im Internet nimmt weiter zu. Das geht aus einer bundesweiten Studie hervor, die das Bündnis gegen Cybermobbing aus Karlsruhe am Dienstag vorgestellt hat.
Cybermobbing verschärft sich durch KI
20,7 Prozent der Befragten - mehr als 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler - sind laut der Studie von Cybermobbing betroffen. 2017 waren es noch 12,7 Prozent. Neue technische Mittel wie KI würden das Problem noch verschärfen, so das Bündnis gegen Cybermobbing. Die Möglichkeiten, andere zu beleidigen, bedrohen oder belästigen, seien noch viel mehr geworden.
Die Ergebnisse zeigen leider, dass Cybermobbing ein weiter wachsendes Problem an Schulen und im privaten Umfeld von Kindern und Jugendlichen ist und sich mittlerweile auch Pädagogen und Pädagoginnen an den Schulen bei diesem Thema überfordert fühlen.
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Studie: Jeder vierte Betroffene hatte Suizidgedanken
Für Betroffene könne Cybermobbing gravierende gesundheitliche Folgen haben, so das Bündnis. Dazu zählten neben körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen vor allem psychische Auswirkungen wie Angst- und Schlafstörungen sowie Niedergeschlagenheit oder Depressionen.
Viele Befragten gaben an, sich vor allem verletzt zu fühlen, andere wütend oder verängstigt. 17 Prozent hätten aus Verzweiflung schon einmal zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen. Jeder vierte Betroffene äußerte sogar Suizidgedanken.
Bündnis gegen Cybermobbing fordert mehr Prävention
Ein Hoffnungsschimmer: Die Ergebnisse zeigen laut Studie deutlich, dass Schulen, die präventiv tätig sind, weniger Cybermobbingfälle erleben. Dazu zählten Angebote wie Workshops oder Schülerscouts, die über Gefahren im Netz aufklärten. Insgesamt sei das Präventionsangebot aber immer noch viel zu gering, um Wirkung zu zeigen. Hier müsse die Politik ihrer Verantwortung nachkommen.
Anoymität des Internets schützt Täter
Das Bündnis verweist auf Österreich, wo es im Gegensatz zu Deutschland seit 2016 ein Cybermobbing-Gesetz gibt, das digitale Angriffe unter Strafe stellt. Außerdem sei auch die Einführung eines "verdeckten Klarnames" wichtig. Das würde bedeuten, dass Nutzer anonym nach außen auftreten, ihre echten Identitätsdaten aber bei einer vertrauenswürdigen Stelle hinterlegen müssen. Dadurch könnten Täter schnell identifiziert und Cybermobbing verhindert werden.
Erwachsene befürworten Social-Media-Verbot bis 16
Viele Eltern würden sich mit dem Thema "Cybermobbing" überfordert fühlen. In ihrer Wahrnehmung fördere die Anonymität des Internets die allgemeine Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, online wie offline. Die überwiegende Mehrheit der Eltern und Lehrkräfte spricht sich laut Studie daher für die Einführung einer Altersgrenze zur Nutzung von sozialen Medien aus. Die meisten befürworten 16 Jahre als Mindestalter.
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Internetführerschein zum Schutz gegen Cybermobbing
Eltern sollten laut dem Bündnis gegen Cybermobbing intensiver und frühzeitig ihre Kinder auf das Internet und soziale Medien vorbereiten. Hier könne die Einführung eines Internetführerscheins möglicherweise helfen - ähnlich wie das Seepferdchen beim Schwimmern lernen.
Das Bündnis gegen Cybermobbing ist ein Verein mit Sitz in Karlsruhe. Mit regelmäßigen bundesweiten Erhebungen will das Bündnis auf das wachsende Problem durch Mobbing im Netz aufmerksam machen. Für die aktuelle Studie wurden mehr als 6.000 Schüler, Lehrkräfte und Lehrer befragt.