Während viele Menschen die A8-Baustelle bei Pforzheim vor allem mit Staus und Lärm verbinden, schaut Uwe Ruhmann genauer hin. Seit Beginn der Baustelle im Herbst 2021 hält der pensionierte Feuerwehrmann mit seiner Handykamera fest, wie neue Fahrbahnen entstehen, Brücken verschwinden und die Autobahn ihr Gesicht verändert.
A8 Baustelle bei Pforzheim: Seit 2021 macht er Fotos
Uwe Ruhmann richtet sein Handy auf die künftige Fahrbahn Richtung Karlsruhe. Bagger tragen Erde ab, Maschinen arbeiten sich immer tiefer in das Gelände. Für den 68-Jährigen ist das nicht einfach nur eine Baustelle. Er dokumentiert einen Veränderungsprozess.
Dafür kehrt er regelmäßig an dieselben 18 Stellen entlang der Autobahn zurück. Er fotografiert immer wieder aus der gleichen Perspektive. Erst im direkten Vergleich zeigt sich, wie viel sich seit der letzten Aufnahme verändert hat.
Das sind immer solche Momentaufnahmen. Die gibt es nur für ein paar Tage oder ein paar Stunden.
Eine verlegte Fahrbahn, eine alte Brücke kurz vor dem Abriss oder ein neuer Bauabschnitt: Manche Zustände verschwinden schnell wieder. Ruhmann will sie festhalten, bevor später kaum noch jemand nachvollziehen kann, wie der Ausbau abgelaufen ist.
Fotos zur A8: Aus 21.000 Bildern soll eine Chronik werden
Inzwischen hat er rund 21.000 Aufnahmen zur Baustelle auf der A8 gesammelt. Sie zeigen nicht nur spektakuläre Bauarbeiten, sondern auch kleine Veränderungen, die Autofahrern beim Vorbeifahren kaum aufgefallen sind.
Wenn man ein paar gute Bilder haben will, muss man viele machen.
Doch nicht jedes Bild soll später Teil seiner Dokumentation werden. Wenn der Ausbau abgeschlossen ist, will Ruhmann die besten 80 bis 100 Fotos auswählen und daraus eine Chronik erstellen.
Baustelle auf der A8: Ein Ausbau am "offenen Herzen"
Uwe Ruhmann begeistert vor allem, wie die Arbeiten organisiert sind. Während die Baufirmen die Autobahn verbreitern, Brücken bauen und große Mengen Erde bewegen, rollt der Verkehr weiter. Er vergleicht das mit einer Operation am offenen Herzen. Genau diese Entwicklung will er mit seinen Bildern festhalten. "Ich finde es ein schönes Hobby, mir macht es Spaß", sagt der 68-Jährige. "Diese Technik und diese Organisation, wie alle Gewerke zusammenspielen – davor habe ich größten Respekt."
Dass dabei nicht immer alles nach Plan läuft, überrascht ihn nicht. Fachkräfte, Maschinen und Material müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Auch auf unerwartete Probleme müssen die Verantwortlichen reagieren.
Ruhmann beobachtet nach eigener Aussage keine stillstehende Baustelle. Er sehe viele Menschen und Maschinen im Einsatz. Verzögerungen bedeuteten für ihn deshalb nicht automatisch, dass zu wenig gearbeitet werde.
So läuft der Ausbau in Fahrtrichtung Karlsruhe A8-Baustelle bei Pforzheim: Was geschafft ist und was noch kommt
Die Fahrtrichtung Stuttgart ist geschafft, jetzt kommt die Richtung Karlsruhe dran. So laufen die Bauarbeiten auf der A8 bei Pforzheim - an einer der größten Autobahnbaustellen in BW.
A8 begleitet Uwe Ruhmann seit seiner Kindheit
Die Verbindung zur Autobahn reicht weit zurück. Uwe Ruhmann ist in Pforzheim geboren und aufgewachsen. Auch alte Bilder seiner Heimatstadt sammelt er. Ihn interessiert, wie sich Orte und Verkehrswege im Laufe der Zeit verändern.
Hinzu kommt seine berufliche Vergangenheit: Rund 35 Jahre lang arbeitete Uwe Ruhmann bei der Feuerwehr in Pforzheim. Bei zahlreichen Einsätzen erlebte er die A8 damals von einer anderen Seite. Heute betrachtet er sie durch den Bildschirm seines Handys.
Seine Frau Roswitha unterstützt das ungewöhnliche Hobby. Sie begleitet seine Touren zwar nicht selbst, verfolgt den Baufortschritt aber regelmäßig anhand seiner Bilder. Dass ihr Mann auch im Ruhestand einer Beschäftigung nachgeht, die ihn begeistert und an die frische Luft bringt, freut sie. Bis Ende 2027 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Und was fotografiert er danach? Auch dafür hat seine Frau schon eine Idee: Stuttgart 21 sei schließlich "auch nicht übel".