Investition der Schwarz-Gruppe in digitale Infrastruktur

Rechenzentrum für Milliarden: Deshalb kommt das XXL-Projekt nicht nach BW

Die Neckarsulmer Schwarz Gruppe will bei Rostock für rund 5,6 Milliarden eines der größten Rechenzentren in Deutschland bauen. Der Standort wurde bewusst gewählt.

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Von Autor/in Timo Leiß

Die Schwarz Gruppe aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn) mit Lidl und Kaufland will bei Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) eines der größten Rechenzentren in Deutschland errichten. Allein die Baukosten beziffert sie auf rund 5,6 Milliarden Euro, die Kapazität auf zunächst 240 Megawatt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. 120 Arbeitsplätze sollen entstehen. "Wir wollen, dass digitale Souveränität, digitale Wertschöpfung wieder in Deutschland und Europa stattfindet", sagte der Chef der Schwarz-Gruppe, Gerd Chrzanowski.

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Rechenzentrum braucht so viel Strom wie Großstadt

Die "erste Liga" sei das Ziel, gibt die Schwarz Gruppe selbstbewusst vor. In Sachen Rechenkapazität spielen da vor allem die US-amerikanischen Tech-Riesen Amazon, Microsoft und Google. Bei dem neuen Rechenzentrum geht die Schwarz-Gruppe insgesamt von einem zweistelligen Milliardenbetrag aus. Baubeginn soll nächstes Jahr sein.

Zum Vergleich: für das Rechenzentrum in Lübbenau (Brandenburg) wird mit Kosten von insgesamt elf Milliarden gerechnet. Mit 200 Megawatt hat Lübbenau bereits eine riesige Anschlussleistung. Das Rechenzentrum bei Rostock soll diese mit 240 Megawatt aber nochmal übertreffen. Diese könnte sich aber noch vervielfachen: dem Konzern zufolge gibt es "sehr konkrete Perspektiven", die Kapazität bis 2045 sogar auf bis zu 1 Gigawatt auszubauen. Dafür braucht ein Rechenzentrum so viel Strom wie umgerechnet 800.000 bis eine Million Haushalte.

Schwarz-Gruppe: Rostock statt Baden-Württemberg

Rechenzentren dieser Größenordnung sind gigantische Stromverbraucher. Im regulären Betrieb will die Schwarz Gruppe ausschließlich grünen Strom nutzen. Energiewende und Ausbau der Windkraft waren mit ein Grund für die Auswahl des Standorts in Küstennähe. Ein möglicher Anschluss an das Höchstspannungsnetz verspricht zudem niedrigere Netzentgelte für die riesigen Strommengen.

Derzeit produziert Mecklenburg-Vorpommern mehr Windstrom als das Land verbrauchen kann. Die großen Stromautobahnen, die Windstrom von den Küsten in den Süden bringen sollen, sind aber noch im Bau. Immer wieder müssen daher ganze Windparks vom Netz genommen werden. Mit dem Rechenzentrum bekommt das Land einen großen Verbraucher für den Strom, profitiert also doppelt von der Ansiedlung. Gleichzeitig fördert das Land Mecklenburg-Vorpommern die Ansiedlung des Rechenzentrums mit bis zu 120 Millionen Euro.

Selbst das frischere Klima im Norden war ein Standortvorteil: da die Server enorm viel Wärme produzieren, können sie laut Schwarz Gruppe so mit der Umgebungsluft besser gekühlt werden. Außerdem brauchen solche Rechenzentren viel Kühlwasser. Durch die Nähe zur Ostsee ist dies sicher gewährleistet, in Baden-Württemberg dagegen nicht.

Schwarz-Gruppe hat "Digitalen "Ölrausch" im Blick

Daten sind das neue Öl hieß es von der Schwarz-Gruppe bereits zum Bau des Rechenzentrums in Lübbenau. In diesen "Ölrausch" investiert die Schwarz Gruppe. Mit der neu installierten Rechenpower will der Konzern seinen Eigenbedarf, etwa von Lidl und Kaufland decken, aber auch Entwicklung und Betrieb von Cloud und KI-Lösungen nach deutschem Recht voran bringen. 
In direkter Konkurrenz mit den US Tech-Riesen. Ziel ist es Marktanteile zu gewinnen, Wertschöpfung aus den USA abzuziehen und auf den eigenen Konten zu verbuchen. 

Mit den XXL-Rechenzentren baut Schwarz Digits vor allem die Kapazitäten für den konzerneigenen Cloud Dienstleister Stack It aus. Dort speichern mittlerweile rund 600 große und kleine Firmen ihre Daten in der Cloud-Infrastruktur. Mit ein Grund: teils stehen US-Gesetze für Daten auf amerikanischen Servern im Konflikt mit dem europäischen Datenschutz etwa durch Zugriffsrechte US-amerikanischer Geheimdienste. 

Als Kunden hat die Schwarz-Gruppe daher auch die öffentliche Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Unternehmen der Verteidigungsindustrie im Blick für die, dem Unternehmen zufolge, besonders sichere IT- und Cloud-Lösungen angeboten werden.

Abwärme des Rechenzentrums soll genutzt werden

Mit der enormen Rechenpower produzieren die Server immense Abwärme. Auch diese Energie soll genutzt werden. Die Schwarz Gruppe plant diese in das Rostocker Wärmenetz einzuspeisen. Sie könnten dann mit der Serverwärme ihre Wohnungen heizen.

In Lübbenau nehmen ähnliche Pläne bereits Gestalt an: vor kurzem wurden dort Verträge für ein gemeinsames Fernwärme-Konzept unterschrieben. Erste Rohrleitungen liegen bereits. An die Geschwindigkeit des Ausbaus und die verfügbare Rechenkraft der USA kommt Deutschland aber derzeit nicht heran. 

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