Eine Meldung über eine angebliche Kindesentführung sorgt seit Montagnachmittag in Gemmingen (Kreis Heilbronn) für erhebliche Unruhe. In verschiedenen Chatgruppen und sozialen Netzwerken verbreitete sich die Nachricht einer Familie rasant. Die Polizei überprüfte die Schilderungen umfassend. Das Ergebnis: Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass tatsächlich ein Kind entführt wurde. Dafür prüft die Polizei allerdings, ob der Einsatz der Familie in Rechnung gestellt wird.
Was ist passiert? Polizei prüft Aussagen
Nach Angaben der Polizei meldete sich gegen 16 Uhr der Vater zweier Kinder. Die Kinder hatten demnach berichtet, dass ein Mann mit Skimaske ein Kind in einen weißen Bus mit Taxischild gezogen hat. Anschließend soll das Fahrzeug weggefahren sein. Der Vorfall soll sich bei einem Einkaufsmarkt in der Ortsmitte ereignet haben.
"Wir müssen solche Aussagen von Kindern immer ernst nehmen und haben das auch getan", sagte Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, auf SWR-Anfrage. Die Beamten gingen den Hinweisen nach und überprüften die Aussagen der Kinder. Zudem seien alle Taxiunternehmen kontrolliert worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass sich tatsächlich kurz vor 16 Uhr ein Taxi in dem betroffenen Bereich aufgehalten hatte, so Belz weiter.
Nach Angaben der Polizei hatte dieses Taxi auch tatsächlich ein Kind transportiert. Da sei aber alles rechtens gewesen, erklärte der Sprecher. Auch sonst ergaben die Ermittlungen bislang keine Hinweise auf eine Straftat. Zudem wurde kein Kind in Gemmingen oder der Umgebung als vermisst gemeldet.
Polizei sieht keine Hinweise auf entführtes Kind
"Wir gehen derzeit nicht von einer Kindesentführung aus", sagte der Polizeisprecher weiter. Auch, wenn entsprechende Hinweise grundsätzlich ernst genommen würden, deute derzeit alles darauf hin, dass das Erzählte so nie stattgefunden habe. Dennoch soll die Familie die Erzählungen sofort weiter verbreitet haben.
Wir prüfen, ob wir der Familie eine Rechnung stellen.
Hintergrund sei, dass es in der Vergangenheit bereits ähnlich gelagerte Vorfälle gegeben habe, die von dieser Familie gemeldet worden seien.
Diese schnelle Verbreitung solch unbestätigter Meldungen in Elternchats und sozialen Netzwerken sieht die Polizei übrigens besonders kritisch. "Die bringen so einen Drive rein, dem kann man kaum noch Herr werden", warnte der Polizeisprecher.
"Phänomen" kehrt laut Polizei jedes Jahr zurück
Nach Beobachtung der Polizei handelt es sich bei den aktuellen Ereignissen in Gemmingen nicht um einen Einzelfall. Frank Belz berichtet von einem wiederkehrenden Muster. "Das ist ein Phänomen", sagte er im Interview. Demnach treten ähnliche Meldungen über angebliche Kindesentführungen regelmäßig ab September auf. Danach kommt es in der dunklen Jahreszeit alle paar Wochen erneut zu vergleichbaren Vorfällen.
Zuletzt hatte im Februar dieses Jahres die mögliche Entführung eines Mädchens in Heilbronn-Böckingen für Angst gesorgt. Auch an diesen Behauptungen sei nichts dran gewesen, so die Polizei.