Aktuell läuft noch der Räumungsverkauf. Doch bald ist Schluss: Das Möbelhaus Gunst und der "NimmMit"-Markt im Handelszentrum West von Schwäbisch Hall schließen für immer, wie Geschäftsführer Tom Gunst auf Nachfrage bestätigt. "Wir haben in den vergangenen Jahren mit stetig sinkenden Umsätzen gekämpft. Spätestens mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ist die Situation noch schwieriger geworden," sagt Gunst, der in der vierten Generation das Haus führt. Es gehe nicht um eine Insolvenz, sondern um eine bewusste Entscheidung. So wie dem Haller Familienunternehmen geht es auch anderen in der Branche.
Möbel Gunst hört auf: Knapp 30 Mitarbeiter betroffen
In dem Schwäbisch Haller Unternehmen arbeiten knapp 30 Menschen. Damit verschwindet der größte Händler im Haller Stadtgebiet.
Da wir das Möbelhaus endgültig schließen, entfallen zu meinem großen Bedauern alle Arbeitsplätze.
Möbelriesen ziehen Publikum nach Heilbronn
Übrig bleibt im Raum Schwäbisch Hall unter anderem Möbel As aus Elztal (Neckar-Odenwald-Kreis). Diese Kette betreibt insgesamt 14 Filialen, darunter in Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) und Ellwangen (Ostalbkreis).
Der Geschäftsführer von Möbel As, Thorsten Wenig, berichtet, dass die Situation in der Branche insgesamt angespannt sei: "Es fand seit Jahren eine starke Expansion statt und dies, obwohl der Markt schon längst gesättigt war. Durch den Neubau von Möbel Rieger in Heilbronn ist die Strahlkraft dort mit XXXL und Rieger sehr stark geworden und zieht viele Kunden auch aus Schwäbisch Hall dorthin."
Dazu komme, dass es mit Möbel Bohn in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) einen "sehr innovativen und erfolgreichen Möbelhändler in Familienhand gibt, welcher auch viele Kunden im Umkreis bedient", so Wenig weiter.
Möbelhändler: Konkurrenz von den großen Händlern
Dass Gunst jetzt schließt, bedauert der Mitbewerber. "Es ist schade, da wir gerne Kontakt zu regionalen Möbelhändlern pflegen und dies oft eher Synergien schafft als weh tut. Der Konkurrent ist nicht der Möbelnachbar vor Ort, sondern der große, welcher alles aufkauft und seine Marktmacht mit den unterschiedlichsten Schienen weiter ausbaut", sagt Wenig.
Nina Stöferle von Möbel Bohn bestätigt die Probleme in der Branche und nennt Faktoren wie Digitalisierung, einen Konzentrationstrend, den globalen Onlinehandel sowie anhaltende Konsumzurückhaltung bei gleichzeitig gestiegenen Kosten für Personal, Logistik und Energie. Marktveränderungen seien für die Branche zwar nicht neu, "was sich verändert hat, ist das Tempo".
Bohn setze daher auf neue Veranstaltungsformate, um Begegnung und Austausch zu ermöglichen, zudem auf Service, um sich vom Onlinehandel abzugrenzen. So fahre der hauseigene Innengestalter auch zu den Kundinnen und Kunden nach Hause, um ein Gesamtkonzept zu entwickeln.
Profite weiter möglich
Dennis Wiedemann vom gleichnamigen Möbelhaus in Igersheim bei Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) fügt an, dass ja nicht nur die Möbelbranche unter der allgemeinen Verteuerung leide, sondern flächendeckend eine Kaufzurückhaltung erkennbar ist.
In seiner Branche seien insbesondere nach der Coronapandemie die Einkaufspreise für die Händler massiv gestiegen. "Wir hatten einen Hersteller, den es heute nicht mehr gibt, der innerhalb von eineinhalb Jahren die Preise um 30 Prozent erhöht hat." Nicht alles könne man an die Kunden weitergeben. Trotzdem sei er aktuell noch zufrieden. "Wir sind 2025 zweistellig im Plus. Das muss man natürlich auch sagen, ohne alles schwarz zu malen." Geholfen habe, das Geschäft umzustrukturieren und das Sortiment anzupassen.
Die Redaktion hatte auch den deutschen Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) um Stellungnahme gebeten. Bisher liegt keine Antwort vor.
Flugzeugsitzhersteller Recaro übernimmt Gunst-Areal
Für die Gebäude von Möbelhaus Gunst ist schon eine Nachfolge gefunden: Recaro-Sprecherin Monica Fischer bestätigt auf SWR-Nachfrage, dass der Konzern die beiden Handelsgebäude bereits gekauft hat. An der zukünftigen Nutzung werde noch geplant. Unklar ist noch, was mit dem großen Lagergebäude des Möbelhandels einige hundert Meter entfernt passiert. Da liefen die Verhandlungen noch, berichtet Tom Gunst.