Nur noch die günstigen Produkte und Rabattartikel - was landet heute noch im Einkaufswagen der Kunden? Die internationale Krisenlage macht sich auf jeden Fall beim Einkaufen bemerkbar, sagt Handelsprofessor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn: "Der Iran-Krieg hat vor allem die Unsicherheit der Verbraucher erhöht." Das merkt auch die Discounterkette Kaufland mit Sitz in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Zwar wachse das Unternehmen weiterhin - der Wettbewerb wird aber härter.
Konsumeinbruch? Kunden kaufen seit Irankrieg preisbewusster
Der anhaltende Iran-Krieg und die Sorge vor steigenden Preisen belastet die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich. Selbst Haushalte mit höheren Einkommen seien bei größeren Anschaffungen zurückhaltender als noch vor einem Jahr, berichtet Kortum. Sie rechnen demnach unter anderem mit steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten. Und das schlage sich direkt im Einkaufsverhalten nieder.
Laut einer Studie, die das Verbraucherportal Idealo in Auftrag gegeben hat, vergleichen inzwischen 62 Prozent der Menschen verstärkt die Preise. 56 Prozent achten stärker auf Sonderangebote, 48 Prozent nutzen Rabattcoupons. Zudem kaufen 44 Prozent häufiger No-Name- oder Eigenmarken. Besonders stark gespart wird laut Kortum bei Bekleidung, Gastronomie, Freizeitartikeln und Elektronik.
Kaufland registriert "höhere Preissensibilität"
Im Lebensmittelhandel sei die Entwicklung zwar weniger ausgeprägt, dennoch sei sie auch bei Kaufland vorhanden. Auf Anfrage erklärt das Unternehmen: "Wir spüren, dass unsere Kunden noch preissensibler geworden sind." Dennoch betont die Kette, dass das Geschäft weiterhin gut laufe. Demnach ist Kaufland "sowohl international sowie in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr gewachsen und hat im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr mehr Umsatz erzielt."
Nach Informationen des "Handelsblatts" stammt das Wachstum allerdings vor allem aus dem Ausland. Im deutschen Kerngeschäft laufe die Handelskette hinter den Erwartungen zurück. Die Auskunft des Unternehmens zum Kaufverhalten lasse dies auch vermuten: Kunden achten stärker auf den Preis, nutzen deutlich öfter Coupons und greifen zu Eigenmarken. Deshalb setzt Kaufland genau darauf - auf Eigenmarken.
Kaufland: Eigenmarken gewinnen weiter an Bedeutung
Laut Handelsprofessor Kortum beschleunigt sich dieser Trend derzeit deutlich - gerade bei Lebensmitteln. Und für die Discounter und Händler seien Eigenmarken gleich doppelt attraktiv: Zum einen, weil sie das Preisimage stärken und häufig höhere Margen ermöglichen.
Social Media als Innovationstreiber Heilbronner Experte besorgt: Macht der Eigenmarken im Supermarkt wird immer größer
Eigenmarken im Vergleich zu Markenprodukten nehmen in Supermärkten zu. Die Discounter setzen auf Social Media als Innovationstreiber - ein Experte befürchtet Nachteile für Kunden.
So umfasst das Eigenmarkensortiment bei Kaufland nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 4.500 Produkte. Kortum erwartet für 2027 sogar "die Parität zwischen Eigenmarken und Herstellermarken."
Apps und Kundenbindung
Fakt ist: Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen nicht grundsätzlich weniger, sondern bewusster, so der Heilbronner Handelsexperte. Die Folge des Irankriegs ist also kein Konsumeinbruch. Stattdessen orientieren sich die Menschen am Preis. Und dabei, so Kortum, sei ihnen wichtig, nicht das billigste Produkt zu kaufen, sondern das beste "Schnäppchen" zu ergattern. Nicht der Verzicht stehe im Vordergrund, sondern ein deutlich bewussterer Umgang mit dem eigenen Geld.
Bestes Preis-Leistungsverhältnis statt reiner Billigpreise - das ist einer der Hebel, über die Händler wachsen.
Als weitere wichtige "Hebel" nennt er personalisierte Angebote über Apps und Kundenprogramme, den Ausbau von Eigenmarken sowie zusätzliche Mehrwertleistungen. Auch Kaufland setzt auf diese Instrumente, investiert nach eigenen Angaben in die Modernisierung von 60 Filialen und weitere 220 Märkte sollen mit Selbstbedienungskassen ausgestattet werden.
Schwierig bleibt die Lage im Handel dennoch, so Kortum weiter: "Die Erträge sind stark unter Druck bei weiterhin steigenden Kosten bei den Einkaufspreisen und den operativen Kosten des Handelsgeschäfts."