Wo kämen die Verletzten hin, wenn in Baden-Württemberg Krieg ausbrechen würde? Wie könnten Bundeswehr und Krankenhäuser zusammenarbeiten und voneinander profitieren? Unter anderem darum ging es Mitte März bei einer groß angelegten Übung der SLK-Kliniken Heilbronn gemeinsam mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr aus Calw. Laut dem ärztlichen Direktor der Klinik am Gesundbrunnen, Wolfgang Linhart, brachte die Übung "einen ungemeinen Erkenntnisgewinn für beide Seiten".
Die Übung sollte so realitätsnah wie möglich ablaufen. Dafür wurden professionelle "Simulationsakteure" aus Großbritannien engagiert, die Schwerverletzte darstellten. Das Szenario: Die Frontlinie liegt nur noch wenige Kilometer südlich von Stuttgart.
KSK und SLK: Verwundete Soldaten kommen nach Heilbronn
Es ging vor allem um die medizinische Erstversorgung schwer verletzter Soldaten vor Ort und auch darum, wie diese dann in die SLK-Kliniken kämen. Denn laut dem "Operationsplan Deutschland" kommt zivilen Krankenhäusern im Ernstfall eine wesentliche Rolle zu.
Für unsere Mitarbeitenden war das eine außergewöhnliche Erfahrung - emotional, fachlich und menschlich.
Nach der Erstversorgung wurden die Soldaten ins Klinikum transportiert und dort den sogenannten Schockteams übergeben. Anschließend kamen sie auf die Intensivstationen. Und auch das spätere Abholen der Verwundeten gehörte zur Übung.
Austausch mit Blaulicht-Organisationen Lazarett in Lagerhalle aufgebaut: Bundeswehr übt in Dornstadt für den Ernstfall
Ein fachgerecht und schnell aufgebautes Lazarett kann für Soldaten im Einsatz über Leben und Tod entscheiden. In Dornstadt fand nun eine große Sanitätsübung der Bundeswehr statt.
Wichtige Übung mit vielen Erkenntnissen für beide Seiten
So konnten auch die internen Abläufe noch einmal kritisch überprüft werden, heißt es von den SLK-Kliniken. Gleichzeitig bot sich für die Mediziner eine Möglichkeit, Fähigkeiten im Umgang mit komplexen Traumata sowie speziellen Verfahren, wie beispielsweise der Warm- oder Vollblutspende weiterzuentwickeln. Und auch der Umgang mit traumatisierten Menschen war Teil der Übung.
Zusätzlich konnte der Sanitätsspezialzug der Bundeswehr seine Expertise einbringen. Es wurde geübt, wie spezielle Verletzungsmuster versorgt werden müssen und wie diese vor allem bei militärischen Einsätzen auftreten können. Das kannten die SLK-Angestellten so aus ihrem Alltag noch nicht. Andererseits habe die Übung gezeigt, dass man sich aufeinander verlassen könne, "egal ob Uniform oder Kittel", heißt es vom KSK.
Über Krieg hinaus: Auch für Katastrophen eine wichtige Übung
Bei dieser Großübung ging es aber nicht nur um einen möglichen Kriegsfall. Denn auch bei anderen Katastrophen wie im Ahrtal oder auch während der Corona-Krise sei das Zusammenspiel von Militär und zivilem Gesundheitswesen entscheidend.