Kaputte Aufzüge an Bahnhöfen sind für viele Reisende vor allem eines: lästig. Wer mit Koffer, Kinderwagen oder Krücken unterwegs ist, steht plötzlich vor einer unüberwindbaren Treppe. Doch was für Fahrgäste einfach ein Ärgernis ist, löst im Hintergrund oft einen ganzen Rettungseinsatz aus - verbunden mit erheblichen Kosten. Ein aktuelles Beispiel: Die Bahnhofsaufzüge in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn). Doch damit nicht genug: Manch ein Einsatz kostet die Feuerwehr auch den allerletzten Nerv.
Wenn der Einsatz Frust bei der Feuerwehr auslöst
Nichts geht mehr, der Aufzug stockt, die Türen verschlossen. Dann wird die Feuerwehr alarmiert. "Das ist ein echtes Dauerthema bei uns", ärgert sich Bürgermeister Timo Frey (CDU). Technische Defekte sorgten regelmäßig dafür, dass die Aufzüge ausfallen und im schlimmsten Fall sogar stecken bleiben. Rund eine halbe Stunde dauere es im Schnitt, bis die Eingeschlossenen aus einem der vier Aufzüge befreit sind.
Das sind Einsätze, die bei der Feuerwehr keine große Freude auslösen.
Für sie gehören solche Einsätze zwar nicht zu den spektakulären Alarmen, bedeuten aber zusätzliche Arbeit. Auch Bernd Halter vom Kreisfeuerwehrverband Heilbronn kann bei manchen Einsätzen nur den Kopf schütteln. Dazu zählen auch die wiederkehrenden Rettungsaktionen in Bad Friedrichshall. Vor allem sei frustrierend, dass Hinweise an den Betreiber offenbar "im Nirwana verschwinden" und die Mängel unbeachtet bleiben.
Die Aufzüge an Bahnhöfen gehören in der Regel zur Infrastruktur der Deutschen Bahn. Eine Anfrage des SWR blieb bisher unbeantwortet.
Ehrenamtliche Hilfe wird immer mehr ausgenutzt Frust bei Feuerwehr: "Wir sind keine nützlichen Idioten für Einzelne"
Bei Freiwilligen Feuerwehren im Raum Heilbronn gibt es immer öfter Kopfschütteln über einzelne Einsätze. Ein langjähriger und erfahrener Feuerwehrmann spricht jetzt Klartext.
Ärger für Reisende
Trotzdem gilt: Wenn Menschen eingeschlossen sind, kommt die Hilfe sofort, versichert der Bürgermeister. Für die Fahrgäste sind die Aufzüge dennoch ein wiederkehrender Aufreger: "Die sind so oft kaputt. Dann muss man dann die Treppe nehmen", beklagt eine Frau.
Besonders schwierig ist es aber für Menschen, die nicht die Treppe nehmen können. Diese leicht eingeschränkte Frau ist frustriert: "Sehr schlecht ist das", meint sie, und ein anderer Fahrgast berichtet: "Wenn man schnell zum Zug muss, ist das blöd. Das passiert etwa einmal die Woche - Katastrophe."
Hunderttausende für neue Aufzüge in Bad Rappenau
Abgeschlossen ist der Einsatz mit der Rettung der Fahrgäste nicht. Jetzt beginnt die Bürokratie. Bleiben Menschen stecken, handelt es sich laut Feuerwehrgesetz nicht um kostenfreie Einsätze, erklärt Frey. Die Folge: Die Bahn wird für die Kosten, die durch den Einsatz der Feuerwehr entstanden sind, regelmäßig zur Kasse gebeten.
Und Bad Friedrichshall ist kein Einzelfall. Das zeigt ein Blick nach Bad Rappenau (Kreis Heilbronn). Auch dort kam es immer wieder zu Störungen an den Bahnhofsaufzügen. Trotz regelmäßiger Wartung häuften sich die Ausfälle und die Feuerwehr musste anrücken. Reparaturen wurden zunehmend schwierig, teilte die Stadt jetzt mit, unter anderem, weil Ersatzteile nicht verfügbar waren.
Die Konsequenz: Die Aufzüge werden jetzt erneuert. Insgesamt gibt es am Bahnhof drei Aufzüge, für einen ist die Deutsche Bahn zuständig, für die anderen beiden die Stadt - und die muss nun 732.000 Euro dafür berappen.
Und auch am Neckarsulmer Bahnhof kennt man Probleme mit den Aufzügen. Die Stadt hat die Deutsche Bahn bereits informiert, dass es technische Ausfälle gibt, teilte ein Sprecher der Stadt auf SWR-Anfrage mit.
"Vollkasko-Mentalität" sorgt oft für unnötige Einsätze
Bleibt zu hoffen, dass dann die Einsätze für die Feuerwehr weniger werden. Denn die hat darüber hinaus noch genug zu tun, wie Bernd Halter mit einem Schmunzeln berichtet. Da gibt es beispielsweise Hausbewohner, die wegen undefinierbarer Gerüche die Feuerwehr rufen, nur damit sich später herausstellt, dass es die Biotonne im Keller war. Oder auch Betrunkene, die Hilfe beim Auffinden ihres Schlüssels benötigen.
"Je länger man bei der Feuerwehr ist, desto mehr denkt man, man hat alles gesehen. Und dann passiert wieder etwas, das man noch nicht erlebt hat", sagt Halter. Für ihn ist klar: Viele Einsätze entstehen, weil die Menschen oft eine Art "Vollkasko-Mentalität" an den Tag legen. Halter plädiert deshalb an den gesunden Menschenverstand: Man müsse nicht für alles sofort die Feuerwehr rufen, sagt er.