Traditionen werden auf den Kopf gestellt: Da werden Pferdeprämierungen auf einen anderen Tag verlegt und der Markt selbst an einen anderen Ort verdrängt - das kann für so manch einen Besucher zum Ärgernis werden. Doch die Städte stehen hinter den Änderungen auf den Pferdemärkten in Öhringen (Hohenlohekreis) am Wochenende und in Heilbronn eine Woche später. Aber warum das Ganze?
Öhringer Pferdemarkt: Züchter freuen sich über neuen Tag
So sorgt beispielsweise die Neuerung in Öhringen für hitzige Diskussionen: Erstmals werden die Pferde nicht am Montag, sondern am Sonntag prämiert. Das sorgt bei vielen für Stirnrunzeln, war doch der Pferdemarktbesuch am frühen Montagmorgen ein festes Ritual.
Der Grund: Immer weniger Züchter konnten montags teilnehmen. "Wir haben dieses Jahr eine steigende Anzahl der Anmeldungen mit mittlerweile bereits 100 Anmeldungen der Züchter, letztes Jahr waren es 80", erklärt David König, Leiter Kultur- und Veranstaltungen. Eine Umfrage 2024 zeigte demnach deutlich: Die Züchter wollen den Sonntag. "Viele können und wollen sich montags nicht freinehmen", so König.
Und wenn immer weniger Züchter kommen, hat der Name Pferdemarkt irgendwann keine Berechtigung mehr.
Ähnliches wurde übrigens auch bei den Besucherinnen und Besuchern beobachtet: Die Tradition, dass Firmen und Schulen ihren Beschäftigten und Schülerinnen und Schülern am Montag frei geben, "um bereits morgens auf den Pferdemarkt zu pilgern", würde zusehends verwässern. Stattdessen sei es für das Rathaus eine Win-win-Situation: Mehr Anmeldungen von Züchtern und gleichzeitig mehr Besucher beim verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt. Und das freue auch den Einzelhandel.
Heilbronner Pferdemarkt: Neue Location, neue Diskussionen
Eine Woche später steht dann Heilbronn im Fokus - und auch hier gibt es Ärger. Der Markt verkleinert sich und zieht wegen verschärfter Sicherheitsauflagen aus der Innenstadt auf das Wertwiesenparkgelände am Neckar. Die Reaktionen: "Vielfältig", wie es Valerie Blass, die Sprecherin der Heilbronn Marketing GmbH, formuliert. Die einen zeigen Verständnis, andere befürchten den Verlust des gewohnten Marktflairs.
Kosten wären sonst zu hoch Wegen Sicherheitsauflagen: Pferdemarkt Heilbronn muss umziehen
Der Heilbronner Pferdemarkt wird verlegt: Grund sind erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Nun findet die Traditionsveranstaltung an einem Platz statt, der leichter abzusichern ist.
Die Stadt hingegen sieht Chancen, erklärt sie: Kompaktere Wege, grüne Umgebung und gute Anbindung an Bus und Bahn. Mit rund 135 Ständen - 100 weniger als noch 2025 - auf der halben Fläche werde zudem weniger Handelsware aus Asien angeboten. Dafür lege man besonders Wert auf das Angebot klassischer Marktprodukte und regionaler Qualität.
Vertreten sind die Klassiker des Krämermarkts: Kittelschürzen, Pferdebalsam, Diabetikersocken und Wachstuchtischdecken.
Weniger Besucher erwartet - richtige Entscheidung?
Zusätzlich bringe eine Bimmelbahn die Besucher direkt auf das Gelände, auf dem auch ein vergrößerter Funpark mit Riesenrad und Autoscooter Platz findet. Trotzdem hat man die Erwartungen, was die Zahl der Besucher angeht, nach unten geschraubt: Rund 60.000 Menschen werden erwartet, weit weniger als in den Jahren zuvor. 2025 hatte der Veranstalter rund 150.000 Besucherinnen und Besucher geschätzt.
Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) hatte die Verlegung als Kompromiss bezeichnet. Für das nächste Jahr suche man nach einer dauerhaften Lösung. Der Pferdemarkt soll demnach wieder näher an die Innenstadt rücken.
Welche Änderungen sich also in der Zukunft durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Öhringens Veranstaltungsleiter David König betont: "Man muss einfach mit der Zeit gehen". Und weil das so ist, zum Schluss noch der Blick auf eine Neuerung aus dem Jahr 2024: Seitdem gibt es auf dem Pferdemarkt in Öhringen auch Hobby-Horsing - ein Wettbewerb mit Steckenpferden für rund 30 Kinder. Für leuchtende Kinderaugen braucht es also nicht immer ein echtes Pferd, aber gerade die sorgen doch für echte Begeisterung - egal ob montags oder sonntags.