Die Stadt Konstanz muss sparen. Und das soll künftig auch die Bodensee Philharmonie zu spüren bekommen. Das städtische Orchester soll zwar erhalten bleiben, bis 2030 aber mit deutlich weniger Geld von der Stadt auskommen. Das geht aus einer Sitzungsvorlage für den Konstanzer Gemeinderat in der kommenden Woche am Dienstag hervor.
Einsparungen in Millionenhöhe bei der Philharmonie
Bis 2030 soll der Zuschuss der Stadt Konstanz an die Bodensee Philharmonie auf etwas über drei Millionen Euro sinken. Das wären über eine Million weniger als bislang für dieses Jahr laut Verwaltung eingeplant.
Den geringeren Zuschuss ausgleichen soll die Philharmonie laut Sitzungsvorlage durch Einsparungen und höhere Einnahmen. Geprüft werden etwa höhere Ticketpreise, eine Verkleinerung des Orchesters und eine gemeinsame Leitung mit dem Theater. Weil das Orchester laut Stadt in die ganze Bodenseeregion ausstrahlt, sollten sich auch der Landkreis Konstanz und die Schweizer Nachbarn stärker an den Kosten beteiligen.
Wenn "die finanziellen und strukturellen Voraussetzungen für die Bodensee Philharmonie geschaffen und dauerhaft gesichert seien", wolle der Gemeinderat nochmals den Bau eines Konzerthauses oder Konzertsaales prüfen, heißt es weiter in der Vorlage. Das städtische Grundstück neben dem Bodenseeforum solle hierfür reserviert werden.
Zukunft der Philharmonie nicht gesichert
Zwar heißt es in der Vorlage für den Konstanzer Gemeinderat, der Gemeinderat bekenne sich zum Erhalt der Bodensee Philharmonie als kultureller Einrichtung der Stadt Konstanz. Nach Einschätzung von Beat Fehlmann, dem früheren Intendanten und heutigen Berater der Philharmonie, sichert das dort beschriebene Vorgehen die Zukunft des Orchesters jedoch nicht.
Ist die Suche nach neuem Geld langfristig nicht zu erfüllen, dann wird das Orchester sterben.
Fehlmann begrüßt ausdrücklich, dass die Philharmonie die Einnahmenseite erhöhen und zusätzliche Mittel einwerben soll. Zugleich verweist er gegenüber dem SWR darauf, dass in der Vorlage deutliche Kürzungen der städtischen Zuschüsse festgeschrieben sind. Das bedeutet: Gelingt es nicht, neue Förderer – etwa in der Schweiz – zu finden, werden die Zuschüsse der Stadt Konstanz dennoch reduziert. In diesem Fall sei die Bodensee Philharmonie nicht überlebensfähig, so Fehlmann.
Ungleiche Verteilung der Sparlast im Kulturbereich
Außerdem kritisiert er die Verteilung der Sparlast im Kulturbereich: "Bezogen auf den Kulturbereich, der 2,2 Millionen einsparen soll, würde das Orchester also 50 Prozent dieser Einsparsumme übernehmen. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass das Orchester aus dem städtischen Kulturetat etwa 15 Prozent des Gesamtetats jährlich erhält. Also: Der Player, der 15 Prozent bekommt, soll 50 Prozent einsparen. Und das ist natürlich aus institutioneller Sicht schon auch so zu lesen als ziemliche Abstrafung."
Aus seiner Sicht wäre es deshalb fairer, auf beiden Seiten die gleichen Maßstäbe anzulegen: Die Philharmonie bemüht sich nach außen um neue, zusätzliche Gelder – und im Gegenzug würden die städtischen Zuschüsse erst dann gekürzt, wenn diese neuen Mittel tatsächlich eingeworben sind und sich als dauerhaft stabil erweisen.
Die Bodensee Philharmonie steht schon länger unter Druck: Sie war mehrfach Gegenstand von Sparprüfungen. Zuletzt kamen auch mehrere Wechsel an der Spitze hinzu. Derzeit ist die Stelle des Intendanten nicht besetzt. Der Chefdirigent Gabriel Venzago verlässt die Bodensee Philharmonie im kommenden Sommer.