Es sind turbulente Zeiten für die Bodensee Philharmonie in Konstanz. Nicht nur der Chefdirigent Gabriel Venzago hat angekündigt, seinen Vertrag im kommenden Jahr auslaufen zu lassen, sondern auch Intendant Hans-Georg Hofmann hat überraschend seinen Vertrag vorzeitig zum Ende der aktuellen Spielzeit 25/26 gekündigt. Er möchte sich stattdessen selbstständig machen. Eine Entscheidung, die er schon länger in seinem Kopf hatte.
Im SWR-Interview erklärt Intendant Hans-Georg Hofmann diesen Schritt, blickt auf seine Zeit in Konstanz und erklärt, wie es mit der Philharmonie weitergehen könnte. Denn die Stadt Konstanz hat ein Millionendefizit und plant Einsparungen im Haushalt, die auch das Orchester betreffen könnten.
SWR Aktuell: Warum haben Sie zum 31. Juli dieses Jahres gekündigt?
Hans-Georg Hofmann: Aus persönlichen Gründen. Ich habe schon vor zwei Jahren, als ich meine Tätigkeit beim Sinfonieorchester Basel beendet hatte, mir Gedanken gemacht, in einer anderen Form als bisher weiterzuarbeiten. Dann kam der Anruf aus Konstanz, ob ich als Interimsintendant einspringen möchte. Das habe ich sehr, sehr gerne gemacht. Und ich bin auch sehr dankbar für diese Erfahrungen, die ich machen konnte. Aber ich habe in den letzten Wochen für mich entschieden, dass ich doch einen neuen Weg gehen möchte.
SWR Aktuell: Wie sieht der neue Weg aus?
Hans-Georg Hofmann: Ich möchte mich selbstständig machen. Das habe ich schon vor zwei Jahren angedacht. Ich möchte meine Erfahrungen im Orchestermanagement, aber auch mit Festivals, weitergeben und eine Beratung, eine Agentur, aufbauen.
SWR Aktuell: Was ist Ihre Bilanz von zwei Jahren Bodensee Philharmonie Konstanz?
Hans-Georg Hofmann: Das ist eine sehr durchwachsene Bilanz. Um mit dem Positiven zu beginnen: Das Orchester hat in jeglicher Hinsicht geliefert. Die Auslastung der Konzerte ist immer weiter nach oben gegangen. Die Abonnentenzahlen gehen in Richtung 3.000. Künstlerisch hat das Orchester Höchstleistungen erbracht. Ich bin sehr glücklich, dass ich dazu beitragen konnte. Auch die Wahrnehmung hat sich in der Stadt dank des Exzellenzprojekts noch mehr verbessert. Wenn ich von Durchwachsen spreche, muss ich sagen, dass ich etwas vermisse: Die Anteilnahme von Seiten der Verantwortlichen dieser Stadt, was die Bedeutung der Bodensee Philharmonie angeht. Es gibt im Moment keine wirkliche Perspektive. Das Orchester hat es aber verdient, eine Perspektive zu bekommen.
SWR Aktuell: Welchen Einfluss haben die angekündigten Sparmaßnahmen der Stadt auf Ihre Entscheidung gehabt? Einzelne Personen hatten ja immer wieder auch die gesamte Bodensee Philharmonie infrage gestellt?
Hans-Georg Hofmann: Zunächst einmal ich kann dieses Zögern absolut verstehen. Das ist eine schwierige Situation, in der sich die Stadt befindet. Aber es braucht einfach Entscheidungen. Ich glaube, da habe ich in gewisser Weise auch von meiner Seite ein Zeichen gesetzt. Es muss jetzt eine Dynamik ins Rollen kommen. Eine Entscheidung getroffen werden, dass es mit der Philharmonie weitergeht. Das ist ganz, ganz wichtig.
SWR Aktuell: Hätte man nicht auch sagen können, es wäre wichtig, dass Sie jetzt noch länger bleiben, um der Philharmonie den Rücken zu stärken? Könnten nicht auch Kritiker sagen, da springt einer ab, wo es um den Erhalt der Philharmonie geht?
Hans-Georg Hofmann: Ich sehe das eigentlich eher anders. Es besteht darin eine Chance, jetzt jemanden für diese Aufgabe zu suchen: Sich noch mal zu überlegen, was braucht es für eine Person in dieser Situation. Es ist gleichzeitig auch so, dass der Chefdirigent auf Ende der nächsten Spielzeit die Philharmonie verlassen wird. Dadurch sehe ich eher eine Chance, dass man sich neu ausrichten kann. Und sich wirklich überlegt, zusammen mit der Stadt, was braucht es für Personen, damit die Philharmonie wieder weitergeführt werden kann.
SWR Aktuell: Glauben Sie, dass es einen Nachfolgeintendanten gibt, ohne ein vorheriges Bekenntnis des Gemeinderates zur Philharmonie?
Ich denke, es braucht erst das Bekenntnis, und dann wird sich ein Intendant sehr schnell finden.
SWR Aktuell: Was geben Sie einem Nachfolger, einer Nachfolgerin mit auf den Weg?
Hans-Georg Hofmann: Es ist alles auf einem guten Weg. Ich kann sagen, ich übergebe ein Haus, das sowohl in der Administration als auch auf der künstlerischen Ebene sehr gut unterwegs ist. Wenn ich einen Rat geben kann, dann ist es sicherlich der, dass man schauen muss, dass man eine Strategie zusammen mit den anderen Kultureinrichtungen in der Stadt Konstanz entwickelt. Damit man gemeinsam in die Zukunft gehen kann. Hier sehe ich noch ein sehr hohes Potenzial.