In den Wäldern der Region Bodensee-Oberschwaben besteht Waldbrandgefahr. Deshalb ist in vielen Landkreisen Grillen und das Anzünden von Feuern verboten. So hat zum Beispiel der Bodenseekreis seine Allgemeinverfügung bis Ende August verlängert, die die Nutzung von Grillstellen untersagt. Im Kreis Biberach ist das Entzünden eines Feuers ebenfalls nicht erlaubt. In der benachbarten Schweiz fiel das Feuerwerk zum Nationalfeiertag aus.
Die Wälder der Region sind anders als in Frankreich oder Spanien
"Die Waldbrandgefahr ist sehr hoch", betont der Konstanzer Forstamtsleiter Rainer Wendt. Trotzdem hätten die Brände beispielsweise rund um die französische Stadt Bordeaux eine andere Qualität. Solche Brände seien hier nicht zu erwarten, erklärt er. Denn die Wälder der Region bestünden überwiegend aus Mischwäldern: "Die sind nicht so harzhaltig." Diese Wälder entzündeten sich nicht so leicht und erhielten ein Feuer nicht so gut.
Auch der Landesbetrieb ForstBW erklärt auf seiner Internetseite, dass für die Brandgefahr in Wäldern die Zusammensetzung eine wichtige Rolle spielt. Wälder mit vielen Nadelbäumen seien stärker gefährdet als welche mit Laubbäumen. Doch Trockenheit erhöhe auch dort die Gefahr. Vorsicht gilt deshalb auch aus Sicht von ForstBW, denn der Mensch sei - absichtlich oder unabsichtlich - für die meisten Feuer im Wald verantwortlich.
Aber auch ganz ohne Feuer: Forstamtsleiter Rainer Wendt erwartet sichtbare Veränderungen der Wälder in den kommenden Jahren. Denn die Kronen empfindlicher Baumarten seien durch Hitze und Trockenheit abgestorben. Wie viele von diesen Bäumen sich regenerieren, sei noch nicht abzusehen. "Wir werden manche davon wahrscheinlich fällen müssen", glaubt er. Nachwachsen würden dann vermehrt andere Arten, die das veränderte Klima besser vertragen, beispielsweise Eichen, Kirschen oder Ahornarten.
Manche Bäume in Oberschwaben beginnen bereits ihr Laub abzuwerfen
Förster Christoph David sieht in seinem Revier im Kreis Ravensburg ebenfalls, wie trocken der Wald ist. "Die Buchen sehen schon aus wie normalerweise erst in sechs bis acht Wochen", sagt er. Das Laub verfärbe sich bereits. Trotzdem erwartet auch er keine Feuer, bei denen große Waldstücke komplett den Flammen zum Opfer fallen.
Die meisten Feuer würden auf freien Flächen ausbrechen, oft auf Äckern und Feldern. Solche Bodenfeuer könnten sich in die Wälder hinein ausbreiten. "Sie bleiben aber meistens Bodenfeuer", erklärt der Förster. Dem Wald in der Region Bodensee-Oberschwaben käme die höhere Lage und der über das gesamte Jahr gesehen höhere Niederschlag zugute. Dennoch warnt Christoph David eindringlich davor, Grillfeuer zu entzünden.
Für viele Gebiete gilt die höchste Waldbrandgefahrenstufe
"Die Skala für die Waldbrandgefahr geht von eins bis fünf und fünf ist ein sehr hohes Risiko. Derzeit haben wir in großen Gebieten der Region die fünf", erklärt Roland Roth von der Wetterwarte Süd. Das käme zwar immer mal wieder vor. Allerdings sei es außergewöhnlich, wie lange die derzeitige Trockenheit schon anhalte.
Seit Ende Mai sei die Gefahr vielerorts in dieser Kategorie eingestuft, erklärt Roth. Niederschläge hätten die Situation nur kurzfristig und lokal begrenzt verbessert - auch das ungewöhnlich. Das habe es so nur Mitte der 1970er-Jahre und 2018 gegeben - sowie 2003, als die Hitze voreilig bereits als "Jahrhundertsommer" bezeichnet worden sei.
Für die Gefahr von Waldbränden sei nicht nur der fehlende Regen verantwortlich, erklärt Roth. "Dazu kommen die intensive Sonneneinstrahlung, der kräftige Wind und die geringe Luftfeuchtigkeit." Deshalb würde viel Wasser verdunsten. In der ersten Augustwoche sei auch keine grundlegende Änderung zu erwarten, weiter könnte eine seriöse Prognose nicht reichen. Zumal der Klimawandel auch die Vorhersagen schwieriger mache.